Nächste Großinvestition

Tierheim: Mehr Platz für die Hunde

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Die junge Mischlingshündin Chöpi hat Schlimmes erlebt. Tierheimleiterin Sandra Giltner und Pfleger Mario Fischer hoffen, dass die junge Hundedame nach ihrer Operation zu einer lieben Familie ziehen darf.

Um mehr als 8200 Tiere kümmerte sich das Tierheim München im vergangenen Jahr. Damit der Tierschutzverein auch weiterhin vielen heimatlosen Vierbeinern Zuflucht gewähren kann, muss dringend modernisiert und Platz geschaffen werden. Das Katzendorf ist so gut wie fertig, als Nächstes brauchen die Hunde neue Unterkünfte. Man hofft auf Spenden – und die Unterstützung der Stadt.

Chöpi ist eineinhalb Jahre alt, eine Mischlingshündin — und trägt ein Schusswaffenprojektil in ihrem Körper. Die junge Hündin wurde in ihrer Vergangenheit vermutlich gejagt, beziehungsweise sollte getötet werden. Sie wurde von den Behörden der Bettelmafia in München abgenommen und lebt seither im Münchner Tierheim an der Riemer Straße. Zeitnah wird der Hündin das Projektil herausoperiert, danach ist sie auf der Suche nach einem neuen Zuhause — genau wie all die anderen Hunde, Katzen und Kleintiere um die sich die Pfleger im Tierheim München kümmern.

8279 Tiere befanden sich insgesamt im vergangenen Jahr in der Obhut der Tierschützer — 246 mehr als noch im Vorjahr. Dass die Belegzahlen im Tierheim seit Jahren steigen, erklärt sich der Vorsitzende des Tierschutzvereins Kurt Perlinger auch durch die immer größer werdende Zahl an Wildtieren: „Sicherlich rund 5000 herrenlose Katzen bewegen sich in München und dem Münchner Landkreis und vermehren sich unkontrolliert“, sagte er am Freitag auf der Pressekonferenz zur Abschlussbilanz des Tierschutzvereins für das Jahr 2015.

Hinzu kämen zahlreiche Welpen aus dem Onlinehandel. „Diese Tiere kommen häufig aus sehr schlechten Bedingungen und werden schnell krank.“ Vielen Menschen seien dann die anfallenden Tierarztkosten zu hoch — „die Hunde landen bei uns.“

Starker Asbestbefall

Zu den steigenden Abgabezahlen im Tierheim kommt noch ein weiteres Problem: Große Teile der in den 50er- und 60er-Jahren gebauten Anlage müssen dringend erneuert und modernisiert werden. Nachdem das neue, den gesetzlichen Bestimmungen entsprechende Katzendorf so gut wie fertig ist (HALLO berichtete), würden nun die Defizite bei der Unterbringung der Hunde — insbesondere der Quarantänestation — deutlich sichtbar. „Hier gibt es viel zu tun“, sagt Perlinger. Die seuchen- und tierschutzrechtlichen Bestimmungen hätten sich in den vergangenen Jahren stark verändert: andere Größenvorschriften, Hygienebestimmungen und eine andere Ausbildung der Pfleger. Die Hundequarantäne müsse daher neu gebaut werden, zu stark sei der Asbestbefall, eine Kernsanierung sei nicht möglich. „Wir haben den rechtlichen Zwang, Verbesserungen zur Unterbringung der Hunde zu veranlassen, sonst müsste die Stadt Teile des Tierheims außer Betrieb nehmen“, erklärt Perlinger. Zudem soll eine Art Tierarztpraxis im Tierheim gebaut werden. Geld für Renovierungen und Neubauten wird also dringend benötigt: Rund 600.000 Euro, die der Tierschutzverein nicht selber wird erwirtschaften können, werden in den kommenden Jahren jährlich für Modernisierungen benötigt, schätzt man. Hierbei ist man auf Hilfe von außen angewiesen, auch wenn das Tierheim – unter anderem dank einer besonderen Erbschaft – das Jahr 2015 mit einem Plus von rund 320.000 Euro abschließen konnte. „Wir haben die Stadt München bereits um einen Investitionszuschuss gebeten“, sagt der Vorsitzende. Auch ein Konzept für den Bau des Hundehauses habe der Tierschutzverein der Stadt bereits vorgelegt. Kurt Perlinger schätzt die Gesamtkosten der Baumaßnahmen auf eine Größenordnung von 4 Millionen Euro, die Dauer auf vier bis fünf Jahre. „Unser Wunsch wäre es, die Kosten mit der Stadt 50:50 zu tragen.“ Zudem hoffe man auf eine „rasche Entscheidung“.

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