„So ein Platschari an dieser Stelle?“

Diskussion um Gedenkvitrine am Manchesterplatz in Riem

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Mit diesem Foto zog OB Dieter Reiter den Unmut des Bezirksausschusses Trudering-Riem auf sich. Bei einer Ortsbegehung in Trudering und der Messestadt soll er dem Bau einer Gedenkvitrine am Manchesterplatz zugestimmt haben, ohne vorher den BA zu berücksichtigen.

Die Stadt München will eine sieben Kubikmeter große Gedenk-Vitrine am Manchesterplatz in Riem errichten. Das ärgert einige Mitglieder des Bezirksausschusses. 

Das Flugzeugunglück am 6. Februar 1958 in Riem gilt als eines der größten Tragödien des europäischen Fußballs. 23 Menschen starben bei dem Absturz am Rappenweg. Unter anderem acht Spieler der englischen Fußballmannschaft Manchester United. Seit 2004 ziert ein Gedenkstein den Platz, um an den Verlust der legendären „Busby Babes“ zu erinnern. Das scheint vielen Fußball-Fans, die seither zu dem Platz pilgern, nicht zu genügen. Sie fordern jetzt eine Glasvitrine an dieser Stelle, um Devotionalien wie Schals, Trikots und Briefe zu präsentieren, die dort abgelegt werden.

Wie eine Art Museum vor Ort soll die Vitrine fungieren. Oberbürgermeister (OB) Dieter Reiter (SPD) war dafür schnell zu begeistern. Er genehmigte die Vitrine und überging dabei den Bezirksausschuss Trudering-Riem. Dieser hätte aber gerne eine Wörtchen mitgeredet. Denn nicht alle sind begeistert von der Idee. Vor allem, weil die Vitrine mit sieben Kubikmetern und einer Höhe von 2,80 Metern nicht gerade klein ausfallen würde. Bezirksausschuss-Mitglied Georg Krona- witter (CSU) fordert eine Ortsbegehung, um die Sachlage zu prüfen. Seiner Meinung nach ist der Manchesterplatz schön, so wie er im Moment ist. „Warum sollten wir so ein Platschari an diese Stelle setzen?“, fragt er. Seiner Meinung nach könnte der Platz damit verunstaltet werden. Die Huldigung für den englischen Fußballverein geht ihm zu weit. „So eine große Vitrine für private Gegenstände für einen privaten Fußballverein? Wie sollen wir das den Vereinen erklären, die einen viel größeren Ortsbezug haben?“

Was ihn aber besonders ärgert, ist die Tatsache, dass der OB den Bezirksausschuss offenbar übergehen wollte. „Es ist ein Skandal, dass der OB sich schon entschieden hat.“ Ein Foto, das bei einem Ortsbesuch Reiters am Manchesterplatz entstanden ist, soll seine Zusage zur Vitrine verdeutlichen. Eine Provokation für den Bezirksausschuss, der sich vor vollendete Tatsachen gestellt sieht. Bei einer Ortsbegehung solle auch fachlich geprüft werden, ob eine Vitrine in der Größe an den Ort passe. Mark Salzmann, der Vorsitzende des FC-Bayern-Fanclub, der die Installierung der Gedenkvitrine angestoßen hat, kann die Forderung nicht nachvollziehen. Nach seiner Kenntnis hat es bereits einen Ortstermin im März gegeben, zu dem auch der BA geladen war. „Ein weiterer Termin ist reine Geldverschwendung“, glaubt er.

Von diesem ersten Termin habe der BA zwar gewusst, allerdings sei die Größe der Vitrine zu dem Zeitpunkt noch nicht klar gewesen. Der erste Ortstermin sei ohne Planungs- und Kenntnisstand abgehalten worden. Erst seit etwa acht Wochen lägen alle Informationen vor. „Über eine kleine Vitrine hätte man ja noch reden können, aber sie wurde ja immer größer“, sagt Kronawitter. Auch habe der BA erst im Mai erfahren, dass die fachlich zuständige AG Gedenktafel sich bereits ablehnend gegenüber so einer Vitrine im öffentlichen Raum ausgesprochen hat. „OB Reiter hat von Anfang an Druck für dieses Projekt gemacht“, sagt Kronawitter und betont: „Bevor es keine Ortsbegehung gab, werden wir von der CSU auf jeden Fall gegen die Vitrine stimmen.“ Auch viele Mitglieder der SPD stimmten für einem neuen Ortstermin. Eine Entscheidung wird im September erwartet. 

Lydia Wünsch

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