Keine Umfahrung Kirchtruderings?

Die möglichen Trassen einer Kirchtruderinger Umfahrung. Grafik: LHM/G.M.

Drei Varianten für die Umfahrung Kirchtruderings stellen die städtischen Verkehrsplaner jetzt vor, auch die verkehrlichen Auswirkungen der jeweiligen Trassen wurden hochgerechnet. Eine vierte Prognose belegt, dass keine der Varianten sich nennenswert auf das Planungsgebiet „Aktive Zentren Trudering“ und den Ortskern von Straßtrudering auswirken wird. Der Truderinger Bezirksausschuss wird die Entwürfe im zuständigen Unterausschuss diskutieren, das letzte Wort hat der Stadtrat.

Entweder hatten die städtischen Verkehrsplaner die Pläne für eine Umfahrung Kirchtruderings längst in der Schublade oder sie haben die ganze Angelegenheit samt Verkehrsprognosen nun in Windeseile abgewickelt. Dem Truderinger Bezirksausschuss liegen die Entwürfe sei kurzem vor, obwohl nicht mal zwei Monate vergangen sind, seit die SPD-Stadtratsfraktion die Vorschläge für diese Anbindung anmahnte. Der Auftrag Laut Stadtratsbeschluss von 2006 hatten die Verkehrsplaner den Auftrag, eine Trasse auszuarbeiten, die das „Straßl ins Holz“ nicht tangieren aber dennoch Kirchtrudering, den Truderinger Ortskern und die Straße Am Mitterfeld entlasten und den wachsenden Ziel- und Quellverkehr der Messestadt aufnehmen sollte. Im Rahmen der Arrondierung Kirchtruderings, dem 5. Bauabschnitt der Messestadt, sollten die Realisierungsmöglichkeiten dieser Trasse geprüft werden. Verkehrsgutachten Ideengeber für die Umfahrung war Verkehrsexperte Kurzak, der diese im Rahmen des „Verkehrsgutachtens München Ost“ schon 2003 vorgeschlagen hatte. Kurzaks Idee aber fand schon damals bei der Stadtverwaltung nur eingeschränkte Zustimmung, man kritisierte, er widerspreche den Zielsetzungen des gültigen Verkehrsentwicklungsplans. In diesem heißt es nämlich, Kraftfahrzeugverkehr sei auf den dafür vorgesehenen Hauptrouten zu bündeln, die Kirchtruderinger Umfahrung aber entlaste nicht nur das Mitterfeld, sondern auch die Hauptverkehrsstraßen Schatzbogen und Wasserburger Landstraße. Zudem sehen die Stadtplaner mittlerweile eine Umfahrung auch deshalb kritisch, weil sie den Landschaftspark Riem und die noch nicht bebauten westlichen Flächen der Messestadt tangieren könnte. Trasse 1: Die Umfahrung zweigt etwa auf Höhe Kirtaweg vom Mitterfeld ab, führt durch die geplante Arrondierung Kirchtruderings und wird in das Wohngebiet eingebunden. Im Süden schließt sie an den Rappenweg an. Ziel wäre es, eine gleichmäßige Verteilung der Verkehre „Am Mitterfeld“ und auf der neuen Trasse zu erreichen. Trasse 2: Die Trasse zweigt südlich des Alten Riemer Friedhofs von der Straße Am Mitterfeld ab und verläuft danach entlang oder im Randbereich der geplanten Arrondierung Kirchtruderings. Sie schließt östlich des Kirchtruderinger Ortskerns an den Rappenweg an. Diese Variante hat fast ausschließlich Entlastungsfunktion. Trasse 3: Die Trasse zweigt nördlich des Friedhofs vom Mitterfeld ab und führt zwischen Altem Friedhof und Gärtnerei im Westen und dem Tribünenbau im Osten nach Süden. Östlich des Kirchtruderinger Ortskerns schließt sie an den Rappenweg an. Auch diese Trasse hätte fast ausschließlich Entlastungsfunktion, läge aber außerhalb des künftig bebauten Bereichs. Nachteile für Park „Als Ergebnis der vergleichenden Betrachtung muss festgestellt werden, dass eine Umfahrung Kirchtruderings zur Verkehrsberuhigung von Straß- und Kirchtrudering nicht alle verkehrlichen, städtebaulichen, landschaftsplanerischen und immissionstechnischen Vor- und Nachteile sowie die erheblichen finanziellen Aufwendungen (zweistelliger Millionenbetrag, d. Red.) ausgleichen kann“, zieht das Planungsreferat Fazit. Die Entlastungswirkung trete nur lokal begrenzt auf – nämlich auf der Straße Am Mitterfeld (laut GA minus 6000 Kfz/24 h, aktuelle Belastung 15.500 Kfz/24 h) – und stehe in keinem angemessenen Verhältnis zu den erheblichen Nachteilen für den 5. Bauabschnitt Wohnen der Messestadt Riem und den Riemer Park. Trasse 1 denkbar „Um jedoch eine Verkehrsreduzierung Am Mitterfeld zu erzielen, ist aus Sicht des Planungsreferats eine abgewandelte Form der Umfahrung – Trassenvariante 1 – denkbar“, heißt es im Beschlussentwurf. Als innerörtliche Hauptsammelstraße mit Erschließungsfunktion – 5. Bauabschnitt Messestadt – könne diese Trasse einen Teil des Verkehrs der Straße Am Mitterfeld aufnehmen. Der Neuverkehr aus dem 5. Bauabschnitt und ein Teil des Durchgangsverkehrs könnten nach Ansicht der städtischen Planer verträglich abgewickelt werden, ohne „die erheblichen Nachteile einer Umfahrung in Kauf nehmen zu müssen“. Ob eine Umfahrung realisiert und welche Trasse dann gebaut wird, beschließt der Stadtrat. Anzunehmen ist, dass für die Entscheidungsträger die wirtschaftlichen Interessen im Zusammenhang mit dem 5. Bauabschnitt der Messestadt schwerer wiegen, als die Befindlichkeiten der schon ansässigen Bevölkerung. Gabriele Mühlthaler

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