Sein letztes Derblecken

Wiesn-Wirt Peter Pongratz nimmt Abschied vom Nockherberg

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Großgastronom Peter Pongratz feiert das letzte Starkbierfest im Paulaner. Danach übernehmen Christian Schottenhamel und Florian Lechner das Wirtshaus. Sie bauen erstmal um.

Seit 27 Jahren ist Peter Pongratz der Herr des Nockherbergs. Damit ist bald Schluss: Nach dem diesjährigen Starkbierfest gibt er das Paulaner in der Au auf.

Ausgerechnet zu seinem letzten Starkbierfest kommen sie nicht, die Mädels. Die Mädels, das sind für Peter Pongratz die CSU-Politikerinnen Barbara Stamm, Landtagpräsidentin, und Emilia Müller, die Arbeitsministerin Bayerns. „Wir haben uns wirklich um die Mädels bemüht“, sagt Peter Pongratz. „Aber sie wollen nicht mehr.“ Das Derblecken war ihnen vergangenes Jahr einfach zu derb, sie sind erbost aufgestürmt, erzählt der Wirt.

Das ist einer der Aufreger, die Peter Pongratz in den 27 Jahren als Herr des Nockherbergs erlebt hat; der Wirt ist derjenige, der im Hintergrund dafür sorgt, dass alle Gäste ihren Schweinsbraten und ihr Bier bekommen. Doch nun gibt der gebürtige Münchner, Wiesn-Wirt und Großgastronom das Paulaner in der Au auf. Am heutigen Mittwoch beginnt sein letztes Starkbier-Fest.

„Das tut weh“, sagt der 69-Jährige, jahrelang hat er dort mit seinen Kollegen zusammengearbeitet. Sein Team schätzt Pongratz sehr, seine Gäste im Nockherberg begrüßt er persönlich. Am meisten liebt er den großen Biergarten, im Sommer, wenn die Sonne draußen scheint und das Wasser im Brunnen plätschert. „Aber die Entscheidung ist getroffen.“ Bis zum 30. April hat die Gaststätte noch geöffnet. Dann übernimmt Christian Schottenhamel zusammen mit Florian Lechner die Traditionswirtschaft, renoviert erstmal alles und schließt für mehrere Monate. „Dann wird vieles anders“, sagt Pongratz, der heuer seinen 70. Geburtstag feiert. „Das wollte ich nicht mehr mitmachen.“ Hätte er nach dem Umbau wieder einen Vertrag abgeschlossen, wäre er für weitere zehn Jahre der Wirt geblieben. „Mit 81 will ich hier nicht mehr drin stehen.“ Seine Hobbys sind ohnehin auf der Strecke geblieben. „Dann habe ich endlich mal wieder Zeit zum Golf- und Tennisspielen.“

In Rente geht er freilich nicht. Das Winzerer Fähndl auf der Wiesn gibt er nicht auf – „niemals!“, das sei für jeden Wirt „der größte Traum“. Und die Grünwalder Einkehr betreibt er auch weiter, wenngleich seine Tochter Ramona das Restaurant immer mehr übernimmt.

Wenn das Paulaner nach dem Umbau, spätestens im Februar 2018, seine Pforten wieder öffnet, dann geht es vor allem um eines: „Bier, Bier. Bier – überall sieht man dann Bier.“ Das Brauen soll gezeigt, eine Brauerei eingerichtet werden. Dass Schottenhamel dafür der richtige Mann ist, davon ist Pongratz überzeugt. Dennoch glaubt er: „Er wird meine Hilfe brauchen.“ Wenn der Laden brummt, tummeln sich tausende Gäste in der Wirtschaft. Allein im Festsaal haben 3600 Menschen Platz. „Eine Herausforderung“, wie Pongratz findet. Doch er hilft seinen Nachfolgern gerne – „wir sind ja befreundet“. Freilich wird Pongratz noch oft Gast sein im Paulaner, nicht zuletzt beim Derblecken, das alle Wiesn-

wirte gemeinsam an ihrem Tisch verfolgen. Dass manchen Gästen – wie den Mädels – dabei das Lachen vergeht, das macht dem Wirt nichts aus. „Das wäre schlimm, wenn alle mir beleidigt wären – da hätte ich viele Feinde.“ Und das ist nicht sein Bier. Hanni Kinadeter

Nach dem Umbau
Spätestens am 28. Februar 2018 soll das Paulaner nach dem Umbau wieder öffnen. Dann ist nämlich der nächste Starkbieranstich. Eine kleine Brauerei soll eingerichtet werden, damit die Gäste die Produktion des Biers sehen. Die Pläne, eine Erlebniswelt einzurichten, haben die Wirte wieder verworfen.

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