Kinder aus der Region profitieren vom Mentorenprogramm „Balu und Du“

Als Zweiergespann durch den Dschungel

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Balu und Du

Manchmal muss man sich seinen Weg durchs Leben wie durch einen Dschungel bahnen. Kindern fällt dies leichter, wenn es einen Vertrauten an seiner Seite weiß.  So wie im „Dschungelbuch“ der Bär Balu und der Junge Mogli Freunde werden. Für das Mentorenförderprogramm „Balu und Du“ ist das Familienzentrum Trudering Träger vor Ort.

Mama und Papa sind beide voll berufstätig. Und wenn sie mal Zeit haben, dann versuchen sie ihren Kindern und dem Haushalt in ihrer knappen Freizeit gerecht zu werden. Da wächst in einem Kind die Sehnsucht nach einem Erwachsenen, der sich richtig Zeit nehmen kann. Und zwar nur für einen selbst — und das regelmäßig, so dass sich das Kind Woche für Woche auf diesen Termin freuen kann. Auf jemanden, mit dem es zusammen auf dem Spielplatz toben kann oder der Zeit hat, schwimmen zu gehen. Auf jemanden, der einen Radlausflug organisiert und einfach Zeit zum Reden hat. Das Mentorenprogramm „Balu und Du“ fördert Kinder im Grundschulalter, die Bedarf an persönlicher Zugewandtheit und aktiver Freizeitgestaltung haben. Das Familienzentrum Trudering hat das bundesweite Konzept in die Region geholt und arbeitet unter anderem mit der Grundschule an der Kafkastraße in Neuperlach oder mit der Perlacher Grundschule am Pfanzeltplatz zusammen. „Meist bekomme ich von der jeweiligen Sozialarbeiterin der Schule ein Kind empfohlen, das vom ,Balu und Du‘-Programm profitieren würde“, erzählt die Psychologin Almut Rieger. Die Kinder sind Grundschüler, die in die zweite, dritte oder vierte Klasse gehen und deren Lehrern aufgefallen ist, dass es ihnen gut tun würde, besondere Fürsorge und Aufmerksamkeit zu erfahren. „Es sind sozial benachteiligte Kinder, manche stehen außerhalb des Klassenverbands, andere kommen zu kurz, weil ihre Eltern zu viel arbeiten müssen. Und viele Kinder stammen aus Familien mit Migrationshintergrund“, so die Münchner Psychologin. Nun treffen diese Kinder wie Mogli aus dem „Dschungelbuch“ auf ihren Balu, der sich ihrer annimmt, obwohl beide aus ganz unterschiedlichen Welten stammen. Hauptsache jedoch ist, dass Mogli und Balu Freunde werden. Und Mogli kennt nun jemanden, an dem er sich in Lebenssituationen ein Beispiel nehmen und dessen Verhaltensweisen er nachahmen kann. „Die Kinder lernen viel in sozialer Hinsicht“, erklärt Rieger. Vor allem aber dient die Teilnahme an diesem Programm der Stärkung und Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Natürlich müssten die Eltern der Teilnahme an dem Förderprogramm zustimmen. Doch da es kostenlos ist und ihre Kinder davon profitieren, sei dies meist selbstverständlich. Und die Familien unterschreiben einen Vertrag, ebenso wie die erwachsenen Ehrenamtlichen, die Balus.

Das Mentorenprogramm dauert ein Jahr

Der Pate sollte zwischen 17 und 30 Jahren alt sein. „Mit einem Interesse für Kinder und offen für andere Kulturen“, beschreibt Rieger das Anforderungsprofil. „Ich lerne einen potenziellen Balu natürlich erst einmal vorab kennen und mache mir einen Eindruck.“ Doch auch während der Mentorenzeit, die ein Jahr dauert, steht Rieger dem jungen Erwachsenen mit Rat und Tat zur Seite. „Einmal im Monat nimmt dieser auch an einem Treffen teil, bei dem er sich unter anderem auch mit anderen Balus austauschen kann und fachliche Unterstützung und Tipps erhält.“ Ebenso wie Mogli von Balu lernt anders herum auch der Große vom Kleinen. Beide Seiten profitieren also von dem Patenschafts-Projekt. „Ich habe derzeit drei junge Menschen im Alter zwischen 17 und 19, die als Balus tätig sind. Ebenso jedoch engagieren sich bei uns Studenten oder Berufstätige, die noch etwas Soziales nebenher tun und sich einbringen wollen“, sagt Rieger. Sie treffen ihr Patenkind einmal die Woche. „Die Balus holen das Kind entweder von der Schule, von daheim oder auch von der Mittagsbetreuung und vom Hort ab. Manche verlegen die Treffen auch aufs Wochen- ende. Bewährt hat es sich jedoch, wenn ein Tandem einen festen Tag in der Woche für ein Treffen vereinbart.“ Was sie etwa zwei bis drei Stunden lang gemeinsam unternehmen, entscheiden der jeweilige Balu und sein Mogli selbst. 15 Euro Taschengeld stellt ihnen das Familienzentrum Trudering pro Monat zur Verfügung. „Das Geld müssen sie gemeinsam verwalten“, erklärt Rieger. Nach dem Treffen hält ein Balu in einem kurzen geschützten Tagebuch-Eintrag online fest, wie ihr Treffen gelaufen ist. Diese Notiz kann die Psychologin Almut Rieger einsehen.

Wenn aus Paten Freunde werden

Nach einem Jahr endet offiziell das ehrenamtliche Mentorenprogramm. „Im Vertrag, der geschlossen wurde, haben sich beide Seiten für ein Jahr lang verpflichtet“, erklärt Rieger und fügt hinzu: „Doch natürlich ist es ideal, wenn sich aus dem Programm eine Freundschaft entwickelt, die auch weiter Bestand hat.“ Denn die Kinder profitieren natürlich davon, wenn ihr Balu nach dem Jahr, das sie intensiv miteinander verbracht haben, nicht völlig aus ihrem Leben verschwindet. „Meist ist es so, dass sich ein Balu und sein Mogli dann zumindest einmal im Monat noch treffen. Vorausgesetzt, ein Tandem hat sich als gut funktionierendes Gespann erwiesen.“ Ein Duo, das sich seinen Weg durch den Dschungel erfolgreich gemeinsam bahnt.

Verena Rudolf

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