Über große Geschäfte – und die Kleinen

Wirtschaftsförderung in Haar

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Bürgermeisterin Gabriele Müller vor der Karte der Gemeinde Haar.

Es gibt Worte, die unmittelbar eine Reaktion auslösen. Bundesligastart zum Beispiel – totale Vorfreude beim Einen und der plötzliche Drang, die Augen zu verdrehen, beim eventuell weniger fußballbegeisterten Partner. Andere Wörter haben es da schwerer. Wirtschaftsförderung zum Beispiel löst bei den meisten Menschen wohl am ehesten das Bedürfnis aus, sich schnell nach einer alternativen Beschäftigung umzuschauen. Frei nach dem Motto: Ist schon wichtig, aber bitte, sollen sich doch die Experten darum kümmern. Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller sieht das freilich ein wenig anders. Für sie ist dieser Teil ihrer Arbeit nicht nur wichtig, sondern auch spannend.

Die Gemeinde versucht gerade, drei Gewerbegebiete neu an den Mann zu bringen: Blumenstraße, Baseball-Feld, nördliche Leibstraße (HALLO berichtete). Wie genau geschieht so etwas? Ein Fall für die Ebay-Kleinanzeigen ist solch ein Millionengeschäft ja nicht gerade. Helmut Schmidt und Alicia Frey sind für diese Belange im Rathaus zuständig. „Es gibt ein ganzes Netzwerk, in dem wir unsere Flächen anbieten können“, erklärt Helmut Schmidt und nennt als Beispiele „invest-in-bavaria“, die IHK mit ihrem Standort-Informationssystem (die Leibstraße war da sogar gerade „Fläche des Monats“) oder die Europäische Metropolenregion München. Auch die Kontakte zu den großen Immobilienmaklern wurden intensiviert. „Vor ein paar Jahren wusste dort noch keiner, was unsere Qualitäten sind“, weiß Ute Dechent als Persönliche Referentin der Bürgermeisterin zu berichten. Qualitäten, von denen es eine ganze Reihe gibt: Haar wird in Wirtschaftskreisen als Teil von München wahrgenommen. Im Gegensatz zu einer Großstadt gibt es aber einen direkten Draht in die Verwaltung. Zuständigkeiten sind durchschaubar, und die beteiligten Personen kurzfristig für Termine zu haben. „Ich habe früher öfter mal geangelt – und so kommt mir das manchmal vor“, erzählt Gabriele Müller lachend. Denn wenn der richtige Fisch anschlägt, kann und muss es ganz schnell gehen.

Zwischen dem ersten Kontakt mit dem Hightech-Unternehmen attocube und dem Einzug ins neu gebaute Zentrum vergingen zum Beispiel gerade einmal dreieinhalb Jahre. Ein unglaubliches Tempo, wenn man bedenkt, dass der Bau von so manchem Spielplatz oft das Doppelte dieser Zeit beansprucht. „Wir warten so lange, bis wir etwas haben, das tatsächlich reinpasst – auch städtebaulich“, sagt die Bürgermeisterin. Natürlich gelingt dabei nicht alles. Im Rennen um einen neuen BMW-Standort war Haar vor rund drei Jahren lange mit dabei und am Ende unterlegen. Niederlagen, die zum Geschäft gehören. In anderen Bereichen bleibt der Gemeinde nur das Zusehen. An wen das amerikanische Unternehmen MSD Sharpe & Dohme das eigene Grundstück nach dem Umzug verkauft, ist alleine die Entscheidung des Unternehmens. Die Gemeinde kann nur darauf pochen, dass es weiter für Gewerbe verwendet wird. Bis Ende des Jahres soll es in dieser Frage erste Antworten geben. Bis dahin bleibt nur das Hoffen. Gabriele Müller sagt nur: „Boden- und Mietspekulationen sind das größte Übel für die Gemeinden.“ Einsparungen in Haar gibt es bislang nur auf kleinem Niveau. Der runde Geburtstag der Bürgermeisterin wird zum Beispiel nicht mit einem großen Fest gefeiert, sondern mit einem Stehempfang.

Marco Heinrich

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