Der Tag, als der große Hagel kam

In der Woche vor dem großen Hagel war es in Deutschland sonnig und heiß. Im sonst eher kühlen und unfreundlichen Sommer 1984 etwas Besonderes. In München kletterte das Thermometer während dieser Hitzewelle sogar auf bis zu 37 Grad. Dann beendete eine kräftige Kaltfront diese Periode. Viele waren froh über die Abkühlung und bis gegen 17 Uhr deutete an diesem 12. Juli 1984 nichts darauf hin, dass sich eine Katastrophe anbahnte . . .

Kurz vor 20 Uhr erreichte das Gewitter, das zuvor schon eine Schneise der Verwüstung durch das Fünf-Seen-Land gezogen hatte, die Landeshauptstadt. Über München lag zu diesem Zeitpunkt feuchte und warme Luft, die außergewöhnlich heftige Unwetter noch weiter verstärkte. Es gab kein Halten mehr: Hagelkörner von 5 bis 6 Zentimeter Durchmesser prasselten auf München herab. Einzelne der gefallenen Hagelbrocken waren noch deutlich größer: 9 Zentimeter sind bewiesen. Rund 30 Minuten dauerte der Hagelsturm, der sich – erneut aufgeheizt durch die Hitze über der Stadt – vor allem im Osten von München so richtig austobte. Vor allem in Berg am Laim, Trudering, Neuperlach, Haar, Vaterstetten und Zorneding verursachte er ungeheure Schäden. Hier kam es zu Wolkenbrüchen und orkanartigem Sturm. Das Unwetter ließ Verwüstungen, Überflutungen und eine bis zu 20 Zentimeter hohe Hagelschicht zurück, die teilweise erst am nächsten Morgen vollständig weggetaut war. Bei dem verheerenden Hagelsturm wurden in München und Umgebung mehr als 300 Menschen verletzt. Auch einen Toten gab es zu beklagen: Ein 54-jähriger Münchner starb an einem Herzanfall, als er mit ansehen musste, wie sein Haus von den Eisbrocken verwüstet wurde. Erschreckende Bilanz Die ungewöhnlich große Gewitterzelle legte insgesamt eine Strecke von etwa 300 Kilometern zurück und richtete in einem Streifen von Landsberg über München hinweg bis in den Westen des Landkreises Ebersberg unvorstellbare Schäden an. Laut Münchner Rückversicherung entstanden an etwa 70.000 Gebäuden Schäden, wurden 240.000 PKW beschädigt und große landwirtschaftliche Flächen komplett verwüstet. Zahlreiche Gewächshäuser wurden völlig zerstört und auch am Flughafen Riem gab es enorme Schäden an Gebäuden und Flugzeugen. Die Bilanz der versicherten Schäden belief sich nach Angaben der Münchener Rück bei Landwirtschaft und Gärten auf 80 Millionen DM, bei Wohngebäuden und Hausrat auf 350 Millionen DM, bei Kfz-Versicherungen auf 800 Millionen DM, bei der Luftfahrt auf 180 Millionen DM, was eine Gesamtsumme von 1500 Millionen DM ausmachte. Im Internet finden sich noch heute Augenzeugenberichte über das schreckliche Ereignis. „Plötzlich fing es an zu hageln. Erst ein riesiger Brocken. Er schlug direkt auf unserer Terasse auf und ich bekam einen gewaltigen Schreck, denn er war im Vergleich zu anderen Hagelkörnern, die ich gesehen hatte, riesig. So 6 bis 7 Zentimeter. Auf einmal fing es heftiger an. Ein dröhnendes Rauschen war zu hören und unser Pool kochte förmlich. Wir flüchteten alle auf den Balkon. Man konnte seinen Augen nicht trauen! Hagelkörner wo das Auge nur hinsah, und diese Größe – einfach unbeschreiblich! Wie versteinert standen wir auf dem Balkon und schauten dem Chaos zu“, so ein damals Jugendlicher aus Trudering. Und eine Frau aus Trudering erinnert sich: „Tagsüber war es sehr schwül und drückend. Ab circa 20 Uhr wurde es plötzlich gelbgrau am Himmel. Ein fürchterlicher Sturm legte los. Tennisballgroße Hagelkörner gingen dann nieder. Es ging alles zu Bruch, Fenster, Jalousien, Autos. Die riesigen Eisklumpen zerfetzten unseren Garten und fügten unserem Haus erheblichen Schaden zu. Das Haus war von oben bis unten voller Wasser, da das Dach vom Hagel zerschossen worden ist. Autos waren ohne Fenster, aber mit vielen großen Dellen. Es zeigte sich aber nach dem Unwetter, was Nachbarschaft bedeutet. Jeder half jedem.“ Feuerwehren im Dauereinsatz Auch die Feuerwehr musste eine erschreckende Bilanz des Unwetters ziehen. Mehrere Tage waren alle 22 Abteilungen und insgesamt 470 Feuerwehrmänner der Freiwillige Feuerwehr im Einsatz. In München wurden von der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) 3478 Alarme abgearbeitet. Ähnlich das Bild in Haar: Bis zu 80 Prozent der Dächer waren beschädigt. In Haar war nahezu jeder Haushalt betroffen; sei es, dass Dachziegel oder Fensterscheiben zerbrochen waren, Autos beschädigt wurden oder Menschen durch die Hagelkörner verletzt wurden. Was der Hagel nicht schaffte erledigte der anschließend einsetzende starke Regen, der im gesamten Gemeindegebiet zu zahlreichen Wasserschäden führte. Die Feuerwehr Haar, selbst durch einen Wassereinbruch am Dach der Feuerwache an der Bahnhofstraße betroffen, arbeitete mehrere Tage die gemeldeten Schäden ab. Zusätzlich erfolgte ein Blitzumzug in das neue Haus an der Vockestraße. Unterstützung kam aus vielen Richtungen, so halfen knapp 300 Soldaten der Bundeswehr bei den Aufräum- und Abdichtarbeiten und unterstützten so die örtlichen Einsatzkräfte. Noch heute gilt das Hagelunwetter vom 12. Juli 1984 als „Jahrhundert-Ereignis“, für den Münchner Osten ein trauriges Ereignis.

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