Isabella Hernandi neue Geschäftsführerin im Kulturzentrum Trudering

Vielfalt als Programm-Schwerpunkt

Neue Geschäftsführerin im Kulturzentrum Trudering: Die erfahrene Isabella Hernadi setzt auf Vielfalt.
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Neue Geschäftsführerin im Kulturzentrum Trudering: Die erfahrene Isabella Hernadi setzt auf Vielfalt.

Das Kulturzentrum Trudering hat mit Isabella Hernadi eine neue Geschäftsführerin. Damit ist nach Winfried Frey, der sich wieder der Schauspielerei und dem Regieführen zuwendet und dem Haus künftig wieder als Freiberufler mit neuen Formaten verbunden bleiben will, erneut eine engagierte Frau an der Spitze des Teams, in einer Reihe mit Claudia Deischl, Julia Schmitt-Thiel und Christina Hesse. 

Eigentlich war Isabella Hernadi dem Trägerverein des Kulturzentrums Trudering quasi als Feuerwehrfrau empfohlen worden. Die 59-Jähige hatte viele Jahre im Kulturzentrum Milbertshofen in der Geschäftsführung gearbeitet, und zwar so sehr zur Zufriedenheit des städtischen Kulturreferats, dass sie dort nach ihrem Weggang aus Milbertshofen als Springerin engagiert wurde. Doch schon nach wenigen Wochen im Büro an der Wasserburger Landstraße war ihr und dem Vorstand des Trägervereins klar, dass sie aus dieser Interimslösung eine langfristige Bindung machen möchten. Der Vereinsvorsitzende Ingo Mittermaier zeigt sich hoch erfreut. Dass man so schnell eine so kompetente Kraft gefunden habe, sei ein echter Glücksfall: „Sie wird hoffentlich noch lange bleiben“, so Mittermaier. Hernadi, geboren im Schwabenland, kam schon fürs Studium nach München. Sie ist ursprünglich Diplom-Betriebswirtin mit Schwerpunkt im Tourismusbereich. Alles, was für die abwechslungsreiche und verantwortungsvolle Tätigkeit einer Kulturhaus-Chefin über das Verständnis für Geld und Zahlen hinaus noch gebraucht wird, hat sie sich in den verschiedenen Stationen ihres interessanten Lebenswegs angeeignet: Sieben Jahre Arbeit im Tourismus inklusive PR-Aufgaben, so ging es los.

Nach Trudering kam sie in den 90er Jahren für eine Ausbildung zur Videoreporterin an der Bayerischen Akademie für Fernsehen. Sie wurde anschließend Redakteurin, stellvertretende CvD (Chefin vom Dienst) und Produzentin bei TV München: „Nicht zu verwechseln mit München TV“, stellt sie klar. Sie war damals zuständig für die Nachrichten, die Sendung „große Freizeit“ und die Astrologie-Sendung „Sternenhimmel“ und denkt gerne daran zurück: „Das war zu einer Zeit, als man dort am Moosfeld und im Studio am Isartor tolle Sendungen produzierte.“

Nach der Geburt ihres Sohnes war Isabella Hernadi sehr stark in ihrem Viertel Milbertshofen aktiv, wo sie seit 35 Jahren wohnt. Auch hier ist die Liste lang: Beim dortigen Verein Stadtteilarbeit arbeitete sie am Aufbau eines Kinder- und Frauen-Secondhandshops, war unter anderem aktiv beim Frauennetzwerk und im Kinder-und Jugendbereich. Es folgten zehn Jahre Elterntalk als Regionalbeauftragte für Milbertshofen: Dort schulte sie ehrenamtliche Mütter, vor allem Migrantinnen, als Moderatorinnen für Elterngespräche: In Gesprächsrunden erarbeiteten diese dann gemeinsam kreative Lösungen für Erziehungsfragen. Dieses nachhaltige Projekt besteht inzwischen seit 21 Jahren. „Nebenher machte ich sieben Jahre Veranstaltungsmanagement in einem Zentrum für tibetischen Buddhismus“, erzählt Hernadi weiter und lacht: Wenn man so alt sei, komme eben einiges zusammen im Lebenslauf. Fünf Jahre lang war die Allrounderin dann angestellt fürs Veranstaltungsmanagement und die kaufmännische Leitung im Kulturhaus Milbertshofen. Ein Haus, das dem in Trudering von der Größe her durchaus vergleichbar ist. Seit einigen Jahren beschäftige sie sich zudem intensiv mit dem Empower­ment von Frauen.

Man merkt es schon, die Neue liebt die Vielfalt und die Abwechslung: „Sei es von den großen Stars bis zu den kleinen Mäuschen, sei es vom Bayerischen bis hin zum Uigurischen“, zählt sie auf. Der Aufruf des städtischen Kulturreferenten Anton Biebl, Kultur auch in dieser Zeit trotz Einschränkungen zu gestalten, entspreche ganz ihrem Credo, sagt sie. Dafür hat sie in Trudering auch bereits die Ärmel hochgekrempelt und sich in Windeseile eingearbeitet. „Wichtig dabei sind natürlich der unterstützende Vorstand, Rückendeckung vom Kulturreferat und nicht zuletzt das engagierte Team“, sagt sie: „Dann geht das.“

Im Moment lege sie ihren Schwerpunkt inhaltlich bewusst auf die, die von Corona im Alltag besonders betroffen seien, die Kinder und die Eltern, mache gerade für sie viel Programm. Hernadi betont, sie sehe Kultur derzeit auch als „Brücke in einer gespaltenen Gesellschaft“, aber auch als „Ventil für Frust und Angst und Isolation“. Gerade jetzt mit den kleineren, intimeren Formaten könne man auch mehr unbekannteren Künstlern eine Chance geben. Die großen Stars, die Trudering von „seinem“ Kulturzentrum gewohnt ist, werden aber nicht aus dem Programm verschwinden. Oftmals böte sich ein Livestream an für alle, die lieber sicher daheim sein wollen. Die Digitalisierung des Zentrums, die ihr Vorgänger betrieben hat, führt sie konsequent weiter und will das Haus auch so fit machen für die Zukunft.

Die Milbertshofenerin freut sich auf die Zusammenarbeit mit allen, die Trudering mitgestalten, sei es der Bezirksausschuss oder der Truderinger Kulturkreis, der Stadtteilladen oder die Initiative „Trudering im Wandel“. Gespannt und zur Kooperation bereit ist sie auch bei allem, was der Festring für das Jubiläum 1250 Jahre Trudering auf die Beine stellt, das 2022 gefeiert werden soll. Sie freue sich auf alle Begegnungen und hoffe auf eine schöne Art des Miteinanders aller „mit Respekt und Toleranz“.

Vielfältig wie ihre beruflichen sind auch Isabella Hernadis private Interessen, sie reichen von Kino, Musik und Tanz über Kochen und Essen bis zu Literatur, Astrologie und Psychologie. Gut möglich, dass von allem in Zukunft ein wenig einfließt ins Programm. Dafür wird die Neue an der Spitze, geboren im kreativen Sternzeichen Fische, sicher sorgen.

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