Stadtteilkultur ohne Heimat

Kein Ersatz für Kulturhaus 

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Noch immer weiß keiner, wie es mit der Stadtteilkultur nach dem Abriss des Kulturhauses weitergeht.

Das Kommunalreferat bringt den Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach und den Neuperlacher Kultur-Bunt-Verein gehörig in die Bredouille. Denn es gibt immer noch keinen Termin für den Umzug in das geplante Ersatz-Quartier an der Albert-Schweitzer-Straße.

Mit einem überfraktionellen Dringlichkeitsantrag machen die Stadtteilpolitiker jetzt ihrer Verärgerung Luft. Denn seit rund zwei Jahren ist dem Kommunalreferat bekannt, dass das Kulturhaus am Hanns-Seidel-Platz den dortigen Baumaßnahmen Platz machen muss. Vor einem Jahr gingen nochmal dringende Appelle für die Suche nach einer Übergangslösung raus – sowohl vom Bezirksausschuss als auch vom Stadtrat. Und obwohl tatsächlich ein Ersatz in zentraler Lage gefunden wurde, hat man in Neuperlach bis heute keine Ahnung, wie es weitergehen soll.

Das Kommunalreferat lasse die Nutzer und Träger des Kulturhauses seit Monaten in Unsicherheit, schimpft der BA-Vorsitzende Thomas Kauer (CSU). „Mit dem Trägerverein sowie dem Bezirksausschuss besteht Funkstille.“ Selbst auf Nachfragen durch das Büro des Oberbürgermeisters seien keine Zeitangaben zu erhalten. Dabei hält der Eigentümer der Ersatzräume seit knapp einem Jahr Flächen frei. Und der Bauträger am Hanns-Seidel-Platz gewährte dem heutigen Kulturhaus extra noch einen Aufschub von sechs Monaten. Denn ursprünglich war die Räumung des Holzpavillons bereits im November 2017 vorgesehen gewesen.

Während sich also vor Ort alle nach Kräften um eine Lösung bemühen, lasse das Kommunalreferat BA und Kultur einfach hängen. „Dieser Zustand ist nicht länger hinnehmbar“, so Kauer. Es drohe mindestens ein Sommer mit erheblichen Einbußen in der Stadtteilkultur. Und dem Bezirksausschuss stände eine Wanderschaft mit wechselnden Tagungsorten bevor. „Beides ist weder dem jeweils dahinter steckenden ehrenamtlichen Engagement noch dem größten Stadtbezirk Münchens würdig.“

Laut Kommunalreferat konnten zwar offene Fragen zur Raumluftqualität geklärt werden, es gehe aber noch um das Thema Lärmemissionen. Die Prüfung der Umbau- und Ausbaukosten durch das Baureferat stünden kurz vor dem Abschluss. Das Kommunalreferat halte es für unumgänglich, die diversen Problemstellungen im Vorfeld lückenlos zu klären, heißt es in einem Schreiben an das OB-Büro. „Was durchaus sehr zeitintensiv ist.“ Hinzu komme, dass der Vermieter ebenfalls viele vertragliche Wünsche äußere, die es zu verhandeln gelte. Derzeit würden noch letzte Abstimmungen mit dem Vermieter vorgenommen.

„Es hat sich ja immer abgezeichnet, dass es keinen nahtlosen Übergang geben wird, aber es ist nichtmal ein Zeitplan in Aussicht“, hält der BA-Chef dagegen. Nun heiße es auch, dass der Mietvertrag samt Umbaukosten erst noch vom Stadtrat genehmigt werden müsse, was wohl Anfang März passieren soll. Rechne er dann noch fünf bis sechs Monate Umbauzeit und eine derzeit problematische Suche nach geeigneten Handwerkern dazu, könne man wohl frühestens Ende des Jahres einziehen. „Wir werden uns nun aktiv auf die Suche nach Ausweichmöglichkeiten machen müssen.“

Carmen Ick-Dietl

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