Die Truderinger Kurve ist noch lange nicht „auf Schiene“

Ärger über missglückte Infoveranstaltung – Bezirksausschuss will direkten Ansprechpartner

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Verspätungen gehören bei der Bahn dazu. Ob wirklich die Welt untergeht, wenn ein Zug nach fünf Stunden Fahrzeit 15 Minuten zu spät eintrifft, muss jeder für sich selbst beantworten. Dass allerdings die erste Informationsveranstaltung der Bahn so schlecht organisiert war, dass echte Information nun gleich mehrere Wochen zu spät ankommt, war für alle Beteiligten ärgerlich. Im Riemer Luise-Kiesselbach-Haus wollte die Bahn vergangene Woche die Pläne zu den Baumaßnahmen an Truderinger Kurve und Daglfinger Kurve darlegen. Im Rahmen eines riesigen Projektes mit 16 verschiedenen Baustellen soll der europäische Güterverkehr auf neue Schienen gestellt werden – mitten durch München. Viele direkt oder indirekt betroffene Anwohner wollten sich informieren. Zu viele. Denn statt einem detaillierten Vortrag und anschließender Diskussion waren einzelne Tische aufgebaut, an denen nur wenige Platz fanden. Statt Information gab es Chaos und Frust. Auch die anwesenden Mitglieder der betroffenen Bezirks- ausschüsse hatten sich das anders vorgestellt. Herbert Danner (Grüne) sprach von einer „Katastrophe“, BA-Chef Otto Steinberger will nun selbst eine Infoveranstaltung auf die Beine stellen. Bereits im März war das Thema mit zahlreichen Anwohnern auf der BA-Sitzung diskutiert worden. Dabei wurde deutlich, dass die aktuell geplante Streckenführung der Bahn zu einer Vielzahl von Anwohnerklagen führen wird. Georg Kronawitter (CSU) erklärte den Anwesenden sogar, dass es sich durchaus lohnen würde, einen Anwalt in die Spur zu schicken, ob die Bahn beim Verkauf der Grundstücke nicht „gegen Treu und Glauben“ verstoßen habe. Denn Pläne für die Arbeiten an der Truderinger Kurve gibt es bereits seit Jahrzehnten. Wenn davon nichts in den Verträgen vermerkt ist, hätten die Anwohner einen möglichen Trumpf in der Hand.

Solche Konflikte sind für die Bahn nicht neu. Auch nicht in München. Im Zusammenhang mit dem möglichen Ausbau der Feldmochinger Kurve gibt es bereits seit langer Zeit einen festgefahrenen Streit. Die Argumente sind jeweils ähnlich wie jetzt bei der Truderinger/Daglfinger Kurve. Umso unverständlicher, dass die Bahn die erste Chance zu einem fried- lichen Dialog so fahrlässig verpasste.

Um politisch besser agieren zu können, fordert der Bezirks- ausschuss Trudering-Riem übrigens jetzt einen städtischen Projektbetreuer, also einen direkten Ansprechpartner bei der Stadt. Dieser soll pro- aktiv den Projektfortschritt bei der DB Netze abzufragen und im Bedarfsfall die betroffenen BAs über wichtige Änderungen informieren.

Denn obwohl das Bahnprojekt „Daglfinger und Truderinger Kurve“ ohne Zweifel ein wichtiges Infrastrukturprojekt für den gesamten Münchner Osten ist, sind derzeit als städtische Organe nur die drei betroffenen BAs präsent, heißt es in dem Antrag. Aus der Stadtverwaltung selbst kommen demnach widersprüchliche Signale: Einmal wird das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) als für das Projekt zuständige Stelle genannt, dann wieder das Planungsreferat. In einem derartigen komplexen Verfahren, fühlen sich die Bezirksausschüsse von der Stadtverwaltung nicht unterstützt. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. 

mh

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