„Solange sie Geld verdienen, bleiben sie“

In Vaterstetten gibt es seit kurzem – im GSD-Seniorenheim – einen „Tante Emma“-Laden als Reaktion auf die Schließung des benachbarten Rewe-Marktes in der Ortsmitte. Trotzdem geht mittlerweile in vielen Wohngebieten der Flächengemeinde ohne Auto in Sachen Einkauf nichts. In Haar sieht das Bild noch ein wenig anders aus. Hier finden die Bürger noch viele kleinere Geschäfte in fußläufiger Entfernung. Und das soll so bleiben …

Milch aus, Brot verschimmelt, Getränkekiste leer. Wer hat nicht schon einmal kurz vor Ladenschluss ähnliches erlebt. Wohl dem, der dann einen kleinen Laden um die Ecke hat, in dem es die wichtigsten Lebensmittel zu kaufen gibt. In Haar ist das noch Realität, neben drei Discountern an der Wasserburger Straße und am Bahnhof sowie einem Rewe-Markt an der Stadtgrenze zu München trägt dazu vor allem die Tengelmann-Gruppe bei, die in Haar insgesamt vier Märkte – davon zwei kleinere – betreibt. Diese Vielfalt soll erhalten bleiben, wie sich bei einem Treffen zwischen Haars Bürgermeister Helmut Dworzak mit Vertretern der Tengelmann-Bezirksdirektion im Rathaus herausstellte. Man will die kleinen Märkte halten, so das Versprechen von Tengelmann-Distriktmanager Werner Häringer gegenüber Dworzak – mit der Einschränkung „solange sie Geld verdienen“. In den kleinen Läden an der Leibstraße und der Defreggerstraße habe man sich ein Stammpublikum aufgebaut. Trotz geringer Ladenfläche umfasse das Angebot rund 900 Artikel, dazu gibt es Frischtheken für Brot, Gebäck, Wurst und Fleisch, so Häringer. Vor allem ältere Menschen schätzen und nutzen die Möglichkeit, wohnungsnah zu Fuß oder mit dem Rad einkaufen zu können. Die Läden bei den Menschen lassen „Nahversorgung ist ein Stück Lebensqualität“, betonte der Rathaus-Chef und wies darauf hin, dass die Gemeinde Haar große Märkte auf der grünen Wiese auch in Zukunft nicht zulassen werde. „Es gehört zu unseren städtebaulichen Leitzielen, die Läden bei den Menschen zu lassen“, so Dworzak. Die Trumpfkarte, so der Bürgermeister weiter, hätten die Bürger selbst in der Hand. Denn letztlich entscheide der Kunde mit seinem Einkaufsverhalten, ob die Läden überleben können oder nicht. „Tante Emma-Laden“ statt Supermarkt Wie es ist, wenn ein gewohnter Markt vor der Haustür schließt, erlebten die Anwohner rund um den Maibaum in Vaterstetten. Vor einigen Monaten schloss der zentral in der Fasanenstraße gelegene Supermarkt seine Pforten, dafür öffnete ein Getränkemarkt. Selbst für kleinere Einkäufe, die bislang zu Fuß zu erledigen waren, geht seither ohne Auto (fast) nichts mehr. Besonders betroffen von der Schließung waren die weniger mobilen Bewohner des nahen GSD-Seniorenheims, für die damit die einzige erreichbare Einkaufsmöglichkeit wegfiel. Als Reaktion wurde Anfang August auf Betreiben der Heimleitung ein kleiner Tante-Emma-Laden eröffnet, um den Heimbewohnern, ihren Angehörigen, den Mitarbeitern des Heims und den Anliegern der Umgebung wieder Dinge des täglichen Bedarfs in nächster Nähe anbieten zu können. A. Schwaiger

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