Immer spitz, nie verletzend

OB Reiter ehrt Hanitzsch im Münchner Rathaus

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Oberbürgermeister Dieter Reiter (r.) überreichte dem Waldperlacher Dieter Hanitzsch seine Medaille „München leuchtet“ in Gold.

„Seine Karikaturen sind frech, spitz und treffsicher, dabei aber nie verletzend.“ Oberbürgermeister Dieter Reiter hat dem Karikaturisten Dieter Hanitzsch jetzt die Medaille „München leuchtet“ in Gold verliehen.

„Dieter Hanitzsch ist eine große Persönlichkeit des Münchner Kulturlebens, die politisch klare Haltung bezieht und sich auch sozial engagiert“, erklärte OB Reiter bei der Ehrung vergangene Woche im Rathaus. „Seine umwerfenden Porträtkarikaturen von Politikern – ob Franz Josef Strauß, Angela Merkel oder Christian Ude – haben weit über die bayerischen Grenzen hinaus öffentliche Anerkennung gefunden.“

Die Ehrung ist die Anerkennung für die großen Verdienste des Karikaturisten aus Waldperlach um die Kulturstadt München. Die Medaille „München leuchtet“ in Gold sei für ihn, der seit über einem halben Jahrhundert in München lebe, aber die schönste Auszeichnung, die er habe bekommen können, betonte Hanitzsch bei der Ehrung. „Denn ohne München wäre ich nicht geworden, was ich bin“. Dieter Hanitzsch, 1933 in Böhmen geboren, kam nach dem Zweiten Weltkrieg als Vertriebener nach Niederbayern, später nach München. Schon während der Schulzeit entdeckte Hanitzsch auch seine Leidenschaft fürs Karikieren. „Meine Mutter war von der Idee, dass ich im Nachkriegsdeutschland Künstler werde, nicht so stark angetan wie mein Lehrer. Sie schlug etwas Handfestes vor. Oder soll ich sagen: Trinkfestes?“ Statt auf die Kunstakademie zog Hanitzsch also nach Weihenstephan, wo er den technischen Beruf des Brauingenieurs erlernte. Bereits zu Studienzeiten zeichnete er immer wieder politische Karikaturen für Münchner Tageszeitungen. Nach dem Studium arbeitete Dieter Hanitzsch kurze Zeit als Werbeleiter einer großen Münchner Brauerei und entwarf für sie einen Werbeslogan, der bis heute im Einsatz ist: „Gut – besser – ...“. Der Zufall brachte ihn zum Bayerischen Rundfunk. 20 Jahre lang war er dort vorwiegend als Wirtschaftsredakteur tätig, zu vielen Sendungen schuf er aber auch Illustrationen. Nebenbei zeichnete er weiter Karikaturen für große Tages- und Wochenzeitschriften. „Auch während des Studiums und beim BR habe ich weiter gezeichnet und irgendwann fing es auch an, ein bezahltes Hobby zu werden.“

1985 machte Hanitzsch sich schließlich als Karikaturist selbständig und veröffentlichte seine Zeichnungen – bis heute hat er mehr als 20.000 geschaffen – fortan in zahlreichen Medien und in über 50 Büchern. So illustrierte er alle Bücher seines mittlerweile verstorbenen Freundes Dieter Hildebrandt, ist „Hauszeichner“ der Münchner Lach- und Schießgesellschaft und zeichnete Konstantin Weckers Musikvideo „Das Lächeln meiner Kanzlerin“.

Im BR wurde von 2003 bis 2015 wöchentlich sein Polit-Comic „Der große Max – aus dem Tagebuch des CSU-Bundestagsabgeordneten Max Froschhammer“ ausgestrahlt, den Hanitzsch zusammen mit dem Journalisten Herbert Riehl-Heyse entwickelt hat. Seit 2007 gehört Hanitzsch außerdem zum Moderatorenteam der Sendung „Sonntagsstammtisch“ im Bayerischen Fernsehen.

„Er begleitet die Bundes-, die bayerische Landespolitik und auch die Irrungen, Wirrungen und Kapriolen der Münchner Kommunalpolitik seit über drei Jahrzehnten mit spitzer Zeichenfeder“, so Oberbürgermeister Dieter Reiter.

„Das ist der Vorteil des Karikaturisten: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Man muss allerdings immer auch erst draufkommen. Und dann zeichnen. Das macht mir große Freude”, so Hanitzsch.

Für seine Arbeit wurde der 83-Jährige, der am Sonntag Geburtstag feiert, bereits mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter der Schwabinger Kunstpreis, der Publizistikpreis der Stadt München, der Bayerische Verdienstorden sowie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. 

Carmen Ick-Dietl

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