Gegen die abstrakte Angst vor der Zukunft

Schülerin der Ernst-Mach-Gymnasiums wird ein „Grüner Junior Engel“

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Sonja Ziegler mit Ministerialdirektor Rüdiger Detsch.

Sonja Ziegler ist eines dieser Mädchen. Wer ein paar Minuten mit der 15-Jährigen redet, sagt anschließend Sätze wie: „So lange es solche Kinder gibt, muss man sich um die nächste Generation keine Sorgen machen.“ Leider ist das nicht wahr. Man muss sich Sorgen machen. Was freilich nicht an Mädchen wie Sonja Ziegler liegt, sondern an der Generation, die sie für ihr Verhalten mit Preisen auszeichnet.

Ministerialdirektor Rüdiger Detsch erklärte sie im Maximilianssaal der Regierung von Oberbayern zum „Grünen Junior Engel“, eine Urkunde und eine Ehrennadel gab es obendrauf. Mit dieser Auszeichnung werden Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 21. Lebensjahr für vorbildliches und beispielgebendes Engagement im Natur- und Umweltschutz ausgezeichnet. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, diese Auszeichnung ist schon eine Ehre! Vor allem aber bringt sie Aufmerksamkeit für Themen, die mir wirklich wichtig sind“, sagt Sonja Ziegler.

Die 15-Jährige redet nicht nur gerne von Umweltschutz, sie lebt ihn. Ob im Rahmen ihrer Familie, die bewusst auf Autos verzichtet, oder für sich alleine beim Kauf von Second-Hand-Klamotten, dem Verzicht auf ein Smartphone oder durch eine vegetarische Ernährung. Im Frühjahr hilft sie beim „Krötendienst“ den Tieren dabei, den Teich zu finden statt den Tod. Sie war als Umweltscout am Ermst-Mach-Gymnasium tätig und engagiert sich im Rahmen der Schulpartnerschaft für die Hilfe in Tansania. Normal ist das nicht – und trotzdem ist die 15-Jährige erfrischend normal. „Ab und zu werde ich schon von den anderen belächelt, wenn ich mal wieder S-Bahn fahren will statt mit dem Auto gebracht zu werden. Aber wer mich kennt, weiß ja, warum ich das mache“, sagt sie. Ein vorbildliches Verhalten – aber ohne erhobenen Zeigefinger: „Ich mache das, weil ich es für richtig halte. Aber ich erwarte von keinem, dass er so engagiert ist wie ich“, sagt sie.

Das Umweltbewusstsein liegt in der Familie. Mutter Inge erinnert sich noch gut an die eigene Studienzeit: „Ich hatte damals ein Auto, aber ich benutzte es so selten, dass wir oft die Batterie nachladen mussten.“ Stolz ist sie auf die Ansichten und Aktionen ihrer Tochter – auch bei den Fridays for Future Demonstrationen. „Wenn sie dafür eine Befreiung vom Unterricht braucht, bekommt sie die sofort. Das hat mit Schuleschwänzen gar nichts zu tun!“ Als promovierte Biologin kennt sie sich mit Umweltthemen gut aus, vor allem auf die Politik ist sie sauer: „Die Fakten sind seit Jahrzehnten bekannt. Die haben vieles einfach verschlafen.“

Aufgewacht sind mittlerweile Jugendliche wie Sonja Ziegler. Doch wie ist es für eine 15-Jährige mit kleinem ökologischem Fußabdruck, in eine Zukunft hineinzuwachsen, die vom Klimawandel bedroht ist? Sie überlegt einen Moment – und antwortet dann: „Wie das alles mich ganz persönlich beeinflussen wird, kann ich mir noch immer nicht vorstellen. Es geht ja nicht nur um die Menschen, sondern auch um Pflanzen und Tiere. Ist das Stoppen des Klimawandels überhaupt noch möglich? Meine Angst vor der Zukunft ist da sehr abstrakt.“ Anfang August fliegt sie mit sieben Schülern und fünf Lehrern nach Tansania, um die Schulpartnerschaft vor Ort auszubauen. Ein guter Zweck, der jede Flugreise rechtfertigt. Trotzdem gleicht Sonja Ziegler das dadurch ausgestoßene Kohlendioxid durch Zahlungen aus, mit der in Tansania aufgeforstet werden kann. Denn so fliegen sie nunmal, die Grünen Engel.

Marco Heinrich

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