Als Kulturzentrum völlig ungeeignet

Der Kopfbau der alten Flughafentribünen ist als Kulturzentrum der Messestadt ungeeignet. Dies teilte das Kulturreferat jetzt auf eine Stadtratsanfrage hin mit. Wegen der Randlage und wegen räumlicher Einschränkungen komme das Gebäude dafür nicht in Frage. Für weitere zwei Jahre soll die inzwischen erfolgreiche Nutzung als Eventarena verlängert werden.

Gut 250.000 Euro kostet das Kulturzentrum in den Riem Arcaden die öffentliche Hand pro Jahr. Mit rund 155.000 Euro schlägt die Miete zu Buche, knapp 100.000 Euro betragen die Nebenkosten. Gegen die Empfehlung des damaligen Münchner Kulturreferenten Julian Nida-Rümelin – der die hohen Kosten für ein einziges Zentrum nicht verantworten wollte – hatte der Stadtrat im Jahr 2000 die Anmietung der Flächen in den Riem Arcaden beschlossen, verkaufen wollte der Investor nicht. Weil zu diesem Zeitpunkt der Sonderetat der Messestadt Riem, die EAB (Einnahme-Ausgabe-Blockschätzung), noch gute Gewinne versprach, griffen die Verantwortlichen zu einem Trick: Die Monatsmiete wurde auf zehn Jahre hochgerechnet und aus der EAB kapitalisiert. Die EAB war mit Gründung der MRG (Maßnahmeträger München Riem Gesellschaft) im Jahre 1998 als eigener Messestadt-Etat eingerichtet worden. Es werden Gewinne aus Grundstücksverkäufen des ehemaligen Flughafengeländes mit Ausgaben für die Messestadt-Infrastruktur verrechnet. Im Jahr 2009 allerdings prognostizierte die EAB einen Saldo von 73,3 Millionen Euro Minus für das Jahr 2014. Nach Fertigstellung der Maßnahme Messestadt wird dieser Plus- oder Minusbetrag wieder dem Stadtsäckel einverleibt. Die Kulturzentrums-Miete wird nach Auslaufen des Mietvertrags aus anderen Quellen als der EAB fließen müssen. Ob der Stadtrat in Zeiten knapper Kassen allerdings noch einmal die hohen Belastungen des derzeitigen Standorts durchwinken wird, bleibt abzuwarten. Da kann es nicht schaden, rechtzeitig nach Alternativstandorten zu suchen. Die Truderinger Stadträte Georg Kronawitter und Hans Podiuk (beide CSU) beantragten deshalb im August 2010 zu prüfen, ob der Kopfbau der ehemaligen Flughafentribünen als künftiges Messestadt-Kulturzentrum geeignet ist. Kopfbau keine Alternative Einfach und schnell erreichbar, wie das Zentrum in den Riem Arcaden, wäre der Kopfbau nicht. 15 Minuten Fußmarsch müssten Besucher nach Auskunft des Kulturreferats zurücklegen, ehe sie im „Niemandsland an der Truderinger Grenze“ ankämen, wo sich die Buga-Lounge befindet. Auch das Raumangebot scheint nicht optimal. Ein großer Saal, der durch massive Stützen dreischiffig gegliedert ist, ließe sich weder flexibel bestuhlen, noch hätten die Zuschauer freien Blick. Zwölf massive Säulen mit einer Grundfläche von je einem Quadratmeter stehen im Weg. Zudem müssten dem Saal Fläche für Gruppenräume, Büro, Technik und anderes abgezwackt werden. „Ein geeignetes, flexibles Raumkonzept kann im Hinblick auf die Gebäudestruktur nicht realisiert werden. Auch ist eine eingeschränkte Saalakustik zu erwarten“, zieht das Kulturreferat Fazit. Erfolgreiche Event-Location Leer steht der Kopfbau inzwischen nicht mehr. Seit einiger Zeit wird das Gebäude als „Event-Location“ für gelegentliche, gastro-kulturelle Nutzungen vermarktet. Das zuständige Kommunalreferat ist zufrieden, denn nach Anfangsschwierigkeiten – die mit der abseitigen Lage begründet wurden – ist diese Geschäftsidee durchaus erfolgreich. Ein Antrag auf Verlängerung der Anfang 2011 auslaufenden Nutzungsgenehmigung um weitere zwei Jahre soll demnächst verabschiedet werden. Was langfristig mit der Buga-Lounge passieren soll, darüber machen sich die zuständigen Referate derzeit Gedanken. Gabriele Mühlthaler

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