Kindern echte Chancen geben

V.li.: Florian Raiß, Schulsozialarbeiter Grundschule St. Konrad, Klaus Berentz, Rektor der Grundschule St. Konrad, Monika Modrow-Lange, Rektorin Grundschule am Jagdfeldring, Andreas Tontsch, Kursleiter und Koordinator an der VHS, Hans Schmidt, Schulleiter Mittelschule Haar, und Bürgermeister Helmut Dworzak in der Lernwerkstatt der St.-Konrad-Schule. Foto: Charly D

Oft sind sie verstummt, sitzen in ihrer Bank und schauen verträumt durch die Gegend. Oder sie sind laut, stören den Unterricht und versuchen so abzulenken. Abzulenken davon, dass sie dem Unterricht nur schwerer folgen können als ihre Klassenkameraden.

Manchmal zwickt es im Rechnen, oft hapert es an der Sprache. Und doch lässt es die Lehrersituation nicht zu, diese Kinder während der Unterrichtszeit gesondert zu fördern. In Haar greift jetzt die Gemeinde ein: Sie finanziert Intensivierungsstunden für Haarer Schüler – aus dem Spendentopf „Kindern Chancen geben“. Es waren die Schulen und ihre Jugendsozialarbeiter, die an die Gemeinde mit ihrem Problem herantraten. Hier hatte man sofort offene Ohren – und das, obwohl es sich bei den Intensivierungsstunden um einen bildungspolitischen Auftrag handelt, für den nicht die Kommunen, sondern der Freistaat zuständig ist. Die Idee, die aus den Gesprächen zwischen Schule und Gemeinde geboren wurde, schlug schließlich ein wie eine Bombe: Die Haarer Schulkinder sollen von Beginn ihrer Schulkarriere an gefördert werden. Es soll ihnen geholfen werden, Lücken zu schließen, damit sie dann hoffentlich wieder mit Erfolg dem Regelunterricht folgen können. Diese Unterstützung soll alle betroffenen Kinder erreichen – und zwar ungeachtet ihrer Herkunft und der finanziellen Situation ihrer Familie. Der Rest der Klasse kann dabei ungestört und im normalen Tempo weiterlernen. „Ein absoluter Glücksfall“ Dazu sollen die Grundschüler – sowohl aus der Konrad- als auch aus der Jagdfeldschule – und die Mittelschüler während der Unterrichtszeit aus der Klasse herausgenommen werden, um in Einzelstunden gefördert zu werden. Dabei geht es zunächst um die Fächer Deutsch und Mathematik. „Früher hatten wir genau für solche Kinder so genannte Übergangsklassen an den Grundschulen. Diese wurden aber zugunsten der Vorkurse abgeschafft. Für solche Kinder ist das Förderprogramm der Gemeinde nun ein absoluter Glücksfall“, freut sich Monika Modrow-Lange, Leiterin der Jagdfeldschule. 122 Haarer Schüler profitieren zu Beginn von dem neuen Projekt. Genau an der Jagdfeldschule gibt es auch den meisten Bedarf: 70 Kinder werden hier in den Intensivierungsstunden unterrichtet. In der Konrad-Grundschule sind derzeit 20 Kinder, an der Mittelschule 32 Schülerinnen und Schüler gemeldet worden. Koordiniert werden die Intensivierungsstunden durch die Volkshochschule, die auch das meiste an Personal stellt: Derzeit sind es vor allem Kursleiter, an die laut Andreas Tontsch, Kursleiter und Koordinator bei der VHS, „hohe Auswahlkriterien“ gestellt werden. Am meisten freuen sich die Schulleiter, wenn sich pensionierte Lehrer fur diese Aufgabe erwärmen können. Erfolgserlebnisse vermitteln Die Begeisterung ist also von allen Seiten gleichermaßen groß. Nun muss die Praxis zeigen, ob der Plan aufgeht. Bürgermeister Helmut Dworzak ist sich sicher, dass der Ansatz richtig ist. Begonnen hatte man beim Projekt „Kindern Chancen geben“ mit finanzieller Unterstützung, die vom Bezahlen des Schulmaterials bis hin zur Finanzierung des Mittagessens reicht. „Aber der materielle Teil führt noch nicht zu dem Ergebnis, das wir gerne hätten“, erklärt Dworzak. Es geht darum, den Kindern durch Erfolgserlebnisse die Motivation zurückzugeben. Eine wichtige Rolle spielt für alle Beteiligten auch die Tatsache, dass es sich nicht um eine zusätzliche Unterrichtseinheit am Nachmittag handelt. „Das würde von den Schülern schon fast als ,Strafe’ empfunden“, sagt Dworzak. Was, wenn das Spendengeld weg ist? Nun ist erst einmal ein Förderblock von zehn Wochen geplant. Das bedeutet: Die insgesamt 122 Schüler bekommen 70 Unterrichtsstunden – Kostenpunkt 14.000 Euro. Und genau hier könnte die Krux liegen: Die Maßnahme kann nur solange von der Gemeinde übernommen werden, solange im Spendentopf von „Kindern Chancen geben“ noch Geld ist. Der bedient im Moment bereits 205 Kinder, für die alleine in diesem Schuljahr bereits 33.000 Euro ausgegeben wurden – ohne die Intensivierungsstunden. Noch befinden sich 68.000 Euro im Topf, insgesamt waren es einmal 130.000 Euro. Wer spenden möchte: Spendenkonto der Gemeinde Haar, Kennwort „Kindern Chancen geben“, Kreissparkasse München-Starnberg, Konto 080320021, BLZ 702 501 50. – CE/AL –

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