Kampf um einen Gymnasiumsplatz

Die Einschreibung an den Gymnasien ist vorbei und viele Kinder haben an ihrer Wunschschule keinen Platz bekommen. An städtischen Gymnasien gilt Aufnahmestopp, nur 50 Klassen à 30 Schüler dürfen München weit gebildet werden. Der Freistaat, der laut Gesetz für die Beschulung zuständig ist, zahlt für städtische Lehrer nämlich einen weit geringeren Zuschuss an die Stadt, als er für sein staatliches Personal ausgeben muss. „Zahlt unsere Lehrer, dann sorgen wir für genügend Räume“, heißt die städtische Position. Bis die Kontrahenten sich geeinigt haben, werden die Münchner Kinder wohl weiterhin von städtischen zu staatlichen Schulen verschoben, obwohl die aus allen Nähten platzen. Die Eltern des Münchner Ostens jedenfalls können ein Lied davon singen!

Riesig ist in diesem Jahr der Andrang an die Münchner Gymnasien. Vor allem im Münchner Osten sind die hohen Anmeldezahlen an den Gymnasien ein Problem. Die städtischen Schulen mussten auch bei genügend Raumkapazität aufgrund von Vorgaben der Landeshauptstadt Kinder abweisen, die staatlichen platzen aus allen Nähten. Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) trafen sich Anfang der Woche, um einen Ausweg aus der Situation zu finden. Noch am Montag schien ein Kompromiss in Aussicht, am Dienstag dann die Nachricht, dass man sich nicht einigen konnte. Werner-von-Siemens „Ablehnung ist eins der schlimmsten Dinge, die passieren – für Eltern, Schule, aber ganz besonders für die Kinder“, sagt Margot Obermaier. Die Schulleiterin des städtischen Werner-von-Siemens-Gymnasium hatte dieses Jahr 189 Übertritts-Anmeldungen. „Sehr viel mehr als letztes Jahr.“ Vier Eingangsklassen waren geplant. Weil sich kurzfristig eine Raumlösung ergab, sind es nun fünf. Die Kapazität für die Bildung einer weiteren Klasse kommt vom Heinrich-Heine-Gymnasium. „Schulsprengel“ Trotzdem waren es fast 40 Kinder zuviel für das Gymnasium an der Quiddestraße. Verwiesen wurden sie ans staatliche Michaeli-Gymnasium in Berg am Laim, von dem der Rektorin freie Kapazitäten gemeldet wurden. Getroffen hat die Ablehnung nach Angaben von Obermeier hauptsächlich Kinder aus der Messestadt Riem, einige aus dem äußersten Waldtrudering und Kinder aus diversen anderen Stadtteilen, die wegen der Ganztagesklasse ins Werner-von-Siemens-Gymnasium wollten. Aussortiert wurde mit einem Zirkelradius, der rund um die Schule geschlagen wurde und quasi wie der Schulsprengel der Grundschulen funktioniert. „Die einzige gerechte Methode“, so Obermeier. Michaeli-Gymnasium Aus allen Nähten platzt bereits das staatliche Michaeli-Gymnasium, das baulich für 850 Schüler ausgelegt ist. 1.180 Gymnasiasten werden dort aktuell unterrichtet, im kommenden Schuljahr sollen es über 1.250 sein. „Wir haben 150 Plätze, aufnehmen müssen wir aber 200 Schüler, Abweisungen gab es keine“, erklärte Schulleiterin Angelika Loders auf Anfrage der HALLO-Redaktion. „Schon jetzt sind wir zu 50 Prozent überbelegt. Wir müssen sehen, wie wir das im nächsten Schuljahr hinbekommen“. 120 Abiturienten gingen heuer ab, 200 neue Schüler kämen im nächsten Jahr hinzu. Man werde nicht um Wanderklassen und verstärkten Nachmittagsunterricht herumkommen, was auf Kosten aller Schüler gehe. „Ich hoffe auf Zuweisung von mehr Lehrkräften, das eigentliche Problem ist aber die Raumsituation“. Was Loders nicht versteht, ist die Haltung der Landeshauptstadt München, die sich trotz freier Kapazitäten an städtischen Gymnasien weigere, mehr Räume zur Verfügung zu stellen. „Es geht darum, einen Geburtenberg zu bewältigen. Man müsste wissen, warum die Landeshauptstadt ihre unflexible Haltung beibehält. In dieser Situation sollten alle konstruktiv zusammen arbeiten und die Lasten nicht nur auf die staatlichen Gymnasien abwälzen“, so Angelika Loders. Heinrich-Heine-Gymnasium Ablehnen musste auch das städtische Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG). „Wir hatten 124 Anmeldungen“, erklärt Schulleiter Reinhard Duetsch. Überraschenderweise seien darunter fast keine Waldperlacher gewesen. Wahrscheinlich, weil die Eltern aus den Infoabenden von Grundschule und Gymnasium schon wussten, dass die Aufnahmechancen gering sind. „Das Gymnasium Neubiberg hat fast die komplette Gänselieselschule“, weiß Duetsch vom Kollegen aus Neubiberg. Statt den geplanten sechs sind es dort nun acht Eingangsklassen. Da das HHG mit vier Klassen geplant hatte, hätte alles gepasst. Doch dann kam die Nachricht von der Stadt, dass nur noch drei Klassen gebildet werden dürften. Die Folge: Die Abweisung von 30 Kindern. „22 sind untergekommen, in Neubiberg und Ottobrunn, aber ich habe immer noch sieben Schüler ohne Platz.“ Er habe freie Kapazitäten aus Haar und Kirchheim gemeldet bekommen. Doch Haar habe nicht einen Schüler nehmen können und Kirchheim musste selbst abweisen. „Das Rumgeschiebe ist für uns als Schulleitung und Lehrer nicht schön“, so Duetsch. Auch beim HHG gab es den Zirkelkreis. „Der ist diesmal noch enger geworden.