„Ich bin etwas Besonderes und genieße mein Leben“

Luisa Wöllisch erobert Bühnen und Fernsehen – trotz Down-Syndrom 

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Lulu ist ein Wesen, dass gezähmt werden muss, doch sie lässt sich nicht bändigen. Das Theaterstück wird am Samstag, 19. Oktober, im Kleinen Theater Haar gezeigt.

Haar – Um Luisa Wöllisch ist ein medialer Hype entstanden. Die Intendanten der großen Theater in Deutschland reißen sich um die begabte Schauspielerin. Auch im Fernsehen geht es nach dem ersten Kinoerfolg rasant weiter: Diesen August spielte Wöllisch in zwei Serien die Hauptrolle: Im ZDF-Herzkino mit Simone Thomalla und in „Um Himmels Willen“ (ARD).

Wöllisch hat das Down-Syndrom. Bei der Freien Bühne München (FBM) absolvierte sie ihre Ausbildung zur Schauspielerin. Dies ist das erste inklusive Theater in Bayern. Die Freie Bühne versteht sich als Theater für alle. Sie bietet Menschen jedweden Hintergrunds die Möglichkeit, sich künstlerisch und kreativ zu entfalten. Ihr Anspruch ist, Talente zu entdecken und zu fördern. In ihren professionellen Theaterproduktionen sind das Regie-Team, Schauspieler und Techniker mit und ohne Behinderung Kollegen auf Augenhöhe.

Seit ihrer Gründung hat die Freie Bühne München sechs erfolgreiche Theaterproduktionen auf die Bühne gebracht. Unter anderem „Hamlet: Eine Maschine“ und „Woyzeck“. Mit „Lulu“ präsentiert die FBM nun ein Stück nach Frank Wedekind.

Anhand Wedekinds Texten erarbeitete das Ensemble der Freien Bühne München eine Stückentwicklung, die auch die Erfahrungen der Schauspieler aufnimmt. Die Figuren blicken aus dem Jenseits zurück auf Lulus Leben. Es existiert eine Parallelwelt. Eine geschlossene Gesellschaft, in der es die Herren mit der Wahrheit nicht so genau nehmen – bis Lulu dazu kommt. Es entsteht ein wilder, mitreißender Rausch um Wahrheit, Liebe, Intrige und eine Gesellschaft, in der nur der Schein zählt.

Lulu ist ein Tier – das macht der Tierbändiger zu Beginn des Stückes klar. Sie ist ein Wesen, man muss sie zähmen, sie soll sich an die Regeln der von Männern dominierten Gesellschaft halten. Doch Lulu tut das nicht. Sie geht ihren eigenen Weg, spielt mit ihrem Charme, nutzt diejenigen, die etwas von ihr wollen für ihre Zwecke aus und genießt ihr Leben. Dass dabei ein Mann nach dem anderen stirbt, bis sie selbst zur Mörderin wird und fliehen muss, scheint für sie kein Problem zu sein.

Im HALLO-Interview erzählt die Hauptdarstellerin Luisa Wöllisch, was sie an der Rolle der Lulu fasziniert:

Ist die Rolle der Lulu eine große Herausforderung?

Wöllisch: Es ist eine große Herausforderung, so richtig im Mittelpunkt zu stehen. Lulu ist eine erwachsene Frau, die weiß, was sie will. Was ich daran so mag ist, dass sie zwei Facetten hat: Auf der einen Seite ist sie eben eine erwachsene Person, auf der anderen Seite spielt sie auf oft kindliche Weise mit den Männern und versucht, sie mit ihrer Masche um den Finger zu wickeln.

Wie hast du die Rolle erarbeitet?

Die Probenzeit war sehr spannend und auch nicht immer einfach. Als ich das Stück zum ersten Mal gelesen habe, habe ich gleich gemerkt, wie selbstbewusst Lulu ist und mich gefragt, wie ich das auf der Bühne umsetzen sollte. In den Proben wurde viel improvisiert: Wie bewegt sich Lulu, wie verführt sie die Männer? Zusammen mit Jan Meyer, dem Regisseur, haben wir gemeinsam viele Ideen entwickelt und umgesetzt.

Wie fühlt es sich an, auf der Bühne Emotionen zu zeigen?

Man muss sich einfach fallen lassen und dem Team und den Kollegen vertrauen. In der Ausbildung lernt man, auch in die Emotionen reinzugehen, die man vielleicht nicht so gerne spielt – wie Angst oder Traurigkeit.

Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?

Schon als Kind bin ich mit meinem Opa spielerisch in verschiedene Rollen geschlüpft. Professionell wurde es nach dem Casting bei der Freien Bühne München und der Ausbildung dort. Da habe ich Rollen gespielt, die nicht einfach waren und viel gelernt. Nochmal richtig durchgestartet bin ich 2018 mit dem Film „Die Goldfische“.

Hattest du nie das Gefühl, dass deine Behinderung dich daran hindern könnte, das zu erreichen, was du willst?

Ich habe das Down-Syndrom, allerdings sehe ich das nicht als Behinderung. Ich finde, das ist etwas Besonderes an mir. Ich bin ein ganz normaler Mensch wie jeder andere auch und genieße mein Leben.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Derzeit suche ich gerade eine eigene Wohnung in München. Im Moment wohne ich noch bei meiner Mutter, aber ich würde mit 23 Jahren jetzt sehr gerne auf eigenen Beinen stehen. Leider hat das bisher noch nicht geklappt. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich bald etwas finde. Wer etwas weiß, kann sich gerne bei mir unter 0176/207 54 947 melden.

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