Münchner Verein „MKidS“ sucht Ehrenamtliche

Sprachlotsen machen Kinder fürs Lesen fit

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Gemeinsam mit einem Sprachlotsen schulen Schüler ihr Sprach- und Textverständnis. Und ganz nebenbei entwickeln sie dabei Freude am Lesen von Kinderliteratur. 

Für die Stadtteile Riem, Neuperlach und Berg am Laim sucht der Münchner Verein „MKidS — Münchner Kinder integrieren durch Sprache“ — weitere Ehrenamtliche, die sich als Sprachlotsen in Grundschulen, Kindergärten oder Sozialeinrichtungen engagieren wollen, um Kindern die Freude am Lesen zu vermitteln.

Tim und Marty müssen in den Ferien eine Auszeit nehmen: Die beiden Brüder müssen „zur Strafe“ ihre Freizeit in einer Bibliothek absitzen. Und in dieser regiert ein wahrer Drache in Gestalt einer Bibliothekarin, Miss Murphy. In „Tim und das Geheimnis von Knolle Murphy“ erzählt Eoin Colfer davon, wie zwei Jungen ihren Aufenthalt zwischen all den Büchern zunächst als Strafe wahrnehmen und dann aber das Lesen für sich entdecken. Dieses Kinderbuch bekommen Grundschüler am Ende der dritten Klasse von „MKidS“, dem Verein „Münchner Kinder integrieren durch die Sprache“, geschenkt. Und im besten Fall ist es „MKidS“-Gründerin Riccarda Boehm und ihrem Team gelungen, die Kinder für das Lesen zu begeistern. Aktuell sind neun Ehrenamtliche für den 2016 gegründeten Münchner Verein tätig und besuchen regelmäßig Grundschulen, Kindertagesstätten und Sozialeinrichtungen. Boehm möchte dieses Angebot gerne erweitern und sucht für ihr Projekt weitere Ehrenamtliche. „Wir nennen uns Sprachlotsen“, erklärt sie. Ziel ist es, das Sprach-Text-Verständnis der Kinder zu fördern. Und der Bedarf sei groß. „Besonders am Herzen liegt mir derzeit die Grundschule am Karl-Marx-Ring in Neuperlach“, so Boehm. „In diese Schule Sprachlotsen schicken zu können, das wäre mir ein großes Anliegen.“ Aber auch für die Stadtteile Riem und Berg am Laim sucht sie Unterstützung. Die Sprachlotsen stehen mit Schule und mit den Lehrern in engem Kontakt. „Wir gehen in die Klasse und ziehen uns dann mit einem Teil der Kinder etwa eine Dreiviertelstunde lang zurück, kommen zurück und nehmen die anderen Kinder mit.“ In der ersten Klasse, aber auch bei Vorschulkindern, steht das Dialogische Lesen noch im Vordergrund. In der zweiten Klasse geht es dann schon darum, dass die Kinder eine Kurzgeschichte lesen und danach Fragen dazu beantworten.

Das laute Vorlesen will geübt sein „In der dritten Klasse üben die Kinder dann mit uns das laute Vorlesen. Denn oft wissen die Kinder gar nicht genau, was eigentlich in der Geschichte passiert ist, die sie gerade vorgelesen haben“, erzählt Boehm. Gemeinsam mit dem Sprachlotsen lernen die Kinder auch, worauf es beim lauten Vorlesen ankommt wie zum Beispiel, dass sie mit der Stimme runtergehen, wenn sie am Satz- ende angekommen sind. Zukunftsmusik ist es derzeit noch, den Viertklässlern die Teilnahme an einem Leseclub anbieten zu können. In einem Kindergarten nehmen die Sprachlotsen in Absprache mit den Erzieherinnen wesentlich weniger Kinder in einen anderen Raum mit. „Es hat sich gut eingependelt, dass wir nach dem Sitzkreis hinzukommen und sich dann ein kleines Grüppchen bildet, das mit uns mitgeht“, erzählt die Vereinsvorsitzende. Im Kindergarten seien die Sprachlotsen völlig frei, wie sie die Zeit mit den Kindern gestalten. „Manchmal nimmt man sich auch einfach nur die Zeit, mit den Kindern zu quasseln“, so Boehm. Auch ein Spiel oder ein kleines Theater, über das die Kinder danach mit dem Sprachlotsen sprechen, eigne sich gut für den Besuch im Kindergarten. „Mit den Kleinen reichen meist 20 bis 25 Minuten, viel länger können sie sich nicht konzentrieren“, weiß Boehm. „Hauptsache ist, dass auch die schüchternen Kinder mal zu Wort kommt und es einem gelingt, etwas aus ihnen hervorzulocken.“ Für diese Art der Sprach- förderung kann sich Boehm von „MKidS“ vorstellen, nicht nur Schulen und Kindertagesstätten zu besuchen. „Auch mit dem Nachbarschaftstreff in Ramersdorf und mit dem Bildungs- lokal in Berg am Laim stand ich schon in Kontakt“, so Boehm. „Möglichkeiten gibt es viele. Wir sind da ganz offen.“ Boehm als Vereinsvorsitzende betont, dass sie für jeden ihrer ehrenamtlichen Sprachlotsen versuche, eine passende individuelle Lösung zu finden: Wenn sich jemand gerne bei „MKidS“ engagieren möchte, aber nicht weit zu einer Schule oder einer Kita fahren möchte, ist sich Boehm sicher, dass man gemeinsam einen geeigneten Einsatzort findet. Ebenso sei man nicht darauf angewiesen, jetzt zu Schuljahresbeginn als Sprachlotse anzufangen. „In einem Kindergarten zum Beispiel kann man jederzeit unter dem Jahr beginnen“, so Boehm. „MKidS“ stellt den Ehrenamtlichen zudem einen Bibliotheksausweis zur Verfügung, um sich einen Überblick über die aktuelle Kinder-Literatur zu verschaffen. „Und wir treffen uns zwei- bis dreimal im Jahr, um uns auszutauschen“, sagt Boehm.

Verena Rudolf

Wer sich für das Ehrenamt des Sprachlotsen bei MKidS — „Münchner Kinder integrieren durch Sprache“ — interessiert, kann am Montag, 9. September, von 16 bis 18 Uhr zu einer Informationsveranstaltung im Eine-Welt-Haus an der Schwanthalerstraße 80 (im Rückgebäude) kommen. Vereinsvorsitzende Riccarda Boehm bittet um Anmeldung per E-Mail an info@mkids-ev-de. Bei Fragen steht die Vereinsvorsitzende auch telefonisch unter 64 24 94 72 zur Verfügung. Wer als Sprachlotse tätig werden möchte, benötigt ein erweitertes Führungszeugnis.

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