Brücken und Wände bekraxeln

Kollektiv will kostenlose Klettermöglichkeiten in München realisieren

Klettern Bouldern Unterführung Oskar-von-Miller-Ring München Visualisierung
+
Das „Kraxlkollektiv“ will Bouldern in München für alle möglich machen – an öffentlich zugänglichen Plätzen, wie in der Visualisierung in der Unterführung am Oskar-von-Miller Ring. Auch für Trudering und Neuperlach hat das Kollektiv Standorte im Sinn.
  • vonPia Getzin
    schließen

Fahrradfahren, Schwimmen in der Isar und Surfen an der Eisbachwelle – für Sportler hat München einiges zu bieten. Das Kraxl­kollektiv will dem Stadtbild eine Sportart hinzufügen: Münchner und Besucher sollen kostenlos unter freiem Himmel bouldern können.

Klettern und vor allem das ohne große Sicherungen mögliche Bouldern erfreut sich immer mehr Beliebtheit unter Freizeitsportlern, und mittlerweile gibt es auch einige Boulderhallen in der bayerischen Landeshauptstadt. Doch die sind natürlich im Moment geschlossen. Nicht nur für Zeiten wie diese, sondern generell, will das Kraxlkollektiv das Bouldern in München leichter zugänglich machen – mit kostenlos zu benutzenden Klettermöglichkeiten an Wänden und Brücken in der ganzen Stadt.

Die Idee dafür fand Kraxlkollektiv-Gründer Maximilian Gemsjäger (kl. Bild) bei Auslandsreisen und in Artikeln über Boulderblöcke. „Von März bis April letztes Jahr habe ich meinen Bruder in Australien besucht. Dort waren wir an einer öffentlichen Boulderwand in Melbourne bouldern, ich habe mir gedacht: Mensch, das gibt es ja überall auf der Welt! Wieso nicht in München?“ Zurück in der bayerischen Landeshauptstadt gründete er das Kraxlkollektiv.

Bouldern – Trendsport mit sozialer Komponente

„Egal ob drinnen oder draußen – das Bouldern fordert den Menschen auf verschiedenen Ebenen heraus. Es geht zum einen darum, schwierige Bewegungen zu bewältigen, wodurch sowohl die Problemlösefähigkeit als auch das Körpergefühl und die Körperkraft gestärkt und herausgefordert werden. So hat die Trendsportart gleich mehrere Vorzüge“, erklärt Henriette Weiss (kl. Bild) vom Kraxlkollektiv zu der Trendsportart. „Zum anderen weist das Bouldern eine große soziale Komponente auf – gemeinsam mit anderen werden Lösungsansätze und Erfahrungen ausgetauscht. Auf einer individuellen Ebene profitieren die Bouldernden von einem wachsenden Selbstwertgefühl – eigene Grenzen können in einem sicheren Rahmen ausgetestet werden.“ Eine Hürde zum Bouldern sei etwa der Eintrittspreis für die Hallen. Das Kraxlkollektiv will das Bouldern auch ohne Geld ermöglichen.

In München können viele Bewegungswillige bereits Angebote zum Sporteln finden. Ein berühmtes Beispiel ist das Surfen an der Eisbachwelle. Auch für Mountainbiker und Skateboarder gibt es in der Stadt Plätze. Für das Bouldern gebe es bisher allerdings nur wenige kleine Wände an Kinderspielplätzen, so Weiss.

Bei der Kletterei in der Stadt soll es nach dem Kraxlkollektiv umweltschonend zugehen: Mittels einer Kooperation mit der Bewegung „Precious Plastic“, die gesammeltes Plastik recycelt, sollen die Haltegriffe aus wiederverwendetem Plastik entstehen. Auch das Thema Verkehrssicherheit hat das Kollektiv bereits in den Blick genommen. „Die Boulderwand im öffentlichen Raum ist rein rechtlich ein Spielplatz und unterliegt damit der DIN EN 1176. Der Fallschutz für die Sportler entspricht der Norm (Hackschnitzel, Sand oder Kies)“, so Gemsjäger. Die Stadt könne folglich die Wände als Spielplätze betreiben oder die Initiative selbst, wenn sie einen Verein gründen würden oder in Kooperation mit einem Sportverein. Der Aufbau würde nach dem Konzept des Kollektivs rasch gehen: Nur 14 Tage Bauzeit mit der Hilfe von Ehrenamtlichen sind für die Realisierung einer Wand anberaumt. Die Wände sollen dann vom TÜV abgenommen und durch einen Sportverein, Ehrenamtliche oder das Baureferat für Gartenbau oder Ingenieurbau übernommen werden.

Bisher fehlen allerdings die Genehmigungen seitens der Stadt, die Kletterwände überhaupt gestalten zu dürfen. „Derzeit warten wir darauf, dass unser Antrag bearbeitet wird. Wir gehen davon aus, dass die Stadt noch einen Antrag auf Fristverlängerung stellt“, sagt Kraxlkollektiv-Gründer Gemsjäger, der Architektur studiert hat. Denn vergangenen Juni reichten die CSU-Stadträte Jens Luther und Ulrike Grimm ein entsprechendes Schreiben beim Referat für Bildung und Sport ein. Darin argumentieren die Politiker auch damit, dass das Angebot gerade in Pandemie-Zeiten sinnvoll wäre. So sei das zusätzliche Sportangebot öffentlich zugänglich, Bouldern sei aber ein Individualsport.

Ideen für den Münchner Osten

Zwar sind einige Anträge für Münchner Standorte bereits gescheitert, wie etwa für die Theresienwiese auf dem Gelände der Technischen Universität, die jedoch keine Boulderwand wünscht. Einen kleinen Erfolg hat es allerdings im vergangenen Jahr schon gegeben. „Für den Sommer in der Stadt 2020 hätten wir die Genehmigung für eine Boulderwand auf der Theresienwiese für sechs Wochen gehabt“, so Gemsjäger. Letztlich sei die Genehmigung jedoch zu kurzfristig erteilt worden, um eine Finanzierung zu sichern. Je nach Ort ist ein anderer Träger zuständig: Mal ist es die bayerische Landeshauptstadt, mal eine Universität und mal die Autobahndirektion Südbayern.

Für Standorte hat das Kraxlkollektiv schon zahlreiche Ideen. So würde die Initiative gerne unter der Truderinger Brücke an der Truderinger Straße/Kreuzung Schatzbogen auf der Grenze von Trudering-Riem und Berg am Laim eine Boulderwand realisieren. Auch für Neuperlach gibt es bereits einen möglichen Standort: Die Brücke an der Ständlerstraße/ Kreuzung Albert-Schweitzer-Straße. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere mögliche Standorte, unter anderem auch im Englischen Garten, an der Hacker- und an der Donnersbergerbrücke.

Standorte gesucht

Für mehr Ideen für Standorte für Boulderwände in München ist das Kollektiv jederzeit offen. Wer sich die bunten Griffe an Wänden und Brücken in der Nachbarschaft vorstellen kann, kann die Vorschläge über die zugehörige Homepage oder über Social

Media an die Initiative senden. Erreichbar ist die Website unter www.kraxlkollektiv.de, auf Facebook unter www.facebook.com/Kraxlkollektiv-628718881089453/ und auf Instagram unter kraxlkollektiv_muc.

Pia Getzin

Mehr über den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

Besuchen Sie HALLO auch auf Facebook.

Auch interessant:

Meistgelesen

Kommentare