Und wenn auch nur für ein zaghaftes Lächeln

Der 30-jährige Georg Schulze geht auf Clownvisite

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Sie schenken Menschen ein Lächeln, die es wirklich benötigen. Die Klinik-Clowns Bayern schicken ihre Teams mit den roten Nasen in Krankenhäuser, Pflegestationen und Altenheime. HALLO sprach mit Dr. Batscho alias Georg Schulze aus Neuperlach.

Der Vorhang hebt sich, Schauspieler Georg Schulze steht auf der Bühne vor seinem Publikum, das im Dunkeln sitzt und erwartungsvoll zu ihm schaut. Anders ist die Situation, wenn der 30-jährige Neuperlacher als Dr. Batscho mit roter Nase und weißem Arztkittel die Tür zu einem der Krankenzimmer auf der Kinder- station öffnet. Im Bett sitzt ein kleiner Patient, an seiner Seite meist die Mama oder der Papa. Doch erwartungsvoll, wer da nun hereinkommt und doch ein wenig anders aussieht als die Krankenschwestern und Ärzte, sind auch sie. „Es ist ein ganz anderes Spiel als auf der Bühne“, sagt Schulze, der seit mehr als zwei Jahren für die Klinik-Clowns Bayern auf Visite geht. „Dr. Batscho ist verspielt und naiv“, erklärt sein Darsteller. „Er ist auch ein bisschen frech und stellt so manche Frage, die ich mich ohne Clown-Kostüm gar nicht trauen würde auszusprechen.“ Denn Dr. Batscho und seine Kollegen Dr. Tröööt und Dr. BonBon, die ohne rote Nasen Markus Schmidt-Dugas beziehungsweise Stephanie Groß heißen, wollen ja schließlich wissen, wen sie da im Krankenhaus heute kennenlernen. „Natürlich gehen wir dabei ganz behutsam vor“, erzählt Schulze. Jedes Kind sei anders, jeder Patient reagiere, abhängig von seinem Befinden, unterschiedlich auf den Besuch der beiden Clowns.

„Wie unser Spiel abläuft, das ergibt sich immer erst aus der Situation heraus.“ Mal dient ein Kuscheltier als Spielpartner, mal zückt Dr. Batscho nicht Stethoskop oder Fieberthermometer, sondern holt Seifenblasen oder seine Ukulele hervor. „Musik geht immer“, weiß der Klinik-Clown, „vor allem auch bei unseren Besuchen einmal im Monat bei alten Menschen, die an einer Demenz-Erkrankung leiden“. Gerade neulich habe eine ältere Dame völlig in sich gekehrt gewirkt und habe mit dem Kopf nach unten gebeugt am Tisch gesessen. Doch dann habe sie das Lied aus der Vogelhochzeit erkannt, das die Klinik-Clowns anstimmten. „Mit einen Mal hat die Dame mitgesungen und da freut man sich natürlich“, erzählt Schulze. Manchmal sei es nur ein zaghaftes Lächeln, das sie bei einem Patienten im Krankenhaus hervorlocken können. Dann wieder gäbe es Kinder, die geradezu euphorisch auf den Clown-Besuch reagieren und am liebsten aus ihrem Krankenbett springen würden, um die lustigen Doktoren mit der roten Nase auf ihrer Visite durch die Station zu begleiten. „Ob im Sommer bei schönem Wetter oder jetzt an Weihnachten, der Bewegungsdrang vieler kleinen Patienten ist groß“, weiß Dr. Batscho.

Seit 1998 schickt der Verein Klinik-Clowns Bayern nicht nur in Kliniken, sondern auch in Senioren- und Pflegeheime oder in Einrichtungen, in denen Menschen mit Behinderung leben. Und nicht zuletzt werden auch schwerkranke und im Sterben liegende Menschen auf Palliativstationen und in Hospizen von den Clowns besucht.

In Workshops und bei Super- visionen werden die Clowns für ihre Stationsbesuche geschult. „Vorab besteht die Möglichkeit, die Clownsfigur mit Peter Spiel, dem künstlerischen Leiter, zu erarbeiten“, so Schulze. So richtig entstehe die Figur aber erst mit der Zeit. Der 30-Jährige, der neben seinen Clown-Einsätzen als Schauspieler und Kaminkehrer arbeitet, habe sich bei dem Verein beworben und am Casting teilgenommen, als er hörte, dass noch mehr Klinik-Clowns für München gesucht werden. Nun geht er Woche für Woche meist dienstags und donnerstags für zwei bis drei Stunden auf Visite. „So ein Besuch wirkt dann schon bei mir nach“, sagt der 30-Jährige.

Doch meist sei es ein Geben und Nehmen. „Ich freue mich auch schon, wenn ich Patienten und ältere Menschen auch nur ein wenig aufheitern konnte. Wir haben ja nicht den Anspruch, dass wir eine Riesenshow im Krankenzimmer aufführen, manchmal geht es auch einfach nur darum, dass wir einem kranken Menschen unsere ganze Aufmerksamkeit zukommen lassen.“ 

Verena Rudolf

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