Antrag im Gemeinderat Haar: Ein Spiegel, der das Sichtfeld von Lkw-Fahrer erweitert

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Truderings Mitte rund um die Eisinsel

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...und aus der Mitte entspringt kein Fluss, aber ein Western – und mehr

Per Atemtechnik in die Seele und in ein früheres Leben – ein Selbstversuch von HALLO-Chefredakteur Marco Heinrich

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Während der Hypnose erlebte Marco Heinrich Episoden wie aus einem Film. Informationen zu Reinkarnationstherapeutin Daniela Springel unter www.reinkarnationstherapie-bayern.com

Der Weg zu sich selbst führt also über ein komplett schwarz gestrichenes Zimmer in Trudering. Mit einer simpel anmutenden Atemtechnik will mich Daniela Springel in ein früheres Leben zurückversetzen. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet. Und ich werde sehr überrascht sein, was in den kommenden zwei Stunden passiert.

Daniela Springel ist schon seit 25 Reinkarnationstherapeutin. Startpunkt ihrer Sitzung ist ein Horoskop, das auf meinem genauen Geburtsdatum und -ort beruht. Ich erfahre, dass meine Kombination aus Sternzeichen (Fische) und Aszendent (Jungfrau) hervorragend zu meinem Beruf passt. Das höre ich natürlich gerne – aber deswegen bin ich nicht hier. Und so steigt die Vorfreude, als ich mich in dem dunklen Zimmer auf das Bett legen darf und eine Schlafmaske aufgesetzt bekomme. Die Reise beginnt. Wohin wird sie mich führen?

Alles, was ich zu tun habe, ist Atmen. Holotropes Atmen, um genauer zu sein. Dahinter verbirgt sich ein beschleunigtes und vertieftes Luftholen durch den Mund, das zu einer gewollten Hyperventilation führt. Im Hintergrund läuft sphärische Musik. Ich erkenne den Gladiator-Soundtrack und Enya. Nur in den ersten Augenblicken denke ich darüber nach, wie ich so lange mit einem trockenen Mund durchstehen soll. Der Rest ist Erleben. Denn schon nach wenigen Minuten reagiert mein Körper.

Es beginnt mit einem Kribbeln in den Oberschenkeln. Kurze Zeit später (aber was ist schon Zeit?) habe ich das Gefühl, dass meine Arme gleichzeitig wie gefesselt und schwerelos sind. Außerdem tauchen Bilder vor meinem geistigen Auge auf. Konkrete aus meiner Vergangenheit und abstrakte Farbexplosionen. Ich beobachte das alles wie ein Kind, das sein erstes Feuerwerk erlebt. Doch all das ist nichts gegen die Gefühlsmacht, die mich überfällt, als meine Mutter in meine Gedanken kommt. Ein Gefühl totaler Verbundenheit durchströmt mich. Nicht nur zwischen Mutter und Sohn, plötzlich ist das Menschsein an sich spürbar, das Leben als Ganzes. Mein Bauch fängt an zu zittern, ich bin kurz davor, vor tiefer Rührung in Tränen auszubrechen. Schon jetzt bin ich begeistert von der Erfahrung, auch ohne Besuch in einem früheren Leben. Daniela Springel sitzt daneben. Nur selten greift sie ein, um mir den richtigen Atemrhythmus vorzugeben, wenn ich zu schnell werde.

Etwa 40 Minuten dauert diese Phase des tiefen Atmens. Dann darf ich mich entspannen. Nicht so einfach, wie es klingt. Mein Mund zum Beispiel bleibt minutenlang zusammengezogen. Doch der Körper reagiert, und der Geist geht mit, während ich langsam in die Hypnose geführt werde. Ich sehe eine Szene aus einer alten Kirche, offenbar bin ich der Priester vor einer Gemeinde. Vor mir steht ein steinerner Sarg, auf dem die Silhouette des Verstorbenen gemeißelt wurde. Ich frage mich, ob ich schon in einem früheren Leben bin, als Daniela Springel das Wort ergreift und mich auf eine blühende Wiese schickt. Sie sagt, in der Ferne stehe ein Haus. Ich soll mich darauf zubewegen und es beschreiben.

Und tatsächlich, ich sehe es: Ein kleines, weißes Haus mit einer Art Reetdach. Ungenau hineingeschlagene Fenster rechts und links von der Tür. Alles ist eher funktional als einladend. Ein Eindruck, der sich noch verstärkt, nachdem ich ins Haus hineingehe. Alles ist aus Holz. An der einen Seite steht ein Kamin, auf dem auch gekocht werden kann. Links ist ein Tisch, rechts ein kleines, ungemachtes Bett. Ich sehe auch mich selbst. Ich weiß, dass ich 48 Jahre alt bin (im Hier und Jetzt bin ich 43), ich bin eher klein (jetzt 1,90 Meter) und muskulös-durchtrainiert (jetzt, naja...).

Daniela Springel lässt mich in den Keller gehen und dann durch einen Tunnel wieder ins Freie. Tatsächlich sehe ich auf eine natürlich anmutende Art Details. Erst als sie mich fragt, was ich mit dem Tag anfangen will, stutze ich. In meiner Wahrnehmung übernimmt mein jetziges Ich die Regie: Ich will unter Leute und lande in einer Art Saloon. Erst spiele ich mit Fremden Karten. Dann betritt eine blonde Frau die Bar, sie ist vollkommen overdressed. Diese Frau sehe ich klar und kann sie in Details beschreiben. Der genaue Gesprächsverlauf zwischen uns bleibt mir dagegen verborgen. Auch die Tatsache, dass ich ihr vom Schreiben meines Romans erzähle, kommt mir sehr gegenwärtig vor; fast jeder Journalist hat einen Roman im Kopf, den er unbedingt schreiben will.

Spannend ist auch weniger die blonde Frau, sondern die Tatsache, dass ich den Roman meiner Mutter zeigen will, bevor ich ihn veröffentlichen lasse. Und diese Mutter (die nicht wie meine Mutter aussieht und sich auch ganz anders verhält), schrumpft unter der Aufgabe, das Buch bewerten zu sollen. Ich sehe, wie sie es umschließt und mit gekreuzten Armen schützt. Öffnen und lesen kann sie es nicht. Sie wirkt klein, schwach, schutzbedürftig.

Kurze Zeit später empfinde ich ein Gefühl des Hinabgleitens. Es kommt mir friedvoll und endgültig vor. Ist das der Tod? Ich weiß es nicht. Aber ich kann die Verbindung zu der Geschichte nicht mehr herstellen. Ich bin froh, dass Daniela Springel die Hypnose beendet. Ich komme zurück ins Jetzt. Es macht Spaß, sich anschließend mit ihr aus psychologischer Sicht über das Erlebte zu unterhalten. Auch schwere Themen, Ängste und Blockaden werden thematisiert. Ich erfahre unter anderem, dass die Mutter aus meinem Erlebnis nicht meine Mutter repräsentiert, sondern das weibliche Element meiner Seele. Meinem Horoskop entsprechend sollte mich dieser Teil dominieren, doch ich gebe ihm zu wenig Einfluss. Deswegen ist die Mutter in den von mir beschriebenen Situationen so klein und schwach. Nur eine von vielen kleinen und großen Erkenntnissen und Denkanstößen nach meiner beeindruckenden Reise ins Ich.

Aber war das nun tatsächlich eine Reise in ein früheres Leben? Gab es diesen 48-jährigen Mann und habe ich sein Leben gelebt? Oder schuf ich aus mir heraus eine Geschichte, die viel über mein gegenwärtiges Leben offenbart? Merkwürdigerweise ist mir das heute – rund zehn Tage nach meiner Hypnose – gar nicht so wichtig. Aber begleiten werden mich diese Bilder noch lange. 

Marco Heinrich

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