Denkmalgeschützte Flughafentribünen in Riem

Zwei Drittel verschwinden

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Die aus der Nazi-Zeit stammende, geschwungene Tribünenanlage des ehemaligen Riemer Flughafens wittert seit Jahrzehnten vor sich hin. Nun gibt es endlich ein Konzept für das Areal.

Denkmalgeschützt sind die ehemaligen Riemer Flughafentribünen und die Kassenhalle im Süden, jetzt Buga-Lounge genannt. Während die Kassenhalle zur Buga05 wetterfest saniert wurde, verfallen die Tribünen zusehends. Seit langem mahnt der Truderinger Bezirksausschuss die Stadt zu handeln, jetzt legte das Kommunalreferat endlich ein Konzept fürs Gesamtensemble vor.

Es ist schon fatal: Wäre dem Denkmalschutz für die alten Flughafentribünen Rechnung getragen worden, hätte die Sanierung das ebenfalls geschützte Biotop zerstört, das inzwischen die Oberfläche des Bauwerks bedeckt. Errichtet wurde es zwischen 1937 und 1939 nach Plänen des Architekten Ernst Sagebiel und gilt als Prestigeprojekt des Dritten Reichs. Zur Buga05 wurde die ehemalige Kassenhalle (Kopfbau) im Süden der Tribünen saniert und während der Gartenschau gastronomisch genutzt. Auch danach verpachtete die Stadt die „Buga-Lounge“ zu diesem Zweck, sie ist aber nur sommertauglich. Viele Ideen und Wünsche zur bürgerschaftlichen Nachnutzung des Baus brachte der Truderinger Bezirksausschuss vor, doch weder Kultur- noch Sozialreferat sehen dafür Bedarf. Das Kulturreferat allerdings möchte vor der Lounge ein Kunstwerk aufstellen und findet, der Vorplatz des Kopfbaus habe „das Potential, sich zu einem Kommunikationsforum zu entwickeln“. Eigentlich sollten hier 2013 die „Knikkebeinen Ravens“ des belgischen Künstlers Panamarenko installiert werden, doch die konnten nicht wetterfest genug gestaltet werden.

Teilsanierung wird zurückgestellt 

Auch für die Tribünenanlage hatte der Bezirksausschuss schon Nutzungen im Sinn, beispielsweise Musikübungsräume, angegliedert an den geplanten Schulcampus, der wahrscheinlich nordöstlich entsteht. Doch die Kammern unter der Stufenanlage sind modrig, weiße Wurzelfäden dringen durch die Ritzen. Das Ganze ist in sehr schlechtem, zunehmend einsturzgefährdeten Zustand, die Umzäunung kein wirklicher Schutz.Drei Schritte für den weiteren Umgang mit dem Tribünenbau wurden nun festgelegt: Als erstes soll die westliche Tribünenwand, ausgehend vom Kopfbau, auf 105 Meter Länge nach Norden gesichert und stabilisiert werden – nur so ist eine Realisation des Kunstprojekts möglich. Vorgesehen ist auch eine feste Umzäunung der einsturzgefährdeten Tribünen, die damit wohl endgültig dem Biotop überlassen werden. Beide Maßnahmen (mit Gesamtkosten von etwas über einer Million Euro) könnten bis November 2016 fertiggestellt sein. Die Teilsanierung des an den Kopfbau anschließenden Tribünenteils (gut 700.000 Euro) wird vorerst zurückgestellt. Die Buga-Lounge selbst wird wie bisher zur sommerlichen Gasto-Nutzung ausgeschrieben. Die Stadt sucht jedoch zudem nach einem Investor, der den Kopfbau auf eigene Kosten für den Ganzjahresbetrieb tauglich macht. Gabriele Mühlthaler

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