Kunstrasenplätze und Rückenwind für den Kinder-Aktions-Koffer

Ein Beispiel aus Riem zeigt, wie Jugendliche am politischen Prozess teilhaben können

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Frank Eßmann (4.v.l.) mit Vertretern des Bezirksausschusses und des Baureferats.

Wenn der Ball rollt, sind viele Probleme vergessen. Doch auf dem Bolzplatz an der Lehrer-Wirth-Schule in Riem rollte er schon seit längerer Zeit weitgehend unberechenbar.

Der Platz ist in einem schlechten Zustand. Hundekot sorgt außerdem für unangenehme Überraschungen. Kein neues Thema, Streetworker beantragten schon 2014 Ausbesserungen und eine Beleuchtung. Doch jetzt passiert endlich etwas – und die Jugendlichen selbst spielten dabei eine zentrale Rolle.

Bei einem Ortstermin mit Frank Eßmann, dem Kinderbeauftragten aus dem Bezirks- ausschuss Trudering-Riem, und Vertretern des Baureferates kam man einer Lösung deutlich näher. „Wir waren uns einig, dass Rasen auf Dauer keine Lösung ist. Der Platz wäre ein Jahr lang unbespielbar – und ein weiteres Jahr später würde er wieder so aussehen wie jetzt. Es wird also auf Kunstrasenplätze hinauslaufen“, zeigte sich Eßmann von den Gesprächen sehr erfreut. Statt einem großen Rasenplatz soll es künftig zwei bis drei voneinander getrennte Kunstrasenplätze geben. Dazu sollen entsprechende Fangzäune eingerichtet werden. Angeregt wurde auch eine Beschattung – in der Form wie sie am Fitnessparcours realisiert ist. Ganz nach dem Willen der Jugendlichen, die das ganze Thema im Rahmen des Kinder- und Jugendforums im April wieder ins Rollen gebracht hatten. Ein schönes Beispiel dafür, wie Jugendliche am politischen Prozess teilhaben und ihr eigenes Umfeld mitgestalten können. Dazu gehört allerdings auch, sich einen langen Atem anzutrainieren. Denn bis die Arbeiten beginnen, wird noch einige Zeit vergehen.

„Es muss ein ordentliches Genehmigungsverfahren geben. Nicht nur in Sachen Lärmschutz. Es muss auch eine Ausgleichsfläche gefunden werden, da ein Kunstrasenplatz auch immer eine Versiegelung der Fläche bedeutet“, erklärt Eßmann. 2020 sollen die Kunstrasenplätze dann tatsächlich gebaut werden. „Für städtische Verhältnisse ist dieses Tempo durchaus okay. Aus Kindersicht aber natürlich sehr lang“, sagt Eßmann mit einem Augenzwinkern. Vielleicht haben die Jugendlichen aber durch den Erfolg jetzt die Motivation, in der Zwischenzeit weitere Projekte anzugehen. Und das soll in naher Zukunft noch einfacher werden.

Trudering-Riem wird 2019 Teil eines Projektes, das in Pasing und Laim bereits erfolgreich umgesetzt wird: der Kinder-Aktions-Koffer – ein praktisches Set zur Ausleihe, das alle unterstützt, die sich mit Kindern gemeinsam für mehr Kinderfreundlichkeit stark machen wollen. Mit dem Kinder-Aktions-Koffer können Kinder zwischen sieben und 14 Jahren ihren Stadtteil unter die Lupe nehmen und sich aktiv mit ihrem Lebensraum auseinandersetzen. Beim Forschen, Erkunden und Dokumentieren helfen im Koffer ein kurzer Einführungsfilm, Fotoapparate, Sofortdrucker, Aufnahmegerät, Stempelset, Buttons zum Selbstgestalten, Klemmbretter, Umhängetaschen, Luftbildaufnahmen und Pläne vom Stadtteil. Begleitende Erwachsene finden darin außerdem ein Methodenheft mit praktischen Aktionsvorschlägen. Im Februar/März startet das Projekt mit einem Einführungsworkshop für alle Interessierten.

„Viele Jugendliche sehen Politik eher als ein abstraktes Gebilde, mit dem man oft wenig anfangen kann. Was sicherlich auch dazu führt, dass die Wahlbeteiligung unter jungen Menschen deutlich geringer ist“, sagt Eßmann. „Mit diesem Projekt kann man bereits Kindern zeigen, was Politik bedeutet und diese greifbar machen. Jede Entscheidung ist im Endeffekt Politik. Selbst die Planung eines Wochenendausflugs der Familie.“

Marco Heinrich

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