Zum Weltfrauentreffpunkt ein Besuch in Neuperlach

Ein Treffpunkt von Frauen für Frauen

+
Frauen jeden Alters sind wie bei der Mutter-Kind-Gruppe im Frauentreffpunkt Neuperlach am Oskar-Maria-Graf-Ring willkommen.

Am 8. März ist Internationaler Frauentag. 1977 erkannte die Generalversammlung diesen Tag als Frauentag an. Ebenso in den 1970er-Jahren gründeten in Neuperlach Frauen eine Selbsthilfeeinrichtung: den Frauentreffpunkt. Ein seit dieser Zeit erfolgreicher Verein — nur mit Frauen.

Frauen treffen sich — heute ebenso wie vor 40 Jahren. Sie reden, tauschen sich aus, helfen sich gegenseitig, treiben Sport oder sind gemeinsam kreativ, spielen mit ihren Kindern, lernen Deutsch oder planen Ausflüge. 1975 gründeten Neuperlacherinnen in ihrem damals neuen Stadtteil eine Selbsthilfeeinrichtung für Frauen, den Frauentreffpunkt Neuperlach. „Bereits 1974 wurde uns Frauen ein Raum zur Verfügung gestellt. Neuperlach war damals Brachland, es gab noch kaum Infrastruktur“, so Beate Sittenauer, die heute eine der drei Vorstandsfrauen des Frauentreffpunkts ist. Im darauffolgenden Jahr wurde dann der Verein gegründet. „Mitte der 1970er-Jahre zur Zeit der Frauen-Bewegungen hatten auch in Neuperlach Frauen den Wunsch, sich selbst zu organisieren und zu verwalten“, sagt Sittenauer. Und das ist bis heute so geblieben. Die Vereinsfrauen vom Frauentreffpunkt Neuperlach kümmern sich um alles selbst und sind weder parteilich oder konfessionell gebunden. Der Frauentreffpunkt besteht seit so vielen Jahren, da sich die Mitglieder so engagieren. „Jede Frau bringt sich bei uns mit ihren jeweiligen, ganz unterschiedlichen Neigungen ein“, so das Vorstandsmitglied. „Einige kümmern sich ums Café, andere um die Öffentlichkeitsarbeit und ich zum Beispiel um die Finanzen.“ Und alle zwei Wochen treffen sich die Vereinsfrauen zu einer Sitzung. „Nur im Plenum treffen wir unsere Entscheidungen und diskutieren, was in unser Programm kommen soll“, sagt Sittenauer. Klar, bei diesen Sitzungen fielen auch mal deutliche Worte und es gäbe Konflikte, die es zu lösen gelte. Doch Sittenauer betont: „Zickenkrieg oder Neid, das kennen wir nicht. Wir haben die Vereins-Organisation über die Jahre immer gut hingekriegt, weil wir jede zur Wort kommen lassen und jede in ihrer Meinung auch ernst nehmen. Man muss über alles reden können, das ist wichtig.“ Nach den Bedürfnissen der Besucherinnen richtet sich auch das Angebot. In den Anfangsjahren seien es vor allem junge Frauen gewesen, die mit ihren Familie gerade in den neuen Stadtteil Neuperlach gezogen waren und nun in den Frauentreffpunkt kamen. „Ein Thema wie gesunde Ernährung beschäftigte beispielsweise viele Mütter damals, vor allem nach der Tschernobyl- Katastrophe 1986 suchten sie nach Antworten auf Fragen wie: Ist die Milch belastet“, berichtet die Vorsitzende.

Junge Mütter von damals sind heute Seniorinnen

Was die Besucherinnen des Treffpunkts am Oskar-Maria-Graf-Ring über die Jahre so beschäftigte und für welche Art von Angeboten sie sich interessierten, das hing und hängt natürlich auch mit der jeweiligen Struktur des Stadtteils Neuperlach zusammen. „Die jungen Mütter von damals sind heute im Rentenalter, manche von ihnen sind verwitwet und freuen sich über unser Angebot, rauszukommen und etwas gemeinsam zu unternehmen“, so Sittenauer. Wiederum andere Frauen kämen in ein Alter, in dem sie feststellen, dass es noch mehr gibt als Familie und Beruf. Sie besuchen gerne das Mittwochs-Café mit Literatur-Programm. „Wir als Frauentreffpunkt sehen einfach unsere Aufgabe darin, die Neigungen von Frauen jeden Alters aufzugreifen und zu fördern“, sagt Sittenauer. Und so haben sie ihr Programm natürlich auch darauf angepasst, dass im Laufe der Jahre auch viele Frauen mit Migrationshintergrund nach Neuperlach gezogen sind. Vor gut 20 Jahren gründeten sie das „Café International“. Frauen und Kinder überwinden bei diesem Angebot des Neuperlacher Frauentreffpunkts kulturelle Grenzen durch Tanzen, Singen, Kochen oder Spielen. „Die Frauen können sich bei uns aber ebenso einfach nur informieren. Da wir gut vernetzt sind und die richtigen Adressen kennen, leiten wir die Frauen gegebenenfalls an eine Fach-Einrichtung weiter“, sagt Sittenauer. „Spielend Deutsch lernen“ können Frauen auch in der offenen Mutter-Kind-Gruppe, bei der für die kleinen Besucher Klatsch- und Bewegungsspiele angeboten werden, während ihre Mamas ihre Deutsch-Kenntnisse mit einfachen Sprachübungen trainieren. „Wer noch unsicher in der deutschen Sprache ist, kann hier in einem angenehmen Rahmen seine Sprachkenntnisse ausprobieren“, so die Vorsitzende. „Zu uns kommen ungeheuer viele Frauen aus allen möglichen Ländern und Regionen der Welt, ob aus Indien, Südamerika oder Ostasien.“ Einige von ihnen würden es auch bevorzugen, im Frauentreffpunkt im geschützten Rahmen Sport zu machen. „Frauenpower“ heißt die Sport-Stunde im Frauentreffpunkt. Dieses Angebot sei schlicht dadurch entstanden, dass eine Kollegin, die damals ein kleines Kind hatte, sich gerne wieder sportlich betätigen wollte, erzählt Sittenauer. Das Vereinsmitglied rief die Gruppe „Mama Fit“ ins Leben. Das Angebot gibt es immer noch, auch wenn die Frauen mittlerweile ohne Kinder turnen und es daher in „Frauenpower“ umbenannt wurde. Für Kinder gibt es im Frauentreffpunkt darüber hinaus ein Kletterhaus und eine Spiel- ecke. 2013 sind die Vereinsfrauen mit ihrem Treffpunkt umgezogen. „Die Wohnbaugesellschaft hat uns einen neuen Raum zur Verfügung gestellt, der größer ist.“ Zudem nutzen die Vereinsfrauen den sogenannten Raum 20, den Ursprungsraum ihres Treffs. In Kooperation mit der dem Kindertreffpunkt Oskar-Maria-Graf-Zentrum bieten sie dort eine Hausaufgabenhilfe für Grundschüler an, es finden Deutsch- und Bastelkurse und regelmäßig Ausstellungen statt. Ganz unabhängig von all den Gruppen-Angeboten sei es aber auch wichtig, dass Frauen wissen, dass sie einfach vorbeikommen können, wenn sie Hilfe brauchen oder ein Problem haben. Im Frauentreffpunkt werden sie feststellen: Frauen sind füreinander da. Und sich zu treffen und ein Problem anzusprechen, ist immer der erste Schritt in Richtung Lösung. Verena Rudolf

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Street-Art-Künstler sollen die fleckige Wand am U-Bahnhof Candidplatz verschönern
Street-Art-Künstler sollen die fleckige Wand am U-Bahnhof Candidplatz verschönern
Villa-Abriss an der Traminer Straße: Jetzt kommen die Anwohner zu Wort
Villa-Abriss an der Traminer Straße: Jetzt kommen die Anwohner zu Wort

Kommentare