Besuch im Landkreis-Impfzentrum der Malteser in Haar

„Die Unplanbarkeit macht es so anstrengend“

  • vonVerena Rudolf
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Warteräume, Ruhebereiche und Impfzimmer. Das Impfzentrum in Haar, das der Malteser Hilfsdienst betreibt, befindet sich auf dem Geländer einer ehemaligen BND-Kaserne an der Wasserburger Landstraße. Riesenandrang oder lange Warteschlangen an den einzelnen Stationen gibt es derzeit nicht, dafür steht noch zu wenig Impfstoff zur Verfügung.

Der leitende Arzt des Malteser Impfzentrums in Haar, Georg Meier, impft eine Dame gegen das Corona-Virus.

„Nun piekst es kurz“, sagt der Arzt Dr. Georg Meier, „und schon haben wir es geschafft.“ Kaum hat er die Spritze gesetzt, wird ihm die Frage gestellt, die der Mediziner derzeit am häufigsten hört: „Welcher Impfstoff ist das jetzt?“ BionTech lautet die Antwort des leitenden Arztes des Impfzentrums in Haar. „Ich schlage vor, Sie verweilen noch etwa eine halbe Stunde zur Nachbeobachtung in unserem Warteraum“, sagt Meier, „einfach aufgrund Ihres Alters.“

Der Arzt unterschreibt, der Impfpass ist aktualisiert und schon kann die ältere Dame, die aufgrund ihrer Demenz in Begleitung ihres Sohnes