Zwischen Tempo 30 und Fauststraße ist engagierte Gelassenheit

Bürgerversammlung Trudering-Riem wird zum Straßenfeger

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Die diesjährige Bürgerversammlung Trudering-Riem war nicht nur gut besucht, sondern einfach nur gut. Ein Abend gegen das Gefühl der Machtlosigkeit.

Alfred Mayer hatte seine Redezeit von fünf Minuten aufgebraucht und seinen Antrag zum Thema „Wege aus der Wohnungsnot“ vorgetragen. Aber eines wollte er unbedingt noch loswerden. „Geht in eine Partei! Macht von euren Bürgerrechten Gebrauch“, rief er dem vollen Saal bei der Bürgerversammlung Trudering-Riem in der Aula des Truderinger Gymnasiums entgegen. Tatsächlich ist es schade, dass das an diesem Abend gelebte Engagement so vieler Bürger nur einmal pro Jahr zum Tragen kommt.

Mayers Antrag hatte es durchaus in sich. Er forderte einen Verzicht auf die Ausweisung neuer Gewerbeflächen. Stattdessen sollte Gewerberaum großflächig in Wohnraum umgewandelt werden (Antrag wurde knapp angenommen). Außerdem sprach er sich dafür aus, dass künftig keine privaten Bauherren mehr den Bau privater Mietwohnungen mehr übernehmen dürfen (große Mehrheit stimmte zu). Und schließlich sollte die Stadt seiner Meinung nach die weltweite Werbung für den Wirtschaftsstandort München einstellen (dieser Antrag wurde knapp abgelehnt). Ein Hauch von großer Politik schwebte durch den Raum. Und so mancher im Saal wäre wohl nur zu gerne in eine ausführliche Diskussion eingestiegen. Doch dafür ist eine Bürgerversammlung das falsche Format. Im Gegensatz zu der Arbeit in Parteien – da hatte Alfred Mayer schon Recht.

Es ist genau diese Mischung aus den großen Themen Münchens und der Welt auf der einen Seite und aus den kleinen Sorgen des Alltags, die den Abend prägten. Eine Anwohnerin beschwerte sich, dass sie in der Ottilienstraße zweimal mit ihrem Kinderwagen die Straße wechseln müsste, weil der Gehweg unterbrochen ist. Martin Schreiner vom Kreisverwaltungsreferat versprach, sich um den Fall zu kümmern. Wahrscheinlich ist aber ein privater Grundstückseigentümer das Hindernis. Eine andere Bürgerin musste ihren Antrag gar nicht mehr begründen. Nachdem sie sagte, dass sie eine generelle Tempo-30-Begrenzung auf der Friedenspromenade wünschte, erhielt sie Applaus auf offener Szene. Eine wohltuende Mischung aus Engagement und Gelassenheit prägte den Abend. Auch beim seit Jahren schwelenden Thema der Bebauung der Fauststraße 90 (HALLO berichtete). Einer der neuen Anträge fordert ein Info-Gespräch zwischen Behörden und Bürgern innerhalb von zwei Monaten. Wenn beide Seiten mit dem Geist der Bürgerversammlung in den Dialog treten, könnte sich etwas bewegen.

Marco Heinrich

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