Ein Park ohne Grenzen und Schnörkel

Fast 200 Hektar Grün hat die Stadt auf dem südlichen Teil des ehemaligen Flughafenareals geschaffen. Der Riemer Park mit Badesee und Rodelhügel hat sich nicht nur für die Messestädter zum attraktiven Naherholungsgebiet entwickelt, auch die Bürger aus Trudering und den anliegenden Gemeinden nutzen das öffentliche Grün mit Badesee und Rodelhügel.

Eigentlich ist der Riemer Park ideal für Radler geeignet. Mit dem Drahtesel erschließen sich dem Betrachter schneller die unterschiedlichen Blickwinkel und Perspektiven diverser Standorte, als dies für Fußgänger der Fall ist. Der Pariser Landschaftsplaner Gilles Vexlard (Büro Latitude Nord), der den Park kreiert hat, verzichtete auf geschwungene Wege und führte stattdessen die klaren Linien der umgebenden, vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Strukturen in der Parklandschaft fort. Kurven findet man im Riemer Park allenfalls im vertikalen Bereich. So liegen die weitläufigen Wildblumenwiesen tiefer als die Wege, Gehölzmassive wiederum sind oft scheinbar erhöht platziert. Obwohl das Gelände nach Süden hin eigentlich ansteigt, vermittelt Gilles Vexlards Landschaft den Eindruck, sie falle dorthin ab. Streng geometrische Flächen Nicht locker geschwungene Linien, sondern gradlinige Achsen und streng geometrische Flächen prägen das Bild des Riemer Parks. Schnurgerade Böschungen und rasterartige, auf bis zu drei Metern Höhe angelegte Gehölzpflanzungen lassen beim Besucher keinen Zweifel aufkommen: Hier wurde eine höchst artifizielle Landschaft geschaffen. Das umfangreiche Wegesystem mit der 1,8 Kilometer langen Ost-West-Trasse vermittelt zwischen den umliegenden Vierteln und Ortschaften und leitet im Osten in die bestehende Kulturlandschaft über – ein Park ohne Grenzen ist entstanden. Aktivitätenband entlang der Ost-West-Trasse Entlang der 1,8 Kilometer langen Hauptroute in Ost-West-Richtung liegt das 180 Meter breite Aktivitätenband zwischen der Messestadt und der südlich angrenzenden, landschaftlich geprägten Fläche. Dadurch wird der Park in einen intensiv nutzbaren Bereich im Norden mit Skaterbahn, Jugendzentrum und Spielplätzen und das ruhigere, weitläufige Areal im Süden gegliedert. Markante Trennlinie zwischen der Wohnbebauung im Norden und dem Grün im Süden ist eine rund zwei Kilometer lange, mit Granitplatten gedeckte Mauer, die für Durchgänge teils unterbrochen ist. Gilles Vexlard hat diese Linie auf 47 Grad, 31 Minuten, 13 Sekunden nördlicher Breite – dem Standort Münchens – gedanklich rund um den Globus fortgeführt. Satellitenbilder von Landschaften, die im 80-Kilometer-Bereich dieses Breitengrads liegen, sind auf 189 DIN A4-großen Bronzetafeln abgebildet, die Vexlard an der Mauer montieren ließ. So geht es auf zwei Riemer Kilometern quasi einmal rund um den Globus. Im Westen des Aktivitätenbandes hat Gilles Vexlard „Senkgärten“ platziert, denen Landschaftsarchitekten für die BUGA 2005 ein Gesicht gaben. Bekanntester und spektakulärster „Garten der Potenzen“ ist wohl der von Rainer Schmidt gestaltete und bei Kindern besonders beliebte mit rotem, elastischem Belag. Ein Schmuckstück der Gartenkunst finden Besucher im nordöstlichen Parkbereich – dort liegt der von Münchens Partnerstadt geschenkte „Cincinnatigarten“. Ein Flusslauf, sieben Hügel und Prärie im Kleinformat – auch hier eines der wenigen verbliebenen Projekte des „BUGA-Perspektivenwechsels“. Der grüne Flusslauf des Ohio windet sich als Fußweg durch die sieben