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Smartphone-Treff für Senioren im Bürgerhaus Neukeferloh

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Beim Smartphone-Treff in Neukeferloh lässt sich der 75-jährige Hans Ulrich Gondesen vom Mittelschüler Eray Celik die Bedienung seines Smartphones erklären.
Beim Smartphone-Treff in Neukeferloh lässt sich der 75-jährige Hans Ulrich Gondesen vom Mittelschüler Eray Celik die Bedienung seines Smartphones erklären. © Wünsch

Beim Smartphone-Treff der Vhs Vaterstetten im Bürgerhaus Neukeferloh sind Jugendliche die Experten! Ihre Schüler sind Senioren im Alter von etwa 60 bis 80 Jahren. Denn was für junge Menschen selbstverständlich ist, müssen Ältere sich hart erarbeiten.

Stifte kratzen auf Papier, Wangen glühen, Köpfe scheinen vor Konzentration zu rauchen. Was aussieht wie Prüfungsvorbereitungen für das Abitur, ist der Smartphone-Treff der Vhs Vaterstetten im Bürgerhaus Neukeferloh in Grasbrunn. Das Besondere: Jugendliche sind die Experten! Ihre Schüler sind Senioren. „Manchmal könnte ich das Ding in die Ecke werfen“, sagt der 75-jährige Hans Ulrich Gondesen. Mit „Ding“ meint er sein Smartphone. Denn das mache einfach nicht was er will. „Dann rufe ich plötzlich jemanden an, den ich gar nicht anrufen wollte.“ Das ist peinlich für den Senioren, der als Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik sogar Computer zusammengebaut hat. „Aber was die Software betrifft, bin ich vollkommen hilflos“, gibt er zerknirscht zu. Auch die 70-jährige Eva Hermann ist verzweifelt. Ihre Familie hat ihr zum Geburtstag ein Smartphone geschenkt, doch was nett gemeint war, hat sich als Bärendienst erwiesen. „Jetzt sind sie genervt von mir, weil ich ständig dieselben Fragen stelle. Das habe ich dir schon tausend Mal erklärt“, so ihr Enkel, der ihr mit zwölf Jahre auf dem Gebiet weit überlegen ist. „Ob Computer, Tablet oder Smartphone, der ist total fit!“, sagt die Seniorin. Leider habe er keine Geduld, seiner Oma diese Sache mit dem Internet zu erklären. Aber mit Hilfe des Smartphone-Kurses will sie es dem Enkel zeigen!

13 Schüler der Mittelschule Vaterstetten treffen auf 30 Senioren und erklären ihnen, wie ihr Smartphone funktioniert. In Arbeitsgruppen sitzen

Im Bürgerhaus Neukeferloh geht es zu wie bei Abschlussprüfungen. An Gruppentischen pauken die Senioren mit ihren jugendlichen Coaches.
Im Bürgerhaus Neukeferloh geht es zu wie bei Abschlussprüfungen. An Gruppentischen pauken die Senioren mit ihren jugendlichen Coaches. © Wünsch

Schüler und Lehrer an Sechsertischen zusammen. Auf einen Schüler-Coach kommen ein bis zwei Senioren. Der Klassenlehrer der Zehntklässler, Florian Otto, ist begeistert — und zwar nicht nur, weil die ältere Generation davon profitiert. „Wir hatten am 1. März bereits einen Kurs und ich war verblüfft von meinen Schülern!“ So offen habe er sie noch nie erlebt. Haben die Jugendlichen in der Schule oft keine Lust auf den Unterricht, so sind sie als Coaches im Smartphone-Kurs aufgeblüht und haben vor allem eines bewiesen: eine Menge Geduld. Denn so eifrig ihre Senioren-Schüler auch sind, auf Anhieb klappt es meist nicht. Wie ging das mit diesem WhatsApp? Und was war gleich nochmal YouTube? Bei einigen kniffligen Fragen kommen selbst die besten Coaches mal ins Schwitzen.

„Ein leichtes Tippen genügt“ 

„Warum drücke ich auf die Kamera und es kommt nichts?“, fragt die 70-jährige Hermann den 16 Jahre alten Alex Huber. „Sie haben zu fest drauf gedrückt“, erklärt er mit sanfter Stimme. „Ein leichtes Tippen genügt.“ Coach Eray Celik erklärt Gondesen derweil wie er auf Google etwas findet, als ein Anruf reinkommt. Gondesen will den Anrufer zurückrufen und kommt prompt beim Falschen raus. „Telefonieren kann man mit dem Ding schon mal nicht“, sagt er frustriert. „Dann bleibt mir nur noch, es in den Müll zu schmeißen.“ „Das kriegen wir schon hin“, entgegnet Eray Celik ruhig. „Wäre doch schade, es weg zu schmeißen.“ Gondesen atmet tief durch und probiert es nochmal. Wenigstens das mit dem Internet funktioniert jetzt. Und auch Herrmann stellt fest: „Man bleibt an den einfachsten Sachen hängen. Wir sind eindeutig die Doofen und die Jugendlichen kennen sich aus.“ Das kann schon frustrierend sein, aber umso besser findet die Seniorin es, dass so ein Kurs angeboten wird. „Ich komme auf jeden Fall wieder!“, sagt sie am Ende, denn nach diesen eineinhalb Stunden ist immerhin eine Erkenntnis in ihr herangereift: „Eigentlich ist die Bedienung ja ganz logisch.“

Helmut Ertel von der Vhs Vaterstetten ist überzeugt von dem Projekt. Seiner Meinung nach bieten Smartphones ungeahnte Möglichkeiten und sollten mehr in den Unterricht integriert werden. Allerdings gibt er zu bedenken, dass es schwierig ist, einzuschätzen, wann Schüler aus der Arbeit mit dem Smartphone Nutzen ziehen und wann sie nur sinnlos herumsurfen. Davon kann in diesem Kurs nicht die Rede sein. Was in der Schule verboten ist, nämlich mit dem Smartphone zu spielen, dafür werden die Schüler in diesem Kurs gelobt. So viel positive Bestätigung ist gut fürs Selbstbewusstsein. Außerdem gibt‘s am Ende auch noch ein kleines Trinkgeld von einigen dankbaren Kursteilnehmern. Der 17-jährige Cem Teke jedenfalls hält den Smartphone-Treff für sinnvoll. „Meine Mutter sollte auch so einen Kurs besuchen“, resümiert er mit einem breiten Grinsen.

Lydia Wünsch

Der nächste Smartphone-Treff findet am Donnerstag, 17. Mai, statt. Anmeldungen sind unter Telefon 08106/359035 oder per E-Mail an Anna.Meschenmoser@grasbrunn.de möglich.

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