Tiefgarage, Kino und vhs

„Der Beschluss steht schon fest, dann soll die Redezeit auf eine Stunde begrenzt werden“, so der Geschäftsordnungsantrag von Robert Winkler (Grüne), als nach der nicht-öffentlichen Vaterstettener Gemeinderatsitzung der öffentliche Teil begann. Und so wurden dieser und der Beschluss, dass nördlich der Baldhamer S-Bahn-Haltestelle eine zweigeschossige, unterirdische Parkgarage, ein Kino im Erdgeschoss und vhs/Musikschule-Räume im Obergeschoss und teils im Zwischen- und Erdgeschoss errichtet werden soll, quasi durchgewinkt. Die Realisierung wird das Kommunalunternehmen „Gemeindeentwicklung Vaterstetten“ übernehmen. Einen ersten Vorgeschmack auf „Kino in Baldham“ gibt der designierte Kinobetreiber Rainer Gottwald aus Wasserburg am 3. Juli in Baldham.

Nach zwei Jahrzehnten war der Beschluss, das Kino/vhs-Projekt zu realisieren, für die CSU das „Happyend“ einer nahezu „Neverending Story“. Hatte doch Bürgermeister Robert Niedergesäß nach eigenem Bekunden als JUler bereits den Wunsch nach einem Kino geäußert. Seit dem 3. Mai 2007 wurde das Projekt im Gemeinderat öffentlich stets mehrheitlich befürwortet und wie CSU-Fraktionssprecher Michael Niebler unterstrich, im Bürgerentscheid auch von der Bevölkerung gewünscht. Nachdem die Planung im Dezember 2008 noch großzügig war, gibt man sich jetzt in Sachen Kino zurückhaltend und verkleinerte beispielsweise den Gastronomiebereich, so dass nur zu Vorstellungen die Gäste versorgt werden können. Wenn auch der einzelne Parkplatz mehr als die Normgröße Platz bietet, so zeigt man sich im Gesamtangebot recht sparsam. Rund 130 Parkplätze sollen für P&R, Kino und vhs ausreichend sein. Für Betrieb und Verwaltung von vhs und Musikschule stehen 1322 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung, wozu beide in einer schriftlichen Mitteilung damit ihr Einverständnis gaben. Genau dieses vermisste die SPD seitens des designierten Kinobetreibers, insbesondere deshalb, da trotz minimiertem Gastronomiebereich die gleiche Pacht angesetzt werde. Wer im Vorfeld dachte, ohne Kino werde das Gebäude erheblich billiger, wurde durch die in der Sitzung vorgelegten Berechnungen eines Besseren belehrt: Tiefgarage mit vhs/Musikschule und Kino kosten 6.967.475 Euro, ohne Kino liegt die Summe bei 5.869.065 Euro. Zu beiden Varianten sind weitere Kosten für die Verkehrserschließung in Höhe von 364.000 Euro hinzuzurechnen. Die Finanzierungsaufstellung brachte einige Ratsmitglieder zum Schmunzeln: 483.900 Euro wäre die jährliche Belastung mit Kino, 411.400 Euro ohne Kino. Aufgrund möglicher Einnahmen liege die effektive Belastung bei 275.225 Euro mit Kino und 276.285 Euro ohne Kino. „Rein rechnerisch“, fügte man wohlweislich an. Im „Notfall“ bleibt Nutzung durch die vhs Sollte, was ausdrücklich kein Ratsmitglied dem Betreiber wünschte, der Kinobetrieb eingestellt werden müssen und kein Nachfolger gefunden werden, so könne man die Räumlichkeiten der vhs/Musikschule für andere Veranstaltungen zur Verfügung stellen. Die vhs ist als Nutzer ohnehin fest eingeplant. Der Kinobetreiber erhält von der vhs/Musikschule 200 Euro bei der Nutzung des großen Kinosaals und 100 Euro für den kleinen. vhs-Geschäftsführer Jürgen Will sehe die Kinosäle als seine „Cash-Cow“ an, da das vhs-Angebot erweitert werden könne, teilte die Verwaltung auf Anfrage von Grünen-Rat Axel Weingärtner mit. Gespannt darf man auf die äußere Erscheinung des Gebäudes sein, die sich gemäß den aktuellen 3D-Abbildungen höchst sparsam und konträr zum mediterranen Ambiente des neuen Baldhamer Ortszentrums präsentierte. – A.R. –

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