“ Nur Kinder aus einem Umkreis von 1,5 Kilometern gehen ab Herbst ins HHG. Obwohl die Schule nur 500 Meter von der Landkreisgrenze entfernt ist, hat die Ablehnung auch einige Kinder aus Unterbiberg getroffen. Besonders aber waren Jungen und Mädchen aus Ramersdorf und dem Gebiet um die Quiddestraße betroffen. Kapazitäten frei Dabei könnte Duetsch noch eine weitere fünfte Klasse bilden. Einen Raum und entsprechende Lehrerkapazitäten gäbe es. Doch wegen der von der Stadt beschlossenen Beschränkung, an den städtischen Gymnasien münchenweit nur maximal 50 Eingangsklassen mit jeweils nicht mehr als 30 Schülern zu bilden, sind ihm die Hände gebunden. Für das leere Klassenzimmer hat Duetsch immer Bedarf, bei der Oberstufe und den „Wanderklassen“. „Ich hoffe sehr, dass Stadt und Kultusministerium vielleicht doch einen Kompromiss finden und das Heinrich-Heine-Gymnasium eine zusätzliche Klasse bilden kann“, sagt Margot Obermeier. Das würde die Situation im Münchner Osten deutlich entspannen, schließlich gebe es unter dem Jahr auch noch Zugänge. Beispielsweise durch Zuzüge in Neubaugebiete wie dem an der Bajuwarenstraße. Hausenstein-Gymnasium Komplett ausgereizt ist auch die Kapazität des staatlichen Wilhelm-Hausenstein-Gym-nasiums im 13. Stadtbezirk Bogenhausen. Wie das Michaeli-Gymnasium ist die Schule für 850 Schüler gebaut worden, unterrichtet werden aktuell 1.250. Eingeschrieben wurden rund 180 Neuzugänge, einige davon haben das städtische St.-Anna- und das städtische Maria-Theresia-Gymna-sium geschickt. Schulleiter Wolfgang Hansjakob ist zuversichtlich, dass „wir das irgendwie schaukeln“. Ein Lichtblick am Horizont ist für das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasi-um die Aussicht auf einen Erweiterungsbau, mit dem im Herbst begonnen werden soll. Bis zu dessen Fertigstellung aber bleibt es eng. „Wir haben Fachräume, aber bei den Musiksälen wird es knapp, vor allem, weil das Musikangebot ausgeweitet wurde“, so Wolfgang Hansjakob. Auch „Wanderschüler“ bevölkern das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasi-um. Für die komplette Oberstufe stehen nämlich keine eigenen Klassenräume zur Verfügung. Schuldzuweisung Für Hans-Ulrich Pfaffmann, den Vorsitzenden der Münchner SPD und bildungspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, ist die Situation bedauerlich. Allerdings, so Pfaffmann, liege die Schuld eindeutig beim Freistaat und nicht bei der Landeshauptstadt. „Der Freistaat, der ja für die Beschulung verantwortlich ist, weigert sich, den vollen Zuschuss für die Lehrer an städtischen Schulen zu zahlen. Die Kosten liegen zu 50 Prozent und aktuell in Höhe von 80 Millionen Euro bei der Landeshauptstadt“. Grundsätzlich sei die Deckelung der Eingangsklassen auf 30 Schüler sinnvoll. Vor vielen Wochen habe die Stadt dem Kultusminister bereits angeboten, Räumlichkeiten für mehr Eingangsklassen zur Verfügung zu stellen, sofern der Freistaat die Lehrerkosten übernehme. „Es gab keine Reaktion, erst jetzt, bei der Einschreibung, kommt Spaenle daher!“ Eine Einigung zwischen Schulbürgermeisterin Christine Strobl und Kultusminister Ludwig Spaenle habe es bisher nicht gegeben, weil der Freistaat nur Lehrer an die städtischen Gymnasien abordnen, nicht aber die vollen Kosten dafür übernehmen wolle. „Es ist bedauerlich, dass jetzt Kinder und Eltern darunter leiden. Dennoch, das Junktim ist völlig klar: Die Stadt sorgt für die Räume, der Freistaat übernimmt die Lehrerkosten!“ Der Kultusminister Kultusminister Ludwig Spaenle hingegen äußert sich tief enttäuscht über Haltung von Oberbürgermeister Christian Ude und Bürgermeisterin Christine Strobl. Wegen der hohen Nachfrage habe er der Stadt angeboten, staatliche Lehrkräfte an städtische Gymnasien abzuordnen. Außerdem sollten an staatlichen Gymnasien drei zusätzliche Eingangsklassen eingerichtet werden. Im Gegenzug sollte die Stadt ebenfalls drei zusätzliche Eingangsklassen einrichten. Die Kosten für die Stadt: Jährlich rund 100.000 Euro. Beide Angebote wurden von der Stadt nun ausgeschlagen. „Kinder dürfen nicht als Druckmittel für Geldforderungen der Stadt missbraucht werden“, warnt Minister Spaenle. Der Kultusminister verweist auch darauf, dass die Stadt als Sachaufwandsträger die erforderlichen Räume für Gymnasien zur Verfügung zu stellen hat. Der Kultusminister verweist darauf, dass die Stadt als Sachaufwandsträger auch für staatliche Gymnasien die erforderlichen Räume immer zur Verfügung zu stellen habe. Auf dieser Basis „hätte der Freistaat die neuen Klassen komplett in staatliche Gymnasien aufnehmen können“, so Spaenle. Carmen Ick-Dietl/Gabriele Mühlthaler

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