Bürgerbegehren für mehr Grün in der Stadt

Nicht grundsätzlich gegen Bebauung

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In Trudering werden derzeit Unterschriften gegen die Bebauung der Unnützwiese gesammelt.

Das Bürgerbegehren „Grünflächen erhalten“ nimmt Fahrt auf. Die Truderinger Bürgerinitiative „Rettet die Unnützwiese“ will damit die Münchner überzeugen, dass Grünflächen in der Innenstadt wichtiger sind als neuer Wohnraum.

Oberbürgermeister Dieter Reiter hat sein Dilemma in den vergangenen Monaten gebetsmühlenartig wiederholt: Die Stadt brauche dringend bezahlbaren Wohnraum; in einem ehrgeizigen Bauprogramm sollen deshalb bis 2020 insgesamt über 40.000 neue Wohnungen entstehen, die sich auch Menschen mit schmalem Geldbeutel leisten können.

Genau solche Apartments entstehen auch auf der Truderinger Unnützwiese, im Rahmen des Projekts „Wohnen für Alle“, wobei Reiter versprach, dass „von einem Zubauen der Wiese keine Rede“ sein könne; mehr als die Hälfte der Grünfläche würde bestehen bleiben – inklusive des Bolzplatzes. Die Anwohner dagegen sehen sich einer rund 100 Jahre alten Freifläche beraubt und laufen Sturm.

Ähnliche Diskussionen gibt es derzeit in der ganzen Stadt. In Bogenhausen etwa wird seit Jahren ein 140.000 Quadratmeter großer Klimapark geplant. Der dürfte nun erheblich schrumpfen, da die Stadt in die Freifläche ein Gymnasium bauen will. Auch im ansonsten eher grauen Milbertshofen trauert man um eine Grünfläche: Auf einem Bolzplatz sollen, wie in Trudering, Apartments im Rahmen von „Wohnen für Alle“ entstehen. Und Am Hart ärgern sich die Bürger: Einst wurden sie für die Errichtung einer öffentlichen Grünanlage zur Kasse gebeten; auf eben jener Fläche wurde nun aber eine Containeranlage für Flüchtlinge geplant.

„Eine Stadt ohne Grünflächen ist nicht mehr lebenswert“, finden die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Rettet die Unnützwiese“. Der Stadt wirft die Gruppe schlicht „falsche Planung“ vor. Aus diesem Grund gebe es nun auch das Bürgerbegehren. Ziel: der Erhalt der rund 650 ausgewiesenen Grünflächen in München.

Dass es angesichts einer stetig wachsenden Bevölkerung und der Tatsache, dass nun mal nicht jeder Münchner in der glücklichen Lage ist, ein Häuschen oder eine Eigentumswohnung zu besitzen, zu einem Konflikt zwischen Umweltschutz und Wohnungsnot kommen könnte, scheint den BI-Vertretern klar. BI-Sprecher Stefan Hofmeir betont daher: „Das Bürgerbegehren richtet sich nicht generell gegen Bebauung! Mit unserem Bürgerbegehren sind auch neue Stadtviertel wie Freiham oder im Nordosten Münchens auf ehemaligen Ackerflächen möglich.“

Kleinräumig verteilte, Wohngebietsnahe Flächen wie die Unnützwiese seien dagegen als öffentliche Erholungsflächen notwendig. Viele dieser Grünflächen würden außerdem die Funktion sogenannter Frischluftschneisen oder klimatischer Ausgleichsräume übernehmen oder als Rückzugsmöglichkeiten für viele Tier- und Pflanzenarten dienen.

Schon jetzt, berichtet Hofmeir, bekämen er und seine Mitstreiter „sehr viel Zuspruch und Unterstützung aus allen Stadtteilen Münchens“. Die für ein erfolgreiches Bürgerbegehren benötigten 35.000 Unterschriften sieht er daher als machbare Hürde an. „Wenn 1000 Leute mithelfen, muss jeder nur 35 Unterschriften sammeln.“

Mehr Informationen dazu gibt es unter www.gruenflaechen-erhalten.de.

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