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Ohne Auto – aber mit mehr Gemeinschaft

Die Baugemeinschaft Stadtnatur in Riem

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Volker Jung verkaufte sein Auto, um seine Wohnung in Riem beziehen zu können.

Städte haben heute viele Probleme. Zwei davon sind die Wohnungsnot und der starke Verkehr. Für beides hat man mit einem Bauprojekt in Riem eine Lösung gefunden. Und das hat noch einen positiven Nebeneffekt.

Volker Jung war auf der Suche nach einer Wohnung. Und zwar eine, die er kaufen und darin dauerhaft wohnen kann. Davon gibt es in München viel zu wenige und die, die es gibt, sind in der Regel aufgrund ihres Preises nicht für „Normalverdiener“ bezahlbar. Der 66-Jährige entschied sich für die Baugemeinschaft Stadt- natur Riem, die der Stadt im Juni vergangenen Jahres ein Grundstück in Riem abkaufte. Dort soll ein Haus mit 38 Wohnungen gebaut werden. Doch die Stadt hat nicht wenige Auflagen für das Haus.

Weil autofreies Wohnen gefördert werden soll, gibt es nur 29 Stellplätze in der Tiefgarage. „Ein Teil der Bewohner darf kein Auto besitzen, das ist Voraussetzung für das Bauprojekt“, erklärt Jung. Für viele ein drastischer Schritt, denn schließlich wird die Wohnung nicht vermietet und der Verzicht auf ein Auto muss für die gesamte Wohndauer erfolgen. Obwohl er seit seinem 19 Lebensjahr immer ein Auto besaß, fiel Volker Jung der Verkauf nicht schwer. „Ich habe es nur sehr selten benutzt, höchstens für weitere Reisen, aber nicht in der Stadt“, erzählt Jung, der nicht der Vorstellung eines typischen „Ökos“ entspricht. Oft habe er die Erfahrung gemacht, wegen des stockenden Verkehrs in der Stadt mit dem Auto länger zu Terminen und zur Arbeit zu brauchen als mit dem Fahrrad. Um effizienter unterwegs zu sein, fährt er bei jedem Wetter mit dem Rad. „Ich bin ja nicht aus Pappe“, lacht er, „für weitere Wege nutze ich eben die Bahn oder auch Fahrgemeinschaften.“

Doch nicht nur der Verzicht auf ein eigenes Auto ist eine Auflage, die die Baugemeinschaft berücksichtigen muss. „Es gibt einen Kostenrahmen. Wir mussten uns zum Beispiel alle zusammen für den gleichen Bodenbelag entscheiden, um den nicht zu überschreiten“, erklärt Jung. Das Projekt fordert also auch eine hohe Kompromissbereitschaft der Mitglieder. Da noch nicht alle Wohnungen besetzt sind, müssen zukünftige Käufer die bereits gefällten Entscheidungen akzeptieren.

Bei all den vermeintlichen Abstrichen bietet die Baugemeinschaft jedoch etwas, was viele in Städten vermissen: Gemeinschaft. „Durch die gemeinsame Planung des Hauses lernt man sich gegenseitig sehr gut kennen“, sagt Jung, der die mittlerweile in Städten wie München gängige Anonymität zwischen Hausbewohnern vermeiden wollte. Der Kontakt und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Baugemeinschaft ist für ihn besonders wichtig. Man kenne die Nachbarschaft dann auch schon vor dem Einzug.

Dadurch, dass nicht jeder Bewohner ein Auto haben darf, sind die Nachbarn aufeinander angewiesen. Baugemeinschaftsmitglied Marco Döring sieht das auch als ökologisch vorteilhaft: „Fahrgemeinschaften für Schule oder Kindergarten sind besser, als wenn jeder selbst fährt. Und der öffentliche Personennahverkehr ist generell besser für die Umwelt und damit auch für folgende Generationen.“ Für den 34-jährigen, der im Gegensatz zu Jung nie ein Auto besessen hat, „liegt die Zukunft in effizienterer Nutzung von Autos in Kombination mit Familie, Freunden und Nachbarn und der Nutzung von Sharing-Konzepten und Dienstleistungen.“ Dafür eignet sich das Grundstück in Riem besonders, denn es liegt unweit der S-Bahnhaltestelle Riem.

Auch für Döring ist die durch das Projekt entstandene und immer noch entstehende Gemeinschaft bedeutend: „Es ist ein Miteinander, statt jeder für sich. Sicher kann man in schwierigen Situationen auf die Hilfe der Nachbarn zurückgreifen, die dann beispielsweise ein paar Kleinigkeiten besorgen.“ Auch für die Gesundheit sei die Bewegung zu Fuß oder mit dem Rad förderlich. Volker Jung stellt allerdings klar: „Das ist nicht für jeden etwas“ – schließlich ist die nächste Einkaufsmöglichkeit einen Kilometer entfernt, also zu weit, als dass man schwerere Einkäufe nach Hause tragen könnte. Deswegen will die Baugemeinschaft Lastenfahrräder anschaffen. „Ein Auto steht durchschnittlich 23 Stunden am Tag. Es ist aber ein Gebrauchsgegenstand und kein Statussymbol“, betont Döring. Die Baugemeinschaft sieht auch die Möglichkeit, bei Bedarf in der Zukunft ein gemeinsam genutztes Auto zu kaufen. Volker Jung und Marco Döring schauen optimistisch auf die Entwicklung des Bauprojektes. Laut Plan ist es zumindest vieles von dem, was derzeit gewünscht wird: Ökologisches und soziales Handeln wird gefördert und die Wohnungen sind gut an die Innenstadt angebunden.

Pia Getzin

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