HALLO-Interview

»Betroffene können mit einem Zurückbehalt oder mit einer Mietminderung Druck aufbauen«

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Werner Robl (Foto) ist Geschäftsführer des Vereins „Mieterhilfe“, den es seit 1977 mit Sitz in München gibt . Deutschlandweit vertritt der Verein rund 9000 Mitglieder in allen Fragen des Mietrechts.

HALLO: Die Nachverdichtung ist ein bestimmendes Thema in München und im Landkreis. Leidet darunter auch allgemein die Stimmung zwischen Mietern und Vermietern? 

Robl: Ich bin in diesem Bereich schon seit 1986 tätig. Dass die Anzahl der Konflikte zunehmen oder dass die Heftigkeit größer wird, würde ich nicht sagen. Aber wir haben in München sehr hohe Mieten und die Nebenkosten sind im Deutschlandvergleich auch sehr hoch. Natürlich kommt es mit solchen Rahmenbedingungen zu Spannungen.

Kommen wir zum Fall an der Bajuwarenstraße. Wie ist Ihre Meinung als Fachmann?

Ohne Einblick in die Originalunterlagen ist eine Einschätzung natürlich schwer. Aber Fakt ist, dass die Nebenkosten tatsächlich sehr hoch zu sein scheinen. Man rechnet in München mit Betriebskosten von 1,85 Euro pro Quadratmeter. Und mit Kosten für Heizung und Warmwasser von knapp einem Euro. Ich würde da eher 1,20 bis 1,30 Euro ansetzen. Aber selbst dann wären die Mieter in der Bajuwarenstraße noch weit drüber.

Was würden Sie den Mietern raten: Wie können sie auf solch ein Problem reagieren?

Natürlich würde es die Dinge einfacher machen, wenn sie sich organisieren. Denn offensichtlich sind hier ja sehr viele Parteien betroffen. Sie könnten eine Mietergemeinschaft bilden und einen oder zwei Sprecher wählen. Das sollten Leute sein, die keine Angst vor Papier haben. Denn ihre erste Aufgabe wäre es, die Originalbelege der Kostenarten zu sichten, die ungewöhnlich hoch erscheinen, um zu sehen, wo genau die hohen Kosten herstammen und ob sie berechtigt sind. Der Vermieter ist verpflichtet, ihnen Einsicht zu gewähren.

Welche Möglichkeiten haben Mieter, die ständig Ärger mit kaputten Heizungen, Jalousien und Garagentoren haben? 

Sie können auf eine Instandsetzung klagen, dafür sollten sie aber einen Rechtsanwalt einschalten. Das wäre die sauberste Lösung, kann aber natürlich das Verhältnis zwischen Mietern und Vermieter belasten. Außergerichtlich gibt es die Möglichkeit eines Zurückbehalts eines Teils der Miete, um Druck auszuüben. Die Höhe richtet sich nach dem Ausmaß der Wohnwertminderung. Nach Meinung des Bundesgerichtshofes kann man das drei oder vier Mal machen. Außerdem gibt es die Möglichkeit der Mietminderung, wenn der Wohnwert nicht unerheblich gemindert ist.

Viele Mieter haben vor solchen Schritten Angst.

Dann könnte man sich an einen Mieterverein, wie unseren wenden, um sicherzugehen, keine Fehler zu machen. Telefonische und persönliche Beratung gibt es kurzfristig und unproblematisch. Und mit einem Jahresbeitrag von 35 Euro und einer Eintrittsgebühr von 20 Euro ist das auch nicht unbezahlbar.

mh

Mieter dürfen ihre Kosten für den Hausmeister von der Steuer absetzen

Mieter können die anteilig auf sie entfallenden Kosten, etwa für den Hausmeister, die Reinigung des Hausflures oder die Gartenpflege, in ihrer Einkommensteuererklärung absetzen. Dazu muss der Vermieter die Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen entsprechend aufschlüsseln, entschied jetzt das Landgericht Berlin (Az.: 18 S 339/16). Der Mieter muss die Möglichkeit haben, anhand der Betriebskostenabrechnung zu ermitteln, welche haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerleistungen erbracht wurden, erklärt der Bund der Steuerzahler. Im konkreten Fall verklagte ein Berliner seinen Vermieter, weil dieser in der Betriebskostenabrechnung die einzelnen Leistungen und Beträge nur unzureichend aufgeschlüsselt hatte. Das Landgericht entschied, dass der Vermieter zwar nicht verpflichtet sei, eine Steuerbescheinigung auszustellen oder steuerberatend tätig zu werden, er müsse aber die Nebenkostenabrechnung so aufbereiten, dass der Mieter den Anteil der steuerlich absetzbaren Dienstleistungen selbst ermitteln kann.

Wer von seinem Vermieter eine Betriebskostenabrechnung erhält, aus der sich nicht ergibt, welche Dienstleistungen zu welchen Kosten erbracht wurden, sollte eine Aufschlüsselung verlangen, um die Posten in der Einkommensteuererklärung geltend zu machen. Mit Handwerkerleistungen und haushaltsnahen Dienstleistungen lassen sich bis zu 5200 Euro Steuern pro Jahr sparen, rechnet der Bund der Steuerzahler vor. Was im Einzelnen bei der Steuer abgesetzt werden kann, regelt ein Verwaltungsschreiben vom 9. November 2016, das online beim Bundesfinanzministerium abrufbar ist.

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