85 Krippenplätze in Haar

Ein Ort der Bildung für Kleinstkinder – das war schon immer eine Herzenssache von Peg Schäfer. „Dass viele uns nicht verstanden haben, hat uns aber nie gestört“, sagt die gebürtige Amerikanerin heute, die schon Ende der 80er Jahre die Zeichen der Zeit erkannt hatte: 1990 eröffnete Peg Schäfer in Haar die erste Ganztages-Kinderkrippe im Landkreis München. Heute bietet sie in der gemeinnützigen GmbH „Kindertagesstätte Haar“ rund 150 Krippen- und Kindergartenplätze in der Gemeinde an. Und schon bald eröffnet in der Zunftstraße eine weitere Einrichtung.

„Seit wir eröffnet haben, gab es noch keinen einzigen Tag, an dem wir keine Warteliste hatten.“ Peg Schäfer hat mit ihrer Idee, Kleinstkinder zu bilden und betreuen, ins Schwarze getroffen – und das schon vor zwei Jahrzehnten. Sie war damit eine absolute Vorreiterin. Für diese Art der Betreuung gab es damals noch keinerlei Vorgaben für pädagogische Krippen-Konzeptionen oder gesellschaftliche Anerkennung. Gesetzliche Förder- und Richtlinien, Bayerisches Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) und der Bayerische Erziehungs- und Bildungsplan (BEP) wurden erst etwa 14 Jahre später beschlossen. Das hielt Peg Schäfer nicht auf. Damals selbst mit dem zweiten Kind schwanger, hat sie sich immer schon viele Gedanken um die Bildung gemacht. Und genau deshalb war es für sie selbstverständlich weiterzuarbeiten. „Ich habe nicht trotz, sondern wegen der Kinder weitergearbeitet. Ich komme aus einem Land, in dem man für Bildung bezahlen muss“, sagt sie. Und da sei es eben selbstverständlich, dass die Mutter verdient. Ohne Kleinstkindbetreuung ist das jedoch schwierig. Kein Bedarf? Von wegen! Als sie ihre Idee dem damaligen Haarer Bürgermeister Hans Wehrberger vortrug, war dieser zwar aufgeschlossen, hatte aber Bedenken, ob ein solches Angebot überhaupt gebraucht würde. Eine erste Informationsveranstaltung sprach dann eine eindeutige Sprache. „Die Veranstaltung war proppenvoll. Der Bürgermeister kam vor lauter Fragen nicht einmal dazu, seine vorbereitete Rede zu halten“, erinnert sich Schäfer. Volltreffer also. Dann ging es schnell: Vom Bezirk Oberbayern bekam sie ein Haus auf dem Krankenhausgelände zur Verfügung gestellt, sie fand Elisabeth Kaufmann als Pädagogin, erarbeitete ein Konzept, erhielt die Betriebserlaubnis und leierte öffentlich-private Partnerschaften zur Finanzierung an. Das Engagement war riesig – der Erfolg ebenso. Doch die 24 Plätze in der Krippe an der Vockestraße konnten den Bedarf nie decken. Ein neues Haus, ein neues Konzept 2002 fragte Bürgermeister Helmut Dworzak bei Peg Schäfer an, ob sie nicht eine zweite Krippe betreiben wolle. Das Haus dazu sollte an der Ferdinand-Kobell-Straße entstehen. Peg Schäfer sagte zu – und Elisabeth Kaufmann hatte schon ein erweitertes Konzept im Kopf: Sie wollte hier eine altersübergreifende Einrichtung aufbauen. Kinder von 0 bis 6 Jahren in einer Gruppe – eine erneute Herausforderung für die Verwaltungen. Umgesetzt wurde die Idee aber trotzdem – und sie ist voll aufgegangen. „Angestrebt wird die Altersmischung in allen unserer Häuser. Die Jungen lernen von den Älteren, das ist klar. Aber auch umgekehrt funktioniert es: Die älteren Kinder gewinnen durch das Zusammensein mit den Kleinen Selbstbewusstsein und lernen Rücksichtnahme und Teilen“, schwärmt Schäfer. Den Rahmen hierfür setzt das Fachpersonal, das die Kleinen vielfältig fördert. Da wird musiziert, das logische Denken angeregt, kreativ gestaltet und vieles mehr. Weitere Krippen für Firmen und die Stadt München Nach der Eröffnung der zweiten Einrichtung ging es dann Schlag auf Schlag. Es entstand eine Kooperation mit dem Verein MSD Kids Farm für die Betriebskrippe bei Merck Sharp & Dohme GmbH. Weitere Firmen fragten an, ob Peg Schäfer auch für sie eine Krippe eröffnen könnte. Und auch die Landeshauptstadt nahm gerne an, als die Kindertagesstätte Haar gGmbH durch eine Öffentlich-Private Partnerschaft „ÖPP“ 132 Krippenplätze anbot. Derzeit wird das 5000 Quadratmeter große Areal Waldheim der Bürger-Sänger-Zunft in der Haarer Zunftstraße umgestaltet – und auch hier entstehen Krippenplätze. All das macht Peg Schäfer nur aus einem einzigen Grund. „Es geht mir ausschließlich um die Kinder. Ihnen soll es gut gehen, ihre Bildung liegt mir am Herzen. Das Wichtigste ist für mich nicht, dass die Eltern arbeiten gehen können. Das ist nur eine positive Nebenerscheinung“, stellt sie klar. – CE –

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