Hügel Cincinnatis, die am Ufer aufgeschüttet sind. Fetthenne und andere blau und lila blühende Gewächse sollen die Original-Vegetation möglichst genau kopieren. Es wurden zwar andere Pflanzenarten als die in Ohio beheimateten ausgewählt, sie gehören aber zur gleichen Gattung. Gemeinsam mit den Münchner Stadtgärtnern hatten Kollegen aus Cincinnati vor der BUGA 2005 rund 3500 Stauden gepflanzt. Im Osten: Badesee und Rodelhügel Das Highlight des Riemer Parks liegt im Osten – dort lädt die rund 9,7 Hektar große Wasserfläche des türkisblauen Sees zum Baden ein. Als „abgedichteter Grundwassersee mit hoch liegendem Wasserspiegel“ wurde der mittels Schmaldichtwand hergestellte Trog errichtet. Bei diesem Verfahren ließ die MRG (Maßnahmeträger München Riem Gesellschaft) einen Stahlträger von rund 80 Zentimetern Durchmesser etwa 28 Meter tief in die Erde rammen und beim Herausziehen eine Zementmischung ins Erdreich pressen. Rund 5000 Mal musste dieser Vorgang wiederholt werden, um 2000 Meter Dichtwand für den 650 Meter langen, 160 Meter breiten und bis zu 20 Meter tiefen See herzustellen. Mittels Pumpen wird das Grundwasser aus dem Außenbereich der Schaldichtwand ins künstliche Seebecken geleitet. Am Westende fließt überflüssiges Nass in die beiden Filterbecken, wo es biologisch gereinigt wird, ehe es wieder versickert. Teuerung Weil der künstliche Badetrog quer zur Grundwasserfließrichtung liegt, musste die MRG aufwändige Dückereinbauten vornehmen, damit der Grundwasserstrom abgeleitet wird. Ohne diese Maßnahme wäre der Aufstau von rund 60 Zentimetern in Gronsdorf und Haar immerhin noch mit 30 Zentimetern zu Buche geschlagen. Wegen der während des Baus vom Wasserwirtschaftsamt geforderten Dücker und ungeahnt schwieriger Bodenverhältnisse im Untergrund explodierten die Herstellungskosten von geplanten 11,4 Millionen auf über 17 Millionen Euro. Aus diesem Grund wurden aus den ursprünglich vorgesehenen Granitstufen fürs Nordufer dann die um einiges billigeren Rasenstufen mit Steinkante, die vielen Betrachtern ohnedies besser gefallen. Dort lassen sich Badegäste gerne nieder, ebenso am Kiesstrand im Osten und auf der Wiese im südöstlichen Seebereich. Wasserwachtstation Nördlich des Kiesstrands steht auch die Wasserwachtstation. Von dort allerdings haben die Wasserretter nicht den optimalen Überblick, denn kritische Situationen gab es vorwiegend im westlich gelegenen Tiefwasserbereich. Den allerdings können die Helfer von ihrem Standort nicht einsehen. Inzwischen wurden deshalb rund um den See Notrufsäulen angebracht, die Wasserwacht fährt an Wochenenden mit der Radl Streife rund ums Gewässer. Winterfreuden Auch im Winter lockt der Riemer See. Wenn das Eis dick genug ist, wird die Fläche für Schlittschuhfahrer frei gegeben. Winter- und Sommersport ist auch auf den Rodelhügeln nahe des Sees möglich. Während es bei guter Schneelage heißt: Rodel und Schifahren frei, sind es im Sommer Montainbiker, Jogger und Spaziergänger, die sich am freien Ausblick vom Top des großen Hügels freuen. Die Menschen sind angekommen Die Menschen sind angekommen im Riemer Park, auch wenn er längst noch nicht „fertig“ ist. Bis die Grünfläche mit Bäumen und Gehölzmassiven wirklich eingewachsen ist, werden Jahrzehnte ins Land gehen. Auch Parkschöpfer Gilles Vexlard weiß, dass er sein Werk nie in Vollendung sehen wird – den „fertigen“ Park werden erst spätere Generationen genießen! Gabriele Mühlthaler

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