Eine Sperrung lässt das Tischtuch reißen

Streit über die Bahnstraße eskaliert zwischen Trudering und Haar

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Der Lkw-Verkehr ist seit Jahren eine große Belastung für die Anwohner

Trudering – „Es ist das Ende eines langen Leidensweges“, sagte Otto Steinberger als Vorsitzender des Bezirksausschusses Trudering-Riem während der Bürgerversammlung, als es um die Bahnstraße ging. Ein thematischer Dauerbrenner an solchen Abenden zwischen Bürgern und Verwaltung. Aber ist das Problem nun tatsächlich gelöst, oder kommt bald schon ein schmerzhaftes Erwachen? Es wirkt ein wenig, als hätte sich jemand mit dem Hammer absichtlich auf den linken Daumen gehauen, um den Schmerz zu vergessen, den er sich bei der Verbrennung des rechten Daumens zuzog.

Was war geschehen? Der Münchner Stadtrat hat beschlossen, die Bahnstraße (plus Adlerstraße und Drosselweg) für Schwerlastverkehr ab 3,5 Tonnen zu sperren. „Der Schutz der Münchnerinnen und Münchner ist unser wichtigstes Ziel – da können wir uns nicht von Umlandgemeinden über viele Jahre hin- und aufhalten lassen“, erklärte Hans Podiuk, stellvertretender Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion. Vor allem nicht im Wahlkampf, was er freilich nicht hinzufügte. 

Doch die angesprochenen Umlandgemeinden wollen auf dem Schwarzen Peter nicht kampflos sitzen bleiben. Im Haarer Rathaus ist man eigenen Angaben zufolge „schlichtweg fassungslos über das einseitige Vorpreschen der Münchner Stadträte“. Seit über einem Jahr sitzt die Gemeinde im Rahmen eines interkommunalen Strukturkonzepts mit der Landeshauptstadt an einem Tisch, um Lösungen für die Entwicklung am Rappenweg zu suchen. Nicht zuletzt, um den Schulcampus für Fachoberschule, Pflegeschule und Realschule sowie den städtischen Wunsch nach Wohnungsbau zu realisieren. 

Auch bei einem interkommunalen Arbeitskreis ist man seit längerem mit Planungsverband, Nachbargemeinden und der Stadt zusammen, um den zunehmenden Verkehr in den Griff zu bekommen. Ob der Stadtratsbeschluss tatsächlich vollzogen werden kann, muss jetzt das Kommunalreferat der Stadt rechtlich prüfen. „Sollte das durchgehen, werden wir uns nicht kampflos beugen und umgehend Klage einreichen“, bekräftigt die Haarer Bürgermeisterin Gabriele Müller. 

Zwar liege das den Lkw-Verkehr verursachende Kieswerk auf Haarer Flur, bedient würden Baustellen in der Region und zum Großteil auch in München. „Dass jetzt die einen Anwohner geschützt und die anderen komplett belastet werden sollen, ist ein merkwürdiger Politikstil. Ich dachte bislang, wir sind mit der Stadt in Gesprächen auf Augenhöhe. Jetzt hat das Tischtuch einen Riss“, sagt Müller. Auch Markus Wahl, Geschäftsführer des Quetschwerks, ist geschockt. Er könne den Kies ja nicht mit dem Flugzeug transportieren. Auch er überlegt, den Beschluss gerichtlich anzufechten. Das Ende eines Leidensweges sieht gewiss anders aus. 

Marco Heinrich

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