Es summt und brummt in der Münchner Politik – und fast alle lachten mit

Beim Truderinger Ventil hatten die Insekten das Sagen

Die gedoubelten OB-Kandidaten im Singspiel: OB Dieter Reiter als gemütlicher Marienkäfer, Katrin Habenschaden als grüner Grashüpfer und Kristina Frank als schwarze Witwe.
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Die gedoubelten OB-Kandidaten im Singspiel: OB Dieter Reiter als gemütlicher Marienkäfer, Katrin Habenschaden als grüner Grashüpfer und Kristina Frank als schwarze Witwe.

Im ausverkauften Truderinger Kulturzentrum fand am Sonntag das 20. Truderinger Starkbierfest statt. Ventil-Chef Winfried Frey wählte dieses Jahr das Thema „Auf unserer grünen Wiese“. Natürlich stand der Kommunalwahlkampf im Mittelpunkt. Die drei aussichtsreichsten Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt waren deswegen gleich doppelt vertreten. HALLO verrät die witzigsten Pointen und wer am meisten schlucken musste.

Trudering – Auf der grünen Wiese geht es zu wie am Stachus. Da waren sich die Insekten im Singspiel des Truderinger Ventils einig. Von Salmdorf ratterten die Kiesbomber vorbei, dann kamen die Radler vom Riemer Park und nicht zu vergessen, diese nervigen Stand-Up-Paddler!

Die echten drei OB-Kandidaten.

Das Programm des 20. Truderinger Ventils entführte die Zuschauer auf die Wiese neben der Bahnstraße in Trudering. Diese sorgte im realen Leben für einen handfesten Streit zwischen Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller und OB Dieter Reiter, als dieser die Bahnstraße (inklusive Adlerstraße und Drosselweg) für den Schwerlastverkehr sperrte. Denn nun bleibt den Brummis nichts anderes übrig, als durch Haar zu fahren, um das Kieswerk in Salmdorf anzufahren. „Jetzt hat das Tischtuch einen Riss“, sagte Müller zur Beziehung zwischen Gemeinde und Stadt. Und auch die Krabbeltiere im Singspiel bekamen die Folgen zu spüren. Trotzdem mussten die Insekten auch dieses Jahr wieder ihren neuen OB, also Oberboss, wählen. Das passte dem derzeitigen Oberboss, dem roten Marienkäfer, der OB-Dieter Reiter verkörperte (gespielt von Werner Hartmann) so gar nicht. Schließlich gefiel er sich in seiner Rolle ganz gut und hatte so gar keine Lust, irgendwo anders hinzugehen. Schon gar nicht, weil er dafür viel zu gemütlich ist. Wären da nicht die schwarze Witwe, die CSU-Kandidatin Kristina Frank darstellte (gespielt von Kristin Sikder), und der grüne Grashüpfer, der Grünen-Kandidatin Katrin Habenschaden imitierte (gespielt von Elisabeth Grünebach)! Die beiden Damen machten dem gemütlichen Marienkäfer ganz schön Feuer unterm Hintern. Dabei wollte der Oberboss am liebsten „mit Harmonie zum Wohnungsbau“ kommen und auch den Streit mit „der Müllerin“ doch einfach nur beharrlich aussitzen. Umso besser, dass der Grashüpfer fast zu spät gekommen wäre, da er ja immer mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln fährt — und das dauert besonders in den Münchner Osten sehr lange. Am Schluss halfen aber dann doch alle Kontrahenten zusammen, als der Marienkäfer von einen Crossbiker umgeworfen zappelnd auf dem Rücken lag und die Frauen ihre Liebe Not damit hatten, ihn wieder hoch zu hieven.

Bei der anschließenden Fastenpredigt trat Winfried Frey dann als Prinzgemahl der Bienenkönigin Maya auf und verpasste den Großkopferten wieder einen eher sanften Einlauf. Denn wirklich bös‘ konnte man dem charmanten Bienenprinzen nicht wirklich werden. Weder als er die SPD als einen „Personal-Mixer“ bezeichnete, der bis jetzt 38 Parteivorsitzende verschlissen hat, noch als er feststellte, dass Dieter Reiter offenbar in einen Jungbrunnen gefallen sein muss, da er auf seinen Wahlplakaten, wohl dank Photoshop, jünger statt älter zu werden scheint.

Kristin Sikder spielt als Kristina Frank-Double eine schwarz Witwe.

