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Der Bio-Bauernhof als moderner Lernort

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Auch auf dem großen Traktor nimmt Michael Stark die Kinder und Jugendlichen mit.  Mit der modernen Maschine erntet unter anderem das Getreide.
Auch auf dem großen Traktor nimmt Michael Stark die Kinder und Jugendlichen mit.  Mit der modernen Maschine erntet unter anderem das Getreide. © tb

Reiberdatschi bestehen aus Kartoffeln, Pommes auch — doch viele Kinder, die in der Stadt aufwachsen, wissen das gar nicht mehr. Michael Stark, landwirtschaftlicher Agrartechniker am Gut Riem, möchte dies ändern. Dafür machte er Ende 2015 sogar eine Ausbildung zum Erlebnisbauern.

Die Stadtgüter München- Riem haben es sich zu Aufgabe gemacht, Münchner wieder mehr mit der Landbevölkerung zu verbinden. „Dass die Städter, vor allem die Kinder, die in der Stadt aufgewachsen sind wieder wissen, wie das Essen entsteht und produziert wird“, sagt der 26-jährige Michael Stark, der seit 2014 das Projekt „Lernort Bio-Bauernhof“ am Gut Riem betreut.

Ihm mache es einfach wahnsinnig viel Spaß, den Kindern und Jugendlichen die Landwirtschaft an praktischen Beispielen beizubringen. Ein besonderer Glücksmoment für den 26-Jährigen: „Als ich mit Mädels, die so etwa zehn Jahre alt waren auf den Acker ging und wir einen Regenwurm fanden, hörte ich zunächst nur ,igitt, den fass‘ ich nicht an‘.“ Doch dann zeigte der junge Bauer den Jugendlichen, was ein Wurm in der Natur alles leistet. „Dann fragte ich nochmal: wollt ihr das Tier nicht doch einmal auf die Hand nehmen?“ Und plötzlich hätten die Mädels die Bedeutung jedes noch so kleinen Tieres für die Natur verstanden und eine Art Beziehung mit ihm aufgebaut. „Dann wollte ihn jede auf die Hand nehmen.“ Solche Momente bestätigen den jungen Mann darin, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. Er ist in Fischen am Ammersee ländlich aufgewachsen, seine Eltern hatten allerdings keinen Bauernhof. „Es ist ungewöhnlich, dass jemand Bauer lernt, der keinen elterlichen Hof übernehmen kann.“ „Lern was gscheids“ ,habe er oft gehört. Doch er habe sich dazu entschieden, erst mal seinen Traumberuf zu erlernen. „Wenn das schief gegangen wäre, hätte ich was gscheids gelernt“, sagt er und lacht.

Dies sei Gott sei Dank jedoch nie nötig gewesen. Seit 2014 führt Stark nun schon Kinder durch das Gut Riem und hat Ende vergangenes Jahres sogar noch erfolgreich die 16-tägige Zusatzausbildung zum Erlebnisbauern gemacht. „Die landwirtschaftliche Kompetenz hatte ich ja bereits, in dem Kurs lernte ich noch Lerninhalte pädagogisch zu vermitteln.“ Sogar der Bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner gratulierte dem 26-Jährigen zur bestandenen Qualifizierung. „Das war schon eine große Ehre für mich.“

In Riem hat der junge Bauer weiterhin viel vor. „Im Frühjahr kommen die ersten Klassen, mit denen ich Getreide anbaue.“ Die Gäste im Sommer würden dies dann pflegen dürfen und im Herbst erntet Stark das Getreide gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen. „Hinterher backen wir meistens noch Pizza, Stockbrot oder machen Müsli“ — natürlich aus dem selbst angebauten Getreide.

Überhaupt ist Stark der Meinung, dass sich ein Bauernhof gut als Lernobjekt eignet. „Auf Anfrage richte ich mein Programm auch nach bestimmten Fächern, wie Bio, Mathe oder Kunst aus.“ Damit will er auch wieder vermehrt Gymnasien ansprechen.

Eine große Neuerung gibt‘s dann im Frühjahr 2017: „Wir bekommen einen schulpädagogischen Tierstall“, freut Stark sich. Es wird Schweine geben, Kühe, Pferde, Schafe, Hühner und Hasen — alle artgerecht und nach Biolandrichtlinien gehalten. „Dann kann ich mit meinen Klassen die Tiere streicheln, melken, Geburtskontrollen durchführen und ihnen zeigen, wo ihr Fleisch, die Milch und der Käse überhaupt herkommen.“ Zudem sollen die Kinder und Jugendlichen auch sehen, wie ein moderner Biolandbauer seine Tiere hält. Am 30. März hat Stark seine erste Führung dieses Jahr. „Ich freu mich schon jetzt auf alle Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren, die ich heuer auf unserem schönen Gut Riem begrüßen darf.“

tb

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