Zum 150. Geburtstag von Ludwig Thoma

"Erster Klasse" in Trudering

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Ludwig Thomas Stück „Erster Klasse“ wurde im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Trudering ein Denkmal gesetzt.

Die „Lausbubengeschichten“, die Filser-Briefe, die „Heilige Nacht“ und ganz besonders „Der Münchner im Himmel“ – Ludwig Thoma gehört zu den bedeutendsten bayerischen Schriftstellern. Am Samstag jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal. Auch Trudering hat Thoma in seinen Werken ein Denkmal gesetzt.

„Trudering! Tru-de-ring!“ – mit diesem Ruf des Schaffners beginnt die sechste Szene von Ludwig Thomas Lustspiel „Erster Klasse“. Der Einakter aus dem Jahr 1910 spielt in einem Schnellzugabteil der oberbayerischen Eisenbahn auf der Fahrt von Mitteldingharting über Oberdingharting, Hinterdingharting und Trudering zum Münchner Ostbahnhof.

Im Abteil fahren vier Menschen nach München: Unter anderem der Berliner Kaufmann Stüve und der bayerische Ministerialrat von Scheibler. Die beiden empören sich darüber, dass der sogenannte Eilzug in jedem Kuhdorf hält und jeder Ochs Vorrang vor dem Fahrplan hat. Dann setzt sich auch noch ein grobschlächtiger Bauer ins Erste-Klasse-Abteil und eine Station später steigt zudem ein Freund von ihm zu.

In Trudering reicht es den feinen Herren. Sie fordern vom Schaffner eine Kontrolle, ob die einfachen Bauern überhaupt eine Berechtigung für dieses Abteil besitzen. Und erfahren, dass es sich bei dem einen um den Abgeordneten Josef Filser handelt. Aus Angst um seine Karriere versucht sich der Ministerialrat anschließend bis zur Endstation bei Filser einzuschleimen. Im Hintergrund der Szene – so schreibt es Thoma – hört man die im gleichen Zug reisenden Rekruten folgendes singen: „Ring hamma a an de Finga, mir san de luschtinga Truderinga! Es handelt sich um eine Textzeile des bekannten Truderinger Lieds. In der zweiten Strophe heißt es da: „Hackl’n deama a mit de Finga, drum san mir de lustinga Truderinga!“

Ludwig Thomas Stück „Erster Klasse“ mit dem Chor am königlich bayerischen Bahnhof Trudering sowie die Liedzeile standen schließlich Pate bei der Gestaltung der neuen U-Bahnstation in Trudering, die 1999 eröffnet wurde. Künstlerin Sophie Kaiser nahm die Motive des Fingerhakelns und Armdrückens auf und bearbeitete entsprechende Fotografien nach. Mit den „Tätowierungen“ auf der Haut der abgebildeten Personen wird weiterer heimatkundlicher Bezug hergestellt. Die Ergebnisse wurden als Wandbilder am östlichen Verbindungstunnel zur S-Bahn aufgetragen.

Kaum einer, der heute eilig durch den Bahntunnel läuft, weiß, dass Ludwig Thomas Theaterstück die ursprüngliche Inspiration für die großflächigen Zeichnungen an der Wand war. Am Samstag, 21. Januar, jährt sich der Geburtstag des bayerischen Schriftstellers, der 1867 in Oberammergau als fünftes Kind des Försters Max Thoma geboren wurde, zum 150. Mal. Schon als Schüler setzte er sich heftig gegen Scheinautorität und Doppelmoral zur Wehr. Nach dem Studium der Jurisprudenz arbeitete Thoma als Rechtsanwalt in Dachau, bevor er nach München umzog und zur satirischen Wochenschrift „Simplicissimus“ kam, wo er später Chefredakteur wurde. Zu seinen Werken gehören die Theaterstücke „Die Lokalbahn“ und „Moral“, zahlreiche Komödien, aber auch berühmte Romane wie „Der Wittiber“, „Der Ruepp“ und „Magdalena“. Der gleiche Ludwig Thoma verfasste aber auch unsägliche Hetz-Pamphlete. Thoma starb 1921 in seinem Haus am Tegernsee. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Gemeindefriedhof von Rottach-Egern. Carmen Ick-Dietl

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