Der Münchner Jazz-Pianist Matthias Bublath über den Teil-Lockdown

„Ich bin wieder im Homeoffice“

Sein vorerst letztes Konzert vor dem Teil-Lockdown gab der Münchner Jazz-Pianist 
Ende Oktober in der Kultur-Etage Messestadt.
+
Sein vorerst letztes Konzert vor dem Teil-Lockdown gab der Münchner Jazz-Pianist Ende Oktober in der Kultur-Etage Messestadt.

Mit den Worten „Auf bald“ verbleibt Gregor Kern von der Kultur-Etage Messestadt in einer Pressemitteilung Anfang November. Als letzter Künstler vor der vorübergehenden Schließung war der Münchner Jazz-Pianist Matthias Bublath in der Kultur-Etage zu Gast.

Klassiker des Jazzpianos und Neuinterpretationen sowie Improvisationen bekannter Klavierwerke aus der Klassik spielte Matthias Bublath am Freitag, 30. Oktober, bei seinem Auftritt in der Kultur-Etage Messestadt. „Wahrscheinlich für eine Weile lang mein letztes Konzert“, hinterließ der Münchner Musiker nach dem Auftritt als kurze Bemerkung auf seinem Instagram-Account. Einen Tag später wollte er mit August Zirner und Max Grosch in Starnberg auf der Bühne stehen. Doch dieses Konzert musste dann bereits abgesagt werden. Den ganzen November über bleiben Kulturbetriebe geschlossen.

Aufgrund der so steigenden Infektionszahlen entschieden sich Bund und Länder für einen Teil-Lockdown. Die Kulturstätten gehören indes genau zu dem Teil, der seinen Betrieb vorerst eingestellt hat. „Auch die Kultur-Etage muss bedauer­licherweise während des Teil-Lockdowns geschlossen bleiben“, teilt Gregor Kern von der Kultur-Etage mit und verbleibt mit den doch vagen Worten „Auf bald“. „Ohne Kunst und Kultur wird‘s still“ heißt dementsprechend das Motto einer Kampagne von Künstlern, die darauf aufmerksam machen, dass die Kultur erneut zum Stillstand gekommen ist.

„Ich bin wieder im Home­office“, so fasst es Matthias Bublath, der 1978 in München geboren wurde und in Linz, Boston und New York studiert und gelebt hat, in Worte. Zum Stillstand sei sein persönliches Musiker-Leben allerdings nicht gekommen. „Ich habe schon im März beim ersten Lockdown schnell nach neuen Wegen gesucht und mir überlegt, wie ich mich als Musiker anpassen kann, damit es für mich weitergeht“, sagt Bublath. Sein großes Privileg mag es da sein, einen eigenen Proberaum in München zu haben. Drei Monatsmieten für diese Wirkungsstätte zahlte er im Frühling mit der ausgezahlten Corona-Hilfe für bayerische Künstler.

Jüngst produzierte der Münchner Pianist, der seinen Proberaum auch als Aufnahmestudio nutzt, wieder eine Single und ein Video, aufgenommen mit seinen Musiker-Kollegen Max Grosch an der Violine und Adam Jackson am Schlagzeug. Letzterer saß an seinem Schlagzeug in New York. Zuvor arbeitete Bublath von München aus mit seiner ehemaligen Latin-Band aus New York zusammen. „Das geht sehr gut mittlerweile. Die Technik ist soweit, dass jeder seinen Part im Heimstudio einspielt, sich dabei filmt und ich schneide und mische das dann zusammen.“ Klar, das sei zeitaufwendig. Aber im Prinzip von überall aus zu erledigen, ob im Proberaum oder von daheim aus. Auch mit seiner 18-köpfigen „Eight Cylinder Bigband“ konnte er heuer drei neue Stücke aufnehmen, indem die Bandmitglieder nacheinander in Bublaths Studio kamen und ihre Beiträge einspielten.

„Es gibt Felder, in denen du als Musiker in Krisenzeiten wie dieser aktiv sein kannst“, sagt Bublath. So hat er heuer unter anderem Filmmusik aufgenommen. Und er unterrichtet weiter seine Schüler — derzeit online. „Doch natürlich ist es so, dass ich Musiker geworden bin wegen der Auftritte“, fügt er hinzu. Sobald die Lockerungen im Frühling kamen, war er auch gerne wieder unterwegs. Er spielte mit Tony Lakatos im Münchner Jazzclub Unterfahrt und organisierte ein Open-Air-Konzert in Kempfenhausen am Starnberger See, wo er mit Elisabeth Carr und Max Grosch spielte. Gemeinsam mit Ron Williams ging er deutschlandweit auf Tour. „Wenn da in einem großen Theaterhaus mit eigentlich 600 Plätzen nur 50 Zuschauer sitzen, ist davon auszugehen, dass die Infektionsgefahr sehr gering ist.“ Auftritte vor weniger Zuschauern könnten jedoch auch Vorteile haben, wenn man das Positive hervorheben möchte. Da habe man als Musiker das Gefühl, dass jeder nun richtig zuhöre. „Und zum Beispiel bei dem Konzert in der Kultur-Etage wirkte der Zuschauerraum mit 50 Personen auf mich von der Bühne aus nicht leer.“

Sobald er als Jazzmusiker in verschiedenen Formationen oder auch mit seinem Solo-Programm wieder auftrat, fuhr er allerdings auf Sicht. „Vieles ergab sich kurzfristig“, sagt er und hofft, dass dies auch nach diesem Teil-Lockdown wieder so sein wird. „Doch natürlich war es auch so, dass nichts mehr spruchreif war. Und immer wieder waren Planungen umsonst. Zu abgesagten Auftritten gehören auch Reisekosten und stornierte Hotelbuchungen.“

Anfang November wäre er beim Jim-Jazz-Fest im Münchner Gasteig aufgetreten. „Dieses Konzert ist am 7. Dezember als Online-Konzert zu sehen.“ Doch zu den Streaming-Formaten habe die Musikszene eine gespaltene Meinung. Wie gut muss die Qualität sein? Sollen digitale Angebote künftig für alle umsonst zur Verfügung gestellt werden? Und natürlich steht die große Frage im Raum, ob es wieder der Computer oder der Laptop sein soll, an dem der Feierabend verbracht wird. Verena Rudolf

Auch interessant:

Meistgelesen

Per Atemtechnik in die Seele und in ein früheres Leben – ein Selbstversuch von HALLO-Chefredakteur Marco Heinrich
Per Atemtechnik in die Seele und in ein früheres Leben – ein Selbstversuch von HALLO-Chefredakteur Marco Heinrich
"Ich bin zu holländisch, um mich als Göttin zu sehen"
"Ich bin zu holländisch, um mich als Göttin zu sehen"
Einigung nach jahrelangem Ringen um das Gewerbegebiet in Riem in Sicht
Einigung nach jahrelangem Ringen um das Gewerbegebiet in Riem in Sicht

Kommentare