Die Zukunft der Unnützwiese liegt in den Händen der Bürger

Dem Ausbau in eine öffentliche Grünanlage steht nichts mehr im Weg

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Markus Blume (Mitte) ergriff im Streit um die Unnützwiese schnell Partei für die Bürger – und freut sich nun über das Ergebnis.

Diese Nachricht wird in Trudering viele Menschen erfreuen. Das Baureferat teilte mit: „Nach Abklärung der bau- und grundstücksrechtlichen Rahmenbedingungen mit dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung und dem Kommunalreferat sind nun die Voraussetzungen für den Ausbau der Unnützwiese in eine öffentliche Grünanlage gegeben.“ Damit haben sich die Bürger endgültig in einem monatelangem Streit durchgesetzt.

Der politische Kampf begann vor anderthalb Jahren. Ursprünglich sollte auf der Wiese an der Unnützstraße ein „Wohnen für alle“-Projekt der Stadt entstehen. Eine Bürgerinitiative gründete sich gegen das Vorhaben von Oberbürgermeister Dieter Reiter, der sich zunächst nicht vom starken Gegenwind der Anwohner beeindrucken ließ. Doch als das geltende Baurecht von mehreren Seiten angezweifelt wurde und ein Gang vor die Gerichte drohte, vollzog er eine 180-Grad-Wende. Nun soll die Unnützwiese, wie sie in der Nachbarschaft heißt, sogar aufgewertet werden. Das städtische Baureferat folgt damit einem Antrag des Bezirksausschusses Trudering-Riem und einem Stadtratsantrag der CSU. „Wir werden für diese Fläche ein Grünflächenprojekt aufsetzen und eine Objektplanung beauftragen. Wie gewünscht, werden wir eine Bürgerbeteiligung mit den Bürgerinnen und Bürgern aus dem Stadtbezirk durchführen, um ein Meinungsbild für die künftige Ausgestaltung und Entwicklung der Fläche zu erhalten. Gerne nehmen wir auch Ihre Anregungen zur Ausgestaltung der Fläche in die Überlegungen auf. Format, Art und Umfang der Bürgerbeteiligung werden wir bilateral mit dem Bezirksausschuss 15 Trudering-Riem abstimmen, sobald wir ein geeignetes Planungsbüro beauftragt haben“, erklärte das Baureferat schriftlich.

„Ich freue mich außerordentlich, dass die Unnützwiese ihren Status als wertvolle Grünanlage nun auch offiziell erhält. Dass die Wiese unter Beteiligung der Bürger zudem noch zeitgemäß aufgewertet werden soll, ist der verdiente Lohn für den außerordentlichen Einsatz der Anwohner. Mein Dank gilt dem Bezirksausschuss und den Stadträten für ihre Initiative, damit kommt die gemeinsame Rettung der Unnützwiese zu einem guten Abschluss. Gute Politik funktioniert eben über alle Ebenen hinweg“, freut sich CSU-Generalsekretär Markus Blume, der sich früh auf die Seite der Bürgerinitiative gestellt und die Debatte maßgeblich mitbestimmt hatte. Doch was genau soll nun mit der Unnützwiese geschehen? An Ideen mangelt es jedenfalls nicht. Die CSU-Stadträte Kristina Frank, Ulrike Grimm und Sebastian Schall wollen zusätzlich zum bestehenden Bolzplatz weitere sportliche Angebote wie etwa Beachvolleyball. Gefordert wurden auch zusätzliche Sitzgelegenheiten und weitere Spielgeräte.

Auch Bezirksausschuss-Chef Otto Steinberger will mehr Raum für Sport schaffen: „Die Unnützwiese soll eine echte Freizeitstätte werden! Ich kann mir da auch Fitnessgeräte vorstellen. Der offene Charakter der Wiese soll aber bestehen bleiben.“ Maren Salzmann-Brünjes möchte darüberhinaus, dass die Unnützwiese auch über den Sport hinaus Raum für Begegnungen bietet. „Ich stelle mir eine lockere Bepflanzung vor und vielleicht einen Grillplatz für alle. So etwas haben wir in der näheren Umgebung nicht. Die Unnützwiese hat viele Menschen zusammengebracht. Das soll auch in Zukunft so bleiben und möglich gemacht werden“, erklärte die SPD-Sprecherin im BA Trudering-Riem. Auch Herbert Danner von den Grünen freut sich auf die nun folgenden Diskussionen im Bezirksausschuss und unter den Bürgern. „Es werden bestimmt viele interessante Vorschläge kommen. Vielleicht gelingt es ja, die dort bestehende Kita im Rahmen der Baumaßnahmen zu erweitern. Der Bedarf für vier bis fünf Gruppen wäre auf jeden Fall vorhanden“, blickt er in die Zukunft.

In jedem Fall hat der Bezirks- ausschuss nun eine Verantwortung in Bezug auf den Stil der Debatte. Es wäre schade, wenn aus einem Sieg der Bürger ein Streit der Parteien werden würde.

Marco Heinrich

Kommentar

Alles andere als „unnütz“ Ein Erfolg für die Bürger – und ein Auftrag an alle Beteiligten

Der mündige Bürger wird derzeit stark in die Pflicht genommen. Nicht erst seit Chemnitz heißt es von vielen Seiten, dass es nun an ihm liegen würde, für die Demokratie zu kämpfen und sie vielleicht sogar zu retten. Die schweigende Mehrheit soll ihre Sprache wiederfinden. Der Auftrag ist groß, schenkt diese Mehrheit doch seit 2005 einer Kanzlerin das Vertrauen, die nichts so gut beherrscht wie das Schweigen.

Demokratie. Zivilcourage. Integration. Das sind Begriffe, vor denen die meisten zurückschrecken. Über sie zu diskutieren, ist kein Problem. Aber sie im Alltag mit Leben zu erfüllen, wird dann doch gerne den Profis überlassen. Leider ist „Demokrat“ kein Ausbildungsberuf. „Gutmensch“ übrigens auch nicht.

Auch darum ist die Geschichte der Unnützwiese so wertvoll. Als Beispiel, wie sich engagierte Bürger zusammentun und mit der Hilfe von Fachleuten aus Politik und Verwaltung eine Entscheidung von einer anderen Ebene der Politik beeinflussen und zu ihren Gunsten drehen. Statt Wohnbauprojekt wird die Unnützwiese nun eine öffentliche Grünanlage. Das ist ein Grund zum Feiern – und gleichzeitig ein Auftrag. Denn wer einmal erfahren durfte, dass aktive Mitgestaltung am gemeinschaftlichen Leben funktioniert, sollte sich möglichst schnell das nächste Projekt suchen. Es gibt mehr als genug zu tun.

Marco Heinrich

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