Stress mit Ansage in der Truderinger Nachbarschaft

Ankerzentrum-Dependence öffnet wieder Am Moosfeld 37

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Ein Bild aus einem Ankerzentrum. Aber der Schein trügt: Die Flüchtlinge dürfen sich in München frei bewegen – unabhängig von der Uhrzeit.

Bis zu 350 Flüchtlinge sollen wieder in die Ankerzentrum-Dependence Am Moosfeld einziehen. Nicht nur der Geschäftsführer des benachbarten Hotels ist sauer: „Für uns ist das existenzbedrohend!“

Und dann ging alles ganz schnell. Schon in wenigen Tagen will die Regierung von Oberbayern Am Moosfeld 37 eine neue Unterkunfts-Dependance für Flüchtlinge eröffnen. Gegen den ausdrücklichen Willen vieler Anwohner und sämtlicher Parteien im Bezirksausschuss Trudering-Riem.

„Der Unterbringungsbedarf für Asylbewerber ist weiterhin vorhanden: Zwar sind die Zugangszahlen in den vergang- enen drei Jahren deutlich zurückgegangen. Dennoch kommen täglich immer noch etwa 30 Personen im Ankunftszentrum in München an. Die Notwendigkeit zur Eröffnung der Unterkunfts-Dependance in Trudering ergibt sich aus dem aktuellen Unterbringungsbedarf, der unter anderem durch die Schließung der bisher als Unterkunfts-Dependance genutzten Objekte auf dem Gelände der ehemaligen McGraw-Kaserne entstanden ist. „Die dortige Unterkunft wurde zum Jahresende 2018 aufgegeben“, heißt es lapidar in einem Schreiben von Maria Els, der Regierungspräsidentin von Oberbayern. Schnell wurde ein Tag der offenen Tür am gestrigen Dienstag angeboten (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe). Die Wogen in Trudering wird der aber kaum glätten.

„Ich erwarte die selben Probleme wie 2015, als die Flüchtlinge schon einmal dort untergebracht waren. Wir hatten da schon Mühe zu überleben. Für uns ist diese Entscheidung existenzbedrohend“, sagt Richard Bredenfeld, Geschäftsführer des Hotels Am Moosfeld. Für ihn ist der Standort denkbar schlecht gewählt: „Der Platz ist einfach nicht da. Es gibt keine Grünfläche für die Flüchtlinge. Es wird wieder Tag und Nacht Lärm geben. Wir haben 2015 dadurch schon gute Kunden verloren. Seit 35 Jahren sind wir mit dem Hotel nun hier. Das ist mühsamste Arbeit. Für uns ist diese Entscheidung unverantwortlich“, so Bredenfeld sauer.

Sorgen, auf die Maria Els in ihrem Schreiben eingeht. „Hinsichtlich Betrieb und Belegung wird darauf geachtet, dass bestmöglich auf die Belange der Nachbarschaft Rücksicht genommen wird. So hat der Sicherheitsdienst auch die Aufgabe, die Hausordnung durchzusetzen, wobei ein besonderes Augenmerk auf der Gewährleistung der Nachtruhe liegen wird“, erklärt die Regierungspräsidentin. Es braucht allerdings viel Optimismus, um an eine problemlose Lösung der Lärmfrage zu glauben. Die Asylbewerber können sich grundsätzlich frei bewegen, das Gelände jederzeit verlassen und sich im Stadtgebiet München aufhalten. Die Ein- und Ausgänge der Unterkunft werden zu keiner Zeit geschlossen. Da sie außer Warten nichts zu tun haben, darf damit gerechnet werden, dass eben auch zu Nachtzeiten ein ständiges Kommen und Gehen stattfinden wird.

Die grundsätzliche Frage ist nicht, ob es Probleme geben wird – sondern wie sie gelöst werden können. Umso unverständlicher, dass der Bezirksausschuss vor der Umsetzung der Entscheidung explizit nicht gehört werden sollte. „Das ist tatsächlich außergewöhnlich. Wir haben von der Entscheidung auch nur durch den Helferkreis Asyl erfahren“, berichtet BA-Chef Otto Steinberger. Auch er hält den Standort für vollkommen ungeeignet. „Und es gibt dann gleich drei Unterbringungen für Flüchtlinge in dem Gebiet“, gibt er zu bedenken. Am Moosfeld gibt es bereits eine solche (etwas kleinere) Einrichtung. An der Karl-Schmid-Straße soll eine weitere eröffnen. Insgesamt werden also bis zu 800 Flüchtlinge in der Nachbarschaft untergebracht. Das wird Stress geben – mit Ansage.

Marco Heinrich

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