Quecksilberalarm am EMG in Haar

Bei einer Entsorgungsaktion im Ernst-Mach-Gymnasium ist am letzten Donnerstag Quecksilber aus einem alten Druckmessgerät entwichen. Dank umsichtigen Handelns von Lehrern, Hausmeister und Schulleitung bestand zu keinem Zeitpunkt eine gesundheitliche Gefährdung. Ein Großaufgebot an Rettungskräften und Spezial-entsorgern verhinderte das großflächige Ausbreiten der giftigen Dämpfe. Fünfzehn Klassenräume wurden bis Schuljahresende vorsorglich gesperrt. Bis zum September werden wieder natürliche Werte erreicht sein, hofft Schulleiter Hermann Wirsing.

In den naturwissenschaftlichen Räumen am EMG wird in den Sommerferien umgebaut. Zehn Schüler und ihre Lehrer wollten deshalb vor den Ferien Altmaterial aus den Laborräumen entfernen. Darunter ein Eudiometer, mit dem Drucke gemessen werden können. Im Unterricht wird das Gerät seit Jahren nicht mehr benutzt. Beim Abtransport auf einem Rollwagen zur Zwischenlagerung in einem Container im Pausenhof löste sich beim Überfahren einer Schwelle der Stöpsel eines quecksilberhaltigen Röhrchens. Rund 30 ml der giftigen Flüssigkeit sind dabei entwichen. Vier Schüler versuchten den Glaskolben wieder zu verschließen und kamen dabei mit dem Schwermetall in Berührung. Die Schulleitung schlug sofort Alarm. In Schutzanzügen vermummt rückten Rettungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr und des ABC-Zugs an, um die sichtbaren Quecksilber-Linsen auf dem Boden zu entfernen und den Container zu verschließen. Eine eilends beauftragte Spezialfirma kümmert sich seither um Reinigung, Lüftung und die Sondermüll­entsorgung. Das ganze Wochenende über wurde kräftig gelüftet, was die Belastung im naturwissenschaftlichen Trakt bereits wieder auf Normalniveau senkte. Schon am Montag konnten die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden. Der Eingang am Pausenhof und die darüber liegenden Klassenzimmer bleiben bis Schuljahresende gesperrt. „Im Treppenhaus haben wir eine regelrechte Kaminwirkung“, so Wirsing. „Zwar habe laut Aussagen der Rettungskräfte und des TÜV Süd zu keiner Zeit eine Gesundheitsgefährdung bestanden, lieber tun wir aber zu viel als zu wenig.“ So wird in den Tagen vor den großen Ferien konstant und intensiv gelüftet, um den Luftaustausch zu beschleunigen. Mit antistatischen Wischtüchern und einem Aktiv-Kohle-Staubsauger werden Böden, Decken, Fuß- und Randleisten gereinigt. Das kontaminierte Putzmaterial wird in Spezialbehälter verpackt, luftdicht verschlossen und in einer Sondermüllverbrennungsanlage vernichtet. „Entlastend ist, dass wir am Schuljahresende sind,“ so Haars Bürgermeister Helmut Dworzak. Er lobt das Vorgehen in der Schule, „alle haben geordnet und sachlich richtig gehandelt.“ Die Sperrung der Klassenräume sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Die Schüler dürfte es freuen. Statt regulärem Unterricht gab es an den letzten drei Schultagen Schichtbetrieb und schulfrei. Quecksilber ist ein flüssiges Schwermetall. Bereits bei Zimmertemperatur entwickelt es Dämpfe, die wesentlich giftiger sind als die flüssige oder feste Form. Benetzt Quecksilber eine Oberfläche, bildet es silberfarbene linsenförmige Tropfen. Quecksilber ist gesundheitsgefährdend, wenn Personen mit dem Metall in Berührung kommen, es verschlucken oder die Dämpfe in hoher Konzentration einatmen. Für normale Aufenthaltsräume werden deshalb die Richtwerte für die Konzentration an Quecksilber in der Luft bei der Gefährdungsbeurteilung herangezogen. Die Richtwerte für Innenräume beziehen sich auf einen langfristigen Aufenthalt von bis zu 24 Stunden täglich über Jahre hinweg. Als natürliche Werte werden weniger als 35 Nanogramm je Kubikmeter Luft (Richtwert I) angesehen. Ab dem Richtwert II von 350 Nanogramm muss der Quecksilberherd lokalisiert und sachgerecht entfernt werden. Zusatzbelastungen in ähnlicher Größenordnung sind aber auch durch andere Ursachen wie z. B. Amalgamfüllungen möglich.

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