Einzig OB-Kandidatin Kristina Frank hatte schwer an ihrem Starkbier zu schlucken, als Frey sagte, dass ihre Kampfstrategie es sei, Verwirrung zu stiften. Denn außer der CSU selbst könne keiner die Wahlplakate verstehen. „Des hoaßt, de Leut so lange damisch reden und immer wieder im Kreis herum und außen rüber argumentieren, dass die irgendwann zu Allem ‚Ja und Amen‘ sagn und wie ferngsteuert die schwarze Liste ankreuzen. Des funktioniert. Schauts, in Amerika hats ja aa hi‘ghaut“, so Frey. Und beim Trump-Vergleich blieb es auch nicht. Zum Schulterschluss von Kristina Frank mit Ministerpräsident Markus Söder sagte er: „Sie san eine Frau, der der Ministerpräsident eine große Karriere zutraut. Vielleicht nicht als Oberbürgermeisterin, aber wer weiß, wo sonst [...]. Des is ungefähr so, wie wenn der Bäckermeister zu seinem Gselln sagt: Du wirst amoi a guater Schuaster.“

Auch die Anspielung auf SPD-Vorsitzende Claudia Tausend durfte nicht fehlen. Genau vor einem Jahr sorgte ein Foto, das Tausend vom Truderinger Ventil auf Facebook postete, für Furore, da die CSU-Abgeordneten auf dem Bild plötzlich fehlten. Tausend erklärte später, dass ein Mitarbeiter sich einen Spaß daraus gemacht habe, die Politiker wegzuretuschieren. Bis das Ganze aufgeklärt war, sorgte das Bild für so viel Verwirrung, dass CSU-Stadtrat Sebastian Schall schon an seinem Gedächtnis zweifelte. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir alle gemeinsam auf die Bühne gegangen sind. Und ich bin mir auch sehr sicher, dass ich direkt neben Dieter Reiter stand“, zitierte Frey Schalls Worte.

Natürlich vergaß Frey gegen Ende seiner Predigt auch nicht, an jenen zu gedenken, der das Truderinger Ventil einst ins Leben gerufen hat, dem verstorbenen Hermann Memmel. Gemeinsam mit Karl Dressel und Egon Frauenberger hatte er das Truderinger Ventil aus der Taufe gehoben.

Winfried Frey bei der Fastenpredigt.

Es war ein Abend der Jubiläen im ausverkauften Truderinger Kulturzentrum. Denn nicht nur das Ventil selbst feierte seinen Zwanzigsten, auch Winfried Frey feierte sich am Schluss ein bisschen selbst. Schließlich ist er seit zehn Jahren der künstlerische Leiter des Ventils. Da wurde er am Ende sogar ein bisschen sentimental und verhunzte den letzten Ton in seinem Gesang so sympathisch, dass das Publikum ihn mit tosendem Applaus feierte. Auch Dieter Reiter lobte das Ventil. „Die Doubles im Singspiel haben die echten Kandidaten sehr gut getroffen. Es war witzig und unterhaltsam und das zwei Wochen vor der Kommunalwahl. Das muss der Nockherberg erstmal schaffen.“ 

Lydia Wünsch

Zitate aus der Fastenpredigt

„In der München-SPD fetzts aa grad so umananda. Die Strobl kandidiert nimma, da Mittermaier und da Schmidt übrigens aa, da Reissl – i hab ma denkt mir foits Ohr ab – wechselt zur CSU. Oiso was isn do vakehrt ganga, ha? Hat der a Erscheinung ghabt, hm? 45 Jahr a Roter und schwupsdiwups is er a Schwarzer. Da war ja sogar da Michael Jackson langsamer mit seim Farbenwechsel.“

„Wo war i? Ah ja, beim Stefinger. Sag amoi, machts Ihr da im Bundestag eigentlich bloß oiwei Urlaub ha? Er war ja scho wieder in Afrika. I woaß scho als Schwarzer muaßt Du do hi. Aber denk dro, Dein Herz schlägt weiß-blau.

Wolfgang lieber Wolfgang, jetzt wird es endlich Zeit, dass Du in Berlin eppas zreisst und dich dort in Bayernthemen beißt, aufgehts_packs_o und machs gscheit. Weil du woaßt ja, Dein Partei-Chef schläft bei offenem Fenster, damit er ihn hört, noch bevor er da ist, den Ruf aus Berlin: Söder, mach uns den Kanzler… Noch sagt er, er bleibt do. Aber mei, der hat scho vui gsagt...“

„Markus Blume, was meinst Du? Oft is es gar net so schlecht, wenn ma jemanden wegloben oder wergbefördern kann, oder? Da wird der Weg frei für andere potente Kämpfer. Pssscht. Mir sagen nix. Des is ein absolut geheimer, anonym, verschleierter, dezenter, diskreter, verborgener, vertraulicher, inoffizieller, heimlicher Geheimplan, also absolute Verschlusssache.

Da schauts Ihr Publikum. Das ist, laut Andreas Scheuer, eine absolut geläufige Formulierung bei CSU-Vorgängen. Oder soll i sagen, bei CSU-Vorgängern? Bundesverkehrsminister is doch die nächste Stufe nach Generalsekretär, oder?“

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