Tannenduft ohne Risiko

Erschreckende Testergebnisse

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Martin Hänsel (Bund Naturschutz), Bernhard Gerstenkorn (Geschäftsführer Gartencenter Seebauer), Christian Hierneis (Bund Naturschutz) und Christian Pössinger (Mitarbeiter Gartencenter Seebauer KG) freuen sich, dass der Bio-Weihnachtsbaum-Verkauf so gut läuft.

Der Bund Naturschutz untersuchte Weihnachtsbäume auf giftige Stoffe. Das Ergebnis dürfte aufhorchen lassen: Auf Rückstände von knapp 140 Pestiziden hat das Labor 17 Christbäume untersucht. Bei 13 davon wurde es fündig! Insgesamt wurden bei dem Test neun verschiedene Pestizide gefunden, von denen fünf zu den gefährlichsten zählen, die derzeit in der EU eingesetzt werden. 

„Und diese Gifte holen sich die Menschen ins Wohnzimmer“, warnt Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer der Kreisgruppe München des Bunds Naturschutz Bayern. Gerade wenn es in den Räumen gemütlich warm sei, steigen die Gifte auf und verteilten sich im ganzen Zimmer. „Das atmen die Leute dann ein“, so Hänsel. Die Lösung: Bio-Weihnachtsbäume. Anders als ihre konventionellen Kollegen, werden diese weder gespritzt noch kommen sie mit irgendwelchen Pestiziden in Berührung. „Stattdessen mähen die Bauern mit dem Traktor das Gras unter den Bäumen weg oder bringen Schafe auf die Wiese, die es fressen“, erklärt Hänsel. So werde das Gras klein gehalten und die Bäume haben viel Platz zum Wachsen.

„Damit sie oben auch schön puschelig werden, ritzen die Bauern die Bäume regelmäßig“, so der Naturschützer weiter. Was erst einmal komisch klingt, sei ein ganz einfaches, umweltfreundliches Prinzip. „Mit einem Messer werden kleine Schlitze in den Stamm des Baumes geritzt“, erklärt Christian Hierneis, Vorsitzender des Bunds Naturschutz Kreisgruppe München. Das rege die Bäume zur Bildung von Seitentrieben an: „So bekommen sie eine schöne volle Spitze.“

Optisch stehen die Bio-Bäume den konventionellen Bäume ohnehin in nichts nach. Prächtig und in sattem Grün stehen sie zum Beispiel in der Baumschule im Freigelände von Seebauer in Ramersdorf. Das Gartencenter ist auf den Bio-Baum-Zug aufgesprungen. „Wir verkaufen heuer erstmalig ausschließlich Bio-Nordmanntannen“, berichtet Mitarbeiter Christian Pössinger: „Es läuft unerwartet gut!“ 800 Bio-Tannen bestellten sie zunächst. „Der Andrang war so groß, dass wir gleich 800 weitere bestellt haben“, freut sich Pössinger. Alle Bio-Bäume im Center kämen aus dem Spessart, sind also regional. „So kann man auch noch die heimische Landwirtschaft fördern“, sagt Hänsel. Entgegen vieler Erwartungen seien die Bio-Weihnachtsbäume auch nicht viel teurer als konventionelle. „Rund fünf Prozent mehr muss man für einen Bio-Baum zahlen“, erklärt Hierneis. Ein kleiner Preis für einen nicht gesundheitsgefährdenden Baum, wie er findet. Je nach Größe kosten sie zwischen 19 und 79 Euro.

Die genauen Testergebnisse des Bunds Naturschutz sind online unter www.bund.net/weihnachtsbaumtest.

Tanja Buchka

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