Naturschutz in der Stadt

Ein Spatzenturm für den Hanns-Seidel-Platz in Neuperlach

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Der Spatzen-Turm soll den kleinen Vögel auch während der Bauzeit am Hanns-Seidel-Platz eine Heimat bieten.

Wenigstens die Neuperlacher Spatzen müssen sich keine Sorgen um ein Ausweich-Quartier machen. Für sie wurde jetzt ein eigener Spatzenturm auf dem Hanns-Seidel-Platz aufgestellt. Damit die dort beheimatete Kolonie nicht wegen der Bauarbeiten abwandert.

Der Hanns-Seidel-Platz ist ein beliebtes Spatzenrevier. Die unbefestigte Fläche vor dem Kulturhaus mit ihren Kuhlen, in denen bei Regen kleine Pfützen stehen bleiben, nutzen die kleinen graubraun-gemusterten Vögel gerne zum Staub- und Wasserbad. Das Stahlgeflecht-Kunstwerk namens „Legung“ von Adrian Maryniak gleich nebenan ist die Herberge der Spatzenkolonie, die aber auch gerne das Gebälk des Kulturhauses nutzt.

Doch die fortschreitenden Bauarbeiten bedrohen das Spatzenidyll. Das Kulturhaus sowie das gerne auch als „Spatzenburg“ bezeichnete Kunstobjekt müssen den Platz räumen. Damit verlieren die Haussperlinge, wie die Art ganz offiziell heißt, einen Großteil ihrer Nistplätze. Auf derartige Störungen am Brutplatz reagieren die kleinen Vögel durchaus empfindlich. Denn Haussperlinge sind standortgebunden und nistplatztreu.

Ein eigener Spatzenturm soll nun verhindern, dass die Neuperlacher Spatzenkolonie abwandert. Schließlich ist der Spatz heute vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten in Bayern. Die Zahl der Haussperlinge ist in München in den vergangenen Jahren rapide gesunken. Weil es immer weniger Nistmöglichkeiten für die Höhlenbrüter gibt. Löcher im Mauerwerk oder lose Dachpfannen, aber auch Hecken sind in Zeiten von Hausdämmung und maximaler Grundstücksausnutzung kaum noch vorhanden.

Aufgestellt hat den Turm der Bauträger BHB Bayern, der derzeit den Hanns-Seidel-Platz zum neuen Stadtteilzentrum mit Wohn-, Büro- und Einzelhandelsflächen umbaut. „Wir sind überzeugt, dass Lebensqualität auch inmitten der Stadt einen Bezug zur Natur erfordert“, sagt Geschäftsführerin Melanie Hammer. Der Spatzenturm sei aktiver Artenschutz und soll helfen, die Artenvielfalt in Neuperlach zu sichern. Der Turm ist nicht nur Interims- angebot während der Bauphase, sondern soll langfristig in die neuen Grünflächen am Hanns-Seidel-Platz integriert werden. Dazu werden in der näheren Umgebung Büsche gepflanzt und auf einem etwa 300 Quadratmeter großen Areal um den Spatzenturm eine Blumenwiese angelegt. Als Nahrungsangebot für Vögel und Insekten. Zudem sollen bei den neuen Gebäuden spezielle Nistplätze in die Fassade integriert werden.

Der Neuperlacher Spatzenturm ist mittlerweile der dritte seiner Art in München. Und werde von den Vögeln schon sehr gut angenommen, so Sylvia Weber, Projektleiterin für Artenschutz am Gebäude im Landesbund für Vogelschutz.

Carmen Ick-Dietl

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