Noch vier Jahre warten

Barrierefreier Umbau des S-Bahnhofs Riem

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Nach den derzeitigen Planungen kann der S-Bahnhof Riem erst im Jahr 2024 voll in Betrieb genommen werden.

Planungsfehler haben dazu geführt, dass sich der barrierefreie Ausbau des S-Bahnhofs Riem deutlich verzögert. Jetzt könnte es bis 2024 dauern, bis der Bahnhof komplett in Betrieb genommen wird.

Riem – „Die Verzögerungen ergeben sich nach Angaben der DB vor allem aufgrund einer mangelhaften Planungsqualität und dem damit verbundenen Wechsel des Planungsbüros“, heißt es in der Antwort der Bahn an den SPD-Politiker Markus Rinderspacher. Zudem habe ein Unfall am Umschlagbahnhof München-Riem zu „erheblichen Störungen im Bauablauf“ und damit zu weiteren Verzögerungen geführt.

Entsprechend massiv sind die Verzögerungen, schließlich ruhen die Bauarbeiten derzeit. Und das noch länger. Nach Auskunft der DB ist der Baubeginn derzeit für das zweite Quartal 2023 vorgesehen, die Nutzungsaufnahme Ende 2023. Eine komplette Inbetriebnahme soll demnach im zweiten Quartal 2024 erfolgen. „Der Baubeginn ist abhängig von den komplexen betrieblichen Prozessen des Eisenbahnbetriebs auf dieser wichtigen Strecke. Eine Priorisierung beziehungsweise Vorverlegung wird von der DB aktuell geprüft“, teilt Kerstin Schreyer, Bayerische Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Rinderspacher mit.

Wie viel die Planungsfehler den Steuerzahler kosten, ist derzeit noch nicht absehbar. Denn da die Entwurfsplanung überarbeitet werden muss, könne zum aktuellen Zeitpunkt noch keine seriöse Aussage über die Kostenentwicklung erfolgen. Auch planerische Konsequenzen hat das offenbar fehlerhafte Baugrundgutachten, vor allem mit Blick auf die Grundwassersituation. Anstelle des ursprünglichen Teilerhalts der Personenunterführung wird nunmehr die Kompletterneuerung der Personenunterführung mit entsprechenden Sicherungsmaßnahmen zur örtlichen Grundwassersituation geplant und auf die übrigen offenen Gewerke angepasst.

Zum aktuellen Stand teilt Schrexer dem Landtagsabgeordneten mit, dass noch keine Planungsüberarbeitung fertiggestellt worden seien, da aktuell noch kein Planungsbüro vertraglich gebunden sei. Die überarbeitete Entwurfsplanung soll bis Ende 2020 fertiggestellt und sodann die Genehmigungsplanung beim Eisenbahn-bundesamt eingereicht werden. Dabei seien allerdings aufgrund der aktuellen Marktsituation die Kapazitäten der Planungsbüros als Risiko zu sehen.

Die Bauministerin kann Rinderspacher allerdings auch einige „Erfolge“ am S-Bahnhof Riem, der im Schnitt ein tägliches Reisendenaufkommen von rund 7900 Ein- und Aussteigern aufweist, vermelden. So ist der Mittelbahnsteig inklusive Ausstattung bis zum bestehenden Treppenaufgang bereits erstellt worden. Nach Auskunft der DB sind alle Wetterschutzhäuser und das Bahnsteigdach am Mittelbahnsteig im Endzustand vorhanden. Das Dach am Mittelbahnsteig ist Ende November 2019 installiert worden. Des Weiteren sind im März zusätzliche Sitzgelegenheiten im Bereich des Daches am Mittelbahnsteig aufgebaut worden. Zudem müssen „keine signifikanten Rückbauten an bereits errichteten neuen Anlagen erfolgen“. Somit bleiben noch drei wesentliche „Baustellen“: Der Neubau der Unterführung inklusive Barrierefreiheit durch eins Rampe auf der Nordseite sowie einen Treppenzugang inklusive Aufzug auf der Südseite, die Verlängerung des Mittelbahnsteigs nach Osten und der Neubau des „Hausbahnsteigs“.

Ob die Planungsfehler ein juristisches Nachspiel haben, steht übrigens noch nicht fest. Aktuell finde hierzu eine interne Bewertung mit der Rechtsabteilung der DB AG statt, so die Ministerin.

Die festgestellten Planungsfehler

• Fehler im Planungsprozess: Grundwasserverhältnisse sowie die Speiseleitung der Oberleitungsanlage wurden nicht ausreichend berücksichtigt.

• Notwendiger Wechsel des Planungsbüros in der Ausführungsplanung. Grund waren offenbar mangelnde Qualität und fehlende Leistungserbringung.

• Massive Störung des Bauablaufs durch einen Unfall am Umschlagbahnhof München-Riem im April 2018 durch die Entgleisung eines Zuges mit anschließender rund vierwöchiger Streckensperrung.

Bei den bisher durchgeführten Maßnahmen wurden allerdings keine konkreten Fehler oder Mängel festgestellt.

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