Die Stille hören können

Wichart Hölscher ist erfahrener Wüstenwanderer. Das erlaubt ihm die extreme Durchquerung der Rub al-Khali. Foto: privat

„Die Wüste ist für mich ein Ort, der mich leer macht und anschließend mit Neuem füllt“, erklärt Wichard Höscher seine Faszination für die kargesten Orte der Erde. Dieser Tage startet er seine 17. Wüstendurchquerung. Ziel ist die Rub al-Khali auf der arabischen Halbinsel.

„Von Beruf bin ich eigentlich Architekt. Ich bin aber mein ganzes Leben Sportler, Extremsportler“, erzählt Hölscher. Er hat bereits an mehreren Wüstenmarathons teilgenommen und organisiert weltweite, außergewöhnliche Marathonveranstaltungen wie den Great-Wall-Marathon auf der Chinesischen Mauer oder den Vulkanmarathon auf Martinique. Fasziniert vom Nichts Seine besondere Leidenschaft gilt aber den Wüsten dieser Welt. Auf allen Kontinenten war er schon unterwegs. Er kennt sie alle, die heißesten, die größten und die ältesten Wüsten. Die Rub al-Khali, zu Deutsch „das leere Viertel“, ist die größte Sandwüste der Erde, Wichart Hölscher hat sie schon zweimal besucht. Jetzt will er sie durchqueren. Die Rub al-Khali ist eine Wüste von einmaliger Kargheit. Es gibt keine Bäume, keine Sträucher, keine Beduinen. Und das auf einer Fläche, halb so groß wie Europa. „Mich fasziniert diese Einsamkeit. Nach zwei bis drei Tagen merkt man, wie man völlig abschaltet und sich darauf besinnt, was wirklich zählt. Was im Alltag wichtig erscheint, verliert seine Bedeutung“, erzählt der Wüstenfuchs, „der schönste Moment ist es immer, wenn man die Stille hören kann.“ Extreme Bedingungen Wichart Hölscher startet mit einem Team aus sieben ausgewählten Mitreisenden. Leute von denen er weiß, dass sie der Expedition gewachsen sind. Die Wüste erfordert eine hohe Belastungsfähigkeit und die Bereitschaft völlig auf Komfort zu verzichten. Bei 40 bis 50 Grad im Schatten muss man außerdem absolut Hitzebeständig sein. Natürlich ist auch die körperliche Fitness ein wichtiger Punkt, denn immerhin wird das Team 25 bis 35 Kilometer am Tag laufen – mit 15 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Das Wasser für einen ganzen Tag muss mitgeführt werden, das sind etwa 8 bis 10 Liter am Tag. „Man darf den Wasserbedarf nicht unterschätzen, sonst ist man ganz schnell dehydriert“, warnt Hölscher. Sandstürme und Skorpione In der Wüste lauern Gefahren, die aus dem Alltag nicht bekannt sind. Eine unglückliche Begegnung mit einer Schlange oder einem Skorpion kann tödlich enden. Innerhalb von wenigen Minuten kann ein Sandsturm heraufziehen, der dann mehrere Tage dauert. Wer nicht weiß, wie er sich in dieser Situation verhalten soll, kann schnell durchdrehen und schlechte Entscheidungen treffen. Wichart Hölscher wird seine Mitwandernden daher über die Wüste informieren und ihnen einschärfen, wie in welcher Situation reagiert werden muss. Bloß nicht ins Blaue hinein Eine derartige Expedition muss natürlich gewissenhaft vorbereitet werden. Etwa ein dreiviertel Jahr dauerte die Planung. Genehmigungen müssen eingeholt, die Routen ausgearbeitet und die Koordinaten festgelegt werden und auch die körperliche Vorbereitung und Besorgung der Ausrüstung brauchen ihre Zeit. Erfahrung im Kartenlesen und im Umgang mit dem Kompass sind unabdingbar. Außerdem galt es, drei Versorgungsfahrzeuge zu sichern, die unter Anderem die benötigten 2500 Liter Wasser mitführen. Sie sind auch ein wichtiger Faktor zur Sicherheit, den mit Kamelen würde es im Ernstfall Tage dauern, aus der Wüste zu kommen. Für besondere Notsituationen führt die Gruppe Satellitenhandys mit, über die ein Hubschrauber angefordert werden kann. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann man eine unvergessliche Reise unternehmen. Raus aus der Hektik des Alltags und hinein in eine völlig neue Welt. Linda Jessen

Auch interessant:

Meistgelesen

Streit um Bauprojekt an der Fauststraße 90 geht weiter
Streit um Bauprojekt an der Fauststraße 90 geht weiter
Verlegung der Post an die Kreillerstraße in Trudering verärgert einen Anwohner
Verlegung der Post an die Kreillerstraße in Trudering verärgert einen Anwohner
Per Atemtechnik in die Seele und in ein früheres Leben – ein Selbstversuch von HALLO-Chefredakteur Marco Heinrich
Per Atemtechnik in die Seele und in ein früheres Leben – ein Selbstversuch von HALLO-Chefredakteur Marco Heinrich

Kommentare