Frauen anstelle von Kindern

Flüchtlingsunterkunft Nailastraße wird jetzt doch belegt

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Die Unterkunft an der Nailastraße hat schon eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Auch als möglicher Ersatzstandort für das Young Refugee Centers an der Marsstraße, das hier von Oberbürgermeister Dieter Reiter, der Leiterin der Abteilung unbegleitete Minderjährige im Jugendamt Caroline Rapp, Regierungspräsident Christoph Hillenbrand sowie Uli Hoeneß besichtigt wird, war sie schon einmal im Gespräch.

Bereits in den nächsten zwei bis drei Wochen sollen die alleinerziehenden Flüchtlingsfrauen mit ihren Kindern aus der Rosenheimer Straße in die leer stehende Neuperlacher Anlage umziehen.

Die Mütter und ihre Kleinkinder leben derzeit in einer zum Frauenhaus deklarierten Unterkunft in Ramersdorf. Allerdings ist die ehemalige Hausmeisterzentrale kein besonders geeignetes Objekt für dieses Projekt. Denn es gibt dort nur Schlafsäle. Bei Kleinkindern, die in der Nacht immer wieder mal aufwachen, kommt so nachts keine rechte Ruhe auf, wie eine Helferin beschreibt. Aktuell würden die Frauen deshalb die geschützten Räume auch wieder für andere Unterkünfte verlassen. Zudem stehen in Ramersdorf keine Außenanlagen für die Bewohnerinnen und ihre Kinder zur Verfügung.

In Neuperlach soll dies nun anders werden. „Die Bewohnerinnen erhalten wesentlich bessere Wohnbedingungen, die auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet sind.“ Am neuen Standort können sie in abgeschlossene Wohneinheiten samt Küchenzeilen zur Selbstversorgung ziehen. Der nachträgliche Einbau der Küchen wurde damals durch die Umwidmung der Anlage von einer Übergangsunterbringung in ein richtiges Kinder- und Jugendheim für unbegleitete Minderjährige ausgelöst und hatte etwa 80.000 Euro gekostet.

Die Idee, die Frauen aus der Rosenheimer Straße in die mittlerweile seit einem Jahr leer stehende Unterkunft an der Nailastraße umziehen zu lassen, war bereits im März von einer engagierten Helferin vorgeschlagen worden und war beim Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach auf positive Resonanz gestoßen. Doch die Stadt lehnte ab. Mit dem Hinweis auf die geplante Belegung der Neuperlacher Unterkunft mit unbegleiteten Minderjährigen.

Zu wenig Bedarf 

Dies jedoch scheiterte vor Kurzem (HALLO berichtete). Denn es gibt in München derzeit nicht ausreichend unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die die Anlage mit den 80 Zimmern füllen könnten. Aus diesem Grund war der Stadt Anfang Oktober auch der einzige Bewerber für die Trägerschaft der Unterkunft abgesprungen. Wesentlicher Grund war laut Sozialreferat das als zu hoch eingestufte wirtschaftliche Risiko bei den vorgegebenen Rahmenvorgaben. Insbesondere vor dem Hintergrund der schwer zu prognostizierenden Ankunftszahlen von unbegleiteten Minderjährigen. Diese seien innerhalb der letzten drei Monate wider Erwarten sehr stark rückläufig gewesen, heißt es aus dem Referat.

Nach dem Scheitern der Verhandlungen arbeitete man bei der Stadt mit Hochdruck an einer alternativen Belegung, um die hochwertige Unterkunft in Neuperlach sinnvoll nutzen zu können. Nur mit dem direkten Umzug eines laufenden Betriebs konnte ein erneutes langwieriges Ausschreibungsverfahren vermieden werden. Die Neuperlacher Flüchtlingsunterkunft war vor einem Jahr weltweit in die Schlagzeilen geraten wegen ihrer insgesamt vier Meter hohen Mauer aus mit Steinen gefüllten Drahtkörben für insgesamt 200.000 Euro. Eine Lärmschutzmaßnahme, die sich Anlieger wegen der angrenzenden Spielwiese und ihrem Ruhebedürfnis vor Gericht erstritten hatten. 

Carmen Ick-Dietl

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