Die Quelle ist versiegt

Die Nachricht schlug vergangenen Montag ein wie eine Bombe: Trotz aller Rettungsversuche steht das Versandhaus Quelle vor dem Aus. Davon sind jedoch nicht nur die Mitarbeiter in Fürth betroffen: In ganz Deutschland bangen 1500 Quelle-Shop-Betreiber um ihre Existenz. So auch das Ehepaar Borgas in Haar und ihre Kollegen im Münchner Osten.

„Dass es so hart kommt, hätten wir nicht gedacht“, sagt Thomas Borgas, der seit 2006 einen Quelle-Shop in Haar betreibt. „Am schlimmsten ist die Informationspolitik des Konzerns. Wir haben es aus den Nachrichten erfahren, dass die Rettung von Quelle gescheitert ist und die Shops abgeschafft werden.“ Wie die Abwicklung genau laufen wird, weiß Thomas Borgas nicht. „Wenn wir Pech haben, steht hier auf einmal ein Lastwagen vor der Tür und nimmt die gesamte Ware mit“, sagt seine Ehefrau Marjana. Ware nachbestellen dürfen sie nicht mehr, nur was vor Montag schon bestellt war, wird noch ausgeliefert. Weitere Informationen seitens des Konzerns gibt es nicht. Die Unsicherheit ist für das Ehepaar besonders quälend. Die Pleite des Mutterkonzerns trifft die Shop-Betreiber besonders hart: „Nicht nur, dass wir wie die Angestellten des Versandhauses kein Einkommen mehr haben, uns entstehen auch Kosten durch Miete und Versicherung“, berichtet eine weitere Quelle-Shop-Besitze-rin. Wie es für sie weiter gehen soll, weiß die alleinerziehende Mutter noch nicht. Wie das Ehepaar Borgas hat auch sie Kontakt zu anderen Versandhäusern aufgenommen. „Das Problem dabei ist, dass die anderen Versandhäuser keine Waren an die Shops ausliefern. Wir hätten also nichts mehr im Laden und wären dann eine reine Annahmestelle“, so Thomas Borgas. Neben den Shop-Besitzern sind die Zulieferer der Sparte Quelle-Küchen und die Speditionen, die hauptsächlich für Quelle tätig waren, am meisten betroffen. Zuspruch durch die Kunden Die Kunden nehmen regen Anteil am Schicksal „ihrer“ Quelle-Shops. „Viele haben gefragt was jetzt wird und uns Süßigkeiten zur Aufmunterung gebracht“, sagt Marjana Borgas gerührt. Auch die Kunden sind frustriert über die herrschende Ungewissheit. „Beim Kauf von Quelle-Hausmarken ist meiner Einschätzung nach Vorsicht geboten, da die Garantie nicht geklärt ist. Alle anderen Produkte können jedoch bedenkenlos bestellt werden“, rät der Haarer Quelle-Shop-Besitzer. Positiv in die Zukunft Trotz der schweren Zeit blickt das Ehepaar Borgas positiv in die Zukunft: „Den Kopf in den Sand stecken hilft ja nichts. Wir werden umdisponieren und uns andere Partner suchen. Unser Laden wird bestehen bleiben.“ Der Quelle-Schriftzug über der Tür wird aber bald verschwinden. Nur der Quelle-Fahrradständer vor der Tür soll bleiben. „Den lassen wir als Erinnerung stehen.“ – AL –

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