Ein schweres Geläuf für Frauen – und nichts für reine Goldgräber

Zu Besuch auf der traditionsreichen Galopprennbahn Riem

+

Seit 1897 finden auf der Galopprennbahn Riem Pferderennen statt. Was früher dem Militär und dem Adel vorbehalten war, ist heute ein Spaß für die ganze Familie! HALLO hat mit Geschäftsführer Horst Lappe darüber geredet, wer heute noch auf die Rennbahn geht und warum Frauen als Jockey keine Chance haben.

Horst Lappe sitzt in seinem Büro mitten auf der weitläufigen Anlage der Galopprennbahn Riem und scrollt durch die Weltranglisten des Turniersports. „Im Dressurreiten findet man 15 Frauen unter den ersten 20, im Reitrennsport ist es gerade mal eine — und zwar auf Platz 18“, stellt er fest. Das findet der Geschäftsführer der Galopprennbahn Riem nicht verwunderlich, denn der Beruf Jockey ist ein Knochenjob.

Wenn es darum geht, sich auf den edlen Vollblütern in vollem Galopp zu halten, helfen auch heute keine neuen Technologien. Da geht es wie schon vor 100 Jahren, um reine Muskelkraft und vor allem um viel Mut. Auch Unfälle passieren nicht selten. Und das alles für 75 Euro pro Rennen! Diesen Beruf wählt man aus Leidenschaft.

Dabei wären Frauen körperlich nicht ungeeignet für den Sport. Als Jockey darf man nicht mehr als 54 bis 56 Kilo wiegen und muss dennoch muskulös sein. Bei der Tendenz, dass Menschen heutzutage immer größer und schwerer werden, ist es da nicht mehr so leicht, passende Jockeys zu finden. Dennoch haben Frauen in diesem Beruf kaum eine Chance. „Der Rennsport ist ähnlich wie der Fußball immer noch eine Männer-Domäne“, sagt Lappe. Ohne ein gutes Pferd kann der beste Jockey kein Rennen gewinnen und gute Pferde werden kaum an Frauen vergeben. Selbst heute noch. Frauen traut man das Draufgängertum immer noch nicht so recht zu.

Davon abgesehen hat sich in den letzten 100 Jahren, seitdem die Galopprennbahn Riem gegründet wurde, so einiges geändert. Waren Pferderennen früher dem Adel und dem Militär vorbehalten, ist so ein Rennbesuch heute etwas für den sonntäglichen Familienausflug. Neben einem Restaurantbesuch, Hüpfburg oder Ponyreiten für die Kinder lassen es sich die meisten nicht nehmen, auf das ein oder andere Pferd zu setzen. Mut und Kampfgeist braucht man nicht nur als Jockey. Auch als Besucher kann man an Renntagen ein wenig von der Wettkampfstimmung schnuppern. „Es macht einfach mehr Spaß, bei den Rennen mitzufiebern, wenn man dabei etwas gewinnen kann“, glaubt Lappe. Das ist nicht nur für Pferdefans wie ihn spannend. Ahnung vom Rennsport müsse man dabei nicht haben. „Die Chance, etwas zu gewinnen, ist größer, wenn man auf seine Lieblingszahl oder den süßesten Jockey setzt. Wenn man anfängt, Ahnung zu haben, ist man nur gehemmt.“

Horst Lappe, Geschäftsführer der Galopprennbahn Riem, mit seinem Liebling „Heart Ahead“.

In diesem Sport kann alles passieren. Auch dass der größte Außenseiter doch mal ein Rennen gewinnt — und danach nie wieder. „Diese Saison hatten wir erst zwei Renntage. Da kristallisiert sich noch heraus, welches Pferd wirklich Potential hat“, sagt Lappe. Der fünfjährige Atillio hat allerdings schon ein Rennen in Frankreich gewonnen und gilt als große Hoffnung. Und das, obwohl der Sohn von Deckhengst Lawman und seiner Mutter Councilofconstance mit seinen fünf Jahren fast schon zum alten Eisen gehört. Die Karriere eines Rennpferdes ist kurz. Als Jährlinge kommen sie in den Rennstall. Mit zwei Jahren laufen sie ihr erstes Rennen und mit sechs Jahren ist ihre Laufbahn als Rennpferd vorbei. „Ein Rennpferd verbessert sich nicht. Wenn es nicht von Anfang an gut ist, weiß man ziemlich schnell, dass das nichts mehr wird“, sagt Lappe. Aber keine Sorge: Auf dem Esstisch landen die edlen Tiere dann nicht. Die meisten werden als Reitpferde verkauft oder manchmal sogar verschenkt. Den Besitzern ist es viel wichtiger, dass es ihren Tieren gut geht, als dass sie Profit mit ihnen machen. Den machen sie heutzutage ohnehin nur noch in absoluten Ausnahmefällen. Ein Rennpferd kostet im Schnitt zwischen 10.000 und 20.000 Euro, hinzu kommen die Unterhalts- und Trainingskosten. Die Chance, dass es das wieder einläuft, ist gering. Für die Besitzer ist es einfach ein schönes Hobby, an Renntagen zu hoffen, dass das eigene Pferd gewinnt.

Lydia Wünsch

Galopprennbahn: Türkischer Renntag

Eine Premiere feiert am Samstag, 23. Juni, der Türkische Renntag auf der Galopprennbahn Riem, Graf-Lehndorff-Straße 36: eine Mischung aus orientalischem Sommerfest, Folklore und Galopprennen. Sportliche Highlights sind das erste Riemer Zweijährigen-Rennen der Saison und zwei Rennen für Dreijährige. Auf der Fläche wartet ein türkischer Markt mit türkischen Spezialitäten und Kunsthandwerk. Zum Ende des Renntags wird auf einer Show-Bühne ein Folklore-Programm geboten, so dass man den Renntag gemütlich bei Kebap und Raki ausklingen lassen kann.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Schwerer Schicksalsschlag: Wie fühlt man sich, wenn man sein Kind verliert? 
Schwerer Schicksalsschlag: Wie fühlt man sich, wenn man sein Kind verliert? 
Das All-in-One-Shopping-Erlebnis, auch zur WM!
Das All-in-One-Shopping-Erlebnis, auch zur WM!
Kreisjugendring München-Stadt organisiert geschlechterspezifische Veranstaltungen 
Kreisjugendring München-Stadt organisiert geschlechterspezifische Veranstaltungen 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.