Mit Kunst und Kultur das Viertel erspüren

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Wie der Nachwuchs das Leben in seinem Stadtteil verbessern will

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Ein Sommer mit viel Programm in der Messestadt

Mit Kunst und Kultur das Viertel erspüren

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Der Künstler Michael Lapper steht vor seiner mobilen Litfaßsäule, mit der er im Sommer in der Messestadt unterwegs ist. Und sobald er sie abstellt, kommen Leute vorbei und ins Gespräch.

Wie geht‘s der Messestadt? Was geht gut, was geht gar nicht? Wie geht es weiter? Der Künstler Michael Lapper hat sich gemeinsam mit anderen Messestädtern Gedanken gemacht, wie das Leben in ihrem Viertel aussieht. Aber sie verweilen nicht im Jetzt, sondern wollen auch in die Zukunft schauen. Ein Stadtteil, so jung er auch ist, muss sich immer wieder verändern. In den kommenden Wochen schauen sie aus einem kulturellen Blickwinkel auf ihr Viertel.

Was ist die Messestadt Riem? Eine Schlafstadt? Eine Klötzchensiedlung mit einem großen Garten? Oder ein Familien- viertel? Stimmt alles irgendwie, sagt der Künstler Michael Lapper, der selbst seit 2006 in der Messestadt lebt. „Ich wohne hier wirklich gern“, betont er. Mit seinen Projekten und künstlerischen Interventionen hat Lapper immer wieder neue Sichtweisen auf das Leben im Stadtteil entwickelt. Besonders gelungen war sein Kunst-Kiosk, den er vergangenes Jahr vor dem ungenutzt vor sich hin schimmelnden Kopfbau der alten Flughafen-Besuchertribüne aufstellen durfte. „Nun wurde ich wieder von der Kultur-Etage für ein Kunst-Projekt mit kleinem Budget angefragt“, sagt Michael Lapper. „Und schnell war die Idee, sich mit den noch offenen Baustellen in der Messestadt zu beschäftigen.“ Und zwar genau in dem Jahr, in dem das Viertel als „Modellstadt“ auf eine 20 Jahre alte Geschichte zurückschaut. „Ebenso lange steht der Kopfbau als Flughafen-Relikt den Menschen im Viertel nicht zur Verfügung“, so Lapper. In den vergangenen Jahren fanden in dem Gebäude immer mal wieder exklusive Events statt, aber seit der Bundesgartenschau steht es leer und dümpelt vor sich. „Laut Bebauungsplan sollte der Kopfbau der ehemaligen Flughafen-Besuchertribüne von den Messestädtern kulturell und bürgerschaftlich genutzt werden“, erklärt Lapper. „Der Kiosk, den wir vergangenes Jahr vor dem Kopfbau aufbauten, kam so gut an, dass wir nun ein Nachfolge-Projekt starten“, erzählt Lapper weiter. Dieses Mal vielleicht im Kopfbau? Doch, auch wenn es mal danach aussah, dass sich etwas tun könnte, die Stadt, genauer gesagt das Kommunalreferat mit seiner Referentin Kristina Frank, ist nicht weitergekommen. Zumindest kommt jüngst ein wenig Bewegung in die Sache, da der Stadtrat das Kommunalreferat beauftragt hat, die Kosten für eine Mindestsanierung zu ermitteln. Der Fokus liege darauf, den Schimmel loszuwerden und eine beheizbare Bodenplatte einzubauen. Für Lapper aber heißt das derzeit noch: „Wir sind wieder gezwungen, ein Projekt außerhalb des Kopfbaus auf die Beine zu stellen. Dieses Mal haben wir uns mehrere Standorte im Viertel ausgesucht — mit dem Vorteil, dass wir so ja auch mehr Leute erreichen.“ Ebenso wichtig wie der Veranstaltungsort ist für Lapper, mit einem Kunst-Projekte zu zeigen, wie es in der Messestadt weitergeht und wie sie sich entwickeln möchte. „Es ist wirklich ambitioniert, was hier in den vergangenen Jahren entstanden ist“, so Lapper. Dennoch muss sich ein Stadtviertel wie die Messestadt mit der Zukunft beschäftigen: „Wie wollen wir hier leben?“ Und eben diese Frage brechen Lapper und mehrere Mitwirkenden herunter, in dem sie aus einem kulturellen Blick Antworten geben. So gehört zu seinen Projekten das „Café Wohnzimmer“, das im bisherigen Wagnis- Café stattfindet, da dieses neuerdings keinen Pächter mehr hat.

Mitmachen, mitdenken und mitgestalten Ähnlich wie das Kiosk-Café vergangenes Jahr soll es zum Mitmachen inspirieren. Das nächste Mal hat das „Café Wohnzimmer“ am Samstag, 13. Juli, von 15 bis 22 Uhr geöffnet. „Und wie beim Café Kiosk gibt es ein kulturelles Beiprogramm sowie eine Ausstellung“, fügt Lapper hinzu. Bei „Der Kopf baut“ geht es um Geschichte, Gegenwart und Potenzial des noch jungen Stadtteils. Auch bei der Ausstellung ist die Beteiligung der Besucher erwünscht. Ebenso ab Samstag, 13. Juli, ist die Ausstellung „Die teure billige Stadt“ in der Treppenhausgalerie an der Selma-Lagerlöf-Straße 40 zu sehen. In der Kultur-Etage an der Erika- Cremer-Straße 8 wird am Montag, 15. Juli, um 19 Uhr die Ausstellung „Foto/Story“ eröffnet. Lapper hat Messestädter eingeladen, Kurzgeschichten und Bilder mit Bezug auf ihr Viertel beizutragen. Indem er diese beiden Kunstformen kombiniert, entsteht für den Ausstellungsbesucher eine überraschende Sicht auf eine scheinbar bekannte Lebenswelt. Mit dabei sind Teilnehmer der Literatur- und Fotowerkstatt Messestadt. Die Politiker Georg Kronawitter (CSU) und Herbert Danner von den Grünen sind dann am Sonntag, 21. Juli, um 19 Uhr in der Kultur-Etage zu Gast bei „Talk Talk“. An mehreren Standorten ist das Projekt „Mobile Litfaßsäule“ vertreten. „Wir haben in der Messestadt wenig Möglichkeit, Plakate anzubringen“, berichtet Lapper. Es gäbe zwar eine Litfaßsäule, diese friste jedoch an der Willy-Brandt-Allee ein einsames Dasein. „Wie bringen wir also die Ankündigungen unter Leute?“, fragte sich Lapper. Nun fährt er mit seinem Radl samt Anhänger die „mobile Litfaßsäule“ durch die Messestadt. Und diese ist voller Bilder, Geschichten und Plakaten. „Sobald ich mich irgendwo auf einen Platz stelle, kommen die Leute herbei. So wie wir es mit unserem Kiosk am Kopfbau erlebt haben. Was eben zeigt, dass es an Ankern an öffentlichen Plätzen fehlt“, so der Künstler und fügt hinzu: „Man stellt sich nicht alleine auf einen Platz, da muss schon etwas sein.“ Das Zusammenkommen ermöglicht Gespräche, etwas Neues kann entstehen. Das ist der Tenor aller Projekte, die jetzt im Sommer in der Messestadt stattfinden: „Alles ist offen, nichts ist fertig.“ So gibt es auch keine vollständige Liste für die in den nächsten Wochen geplanten Aktionen in der Messestadt. Bei dem Messestädter Künstler Lapper (www.kopfbaut.de) laufen zwar viele Fäden zusammen, doch er betont immer wieder, dass ein jeder zum Mit- und Selber- machen aufgerufen ist: „Der Sommer gehört uns!“

Verena Rudolf

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