Schlaflos in Trudering

Anwohner klagt über ständigen Brummton – Ursache vermutlich eine Mobilfunkanlage

An der Funkanlage an der Hugo-Weiss-Straße in Trudering wurde vor einigen Tagen ein zweiter Schaltkasten installiert. Seitdem hört ein Anwohner ständig einen tiefen Brummton.
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An der Funkanlage an der Hugo-Weiss-Straße in Trudering wurde vor einigen Tagen ein zweiter Schaltkasten installiert. Seitdem hört ein Anwohner ständig einen tiefen Brummton.

Anton Maier hat ein Problem: Seit an einer Mobilfunkanlage in der Nähe seiner Wohnung gearbeitet wurde, hört er ständig einen tiefen Brummton. An Schlaf, sagt der Truderinger, ist nicht zu denken!

Die Geschichte nahm ihren Anfang im Jahr 2003, als Anton Maier (Name von der Redaktion geändert) mit seiner Frau von Gern nach Trudering an die Hugo-Weiss-Straße zog. Schon in der ersten Nacht bemerkte das Paar ein Brummgeräusch. „Auch andere im Haus haben den Ton gehört“, sagt Maier. „Trotz intensiver Suche mussten wir alle möglichen Verursacher ausschließen.“ Erste Hinweise über Art und Ursprung des Brummens ergab dann eine Schallpegelmessung, die der Neutruderinger mit einem für teures Geld geliehenen Gerät durchführte. Damit konnte er einen Ton im Bereich von unter 100 Hertz nachweisen. Da allerdings Haustechnik, Lüftungsanlagen, Strom und sogar die nahe gelegenen Kiesgrube als Quelle nicht in Frage kamen, blieben die Maiers ratlos. Dass ihr Geräusch etwas mit Funk zu tun haben könnte, erfuhren sie ein Jahr später bei einem Urlaub in Sardinien. Dort war seit ihrem letzten Besuch eine Mobilfunkanlage auf einem nahe gelegenem Hotel aufgestellt worden. „Auf einmal hat es an einem Ort, der vorher ruhig war, gebrummt,“ berichtet Maier. Für ihn war damit klar: Das Geräusch, dass er in seiner Wohnung an der Hugo-Weiss-Straße hörte, stammte von der Funkanlage, die auf einem der Nachbarhäuser installiert war! Da das städtische Referat für Gesundheit und Umwelt sowie die Bundesnetzagentur seiner Meinung nach aber zu wenig zur Aufklärung und Beseitigung des Brummens getan hatten, gründete Anton Maier vor einigen Jahren die Initiative „Brummfreies München“. Betroffene aus Deutschland hatten ihm berichtet, dass sie den Brummton in den USA nicht hätten feststellen können. „Angeblich wird dort eine andere Technik im Mobilfunkbereich eingesetzt,“ erklärt der Truderinger. Maiers Versuch, diese andere Technik auch nach Deutschland zu bringen, scheiterte allerdings. Und da sich trotz aller sonstigen Bemühungen keine Lösung im Brumm-Streit auftat, ließ Maier die Initiative schließlich einschlafen. „Das Brummen war schwach und kaum hörbar und hat nicht massiv gestört – einschlafen war noch möglich,“ sagt er.

Doch das hat sich nun geändert. Vor wenigen Wochen seien an der Funkanlage auf dem Nachbarhaus Arbeiten durchgeführt worden. Seitdem sei es wieder richtig laut. Und: „Deshalb werde ich jetzt wieder aktiv!“

Laut Referat für Umwelt und Gesundheit kann die Anlage selbst aber nicht der Verursacher des Tons sein. Allerhöchstens die dazugehörigen Kühlaggregate oder Transformatoren wären dazu in der Lage, teilt das Referat auf HALLO-Nachfrage mit. Doch ob und was dagegen getan werde, war nicht zu erfahren.

Die Bundesnetzagentur verwies gegenüber HALLO auf eine Standortbescheinigung von 2016 und darauf, dass sobald eine solche Bescheinigung ausgestellt sei, man keine Informationen über Umbauten mehr erhalte. Außerdem könne die Bundesnetzagentur nur Störungen durch Hochfrequenzen aufklären. Man hätte deshalb weder den Auftrag, noch die Möglichkeiten, wegen dieser Belästigung Untersuchungen durchzuführen. Der einzige Hoffnungsschimmer für Anton Maier ist der Betreiber selbst: Man werde das Problem gleich an die Bauleitung weitergeben, heißt es aus der Telefónica-Zentrale.

Ob allerdings in absehbarer Zeit Ruhe einkehren wird, ist zweifelhaft. Denn seit 2003 häufen sich deutschlandweit die Meldungen solcher Brummtöne.

wr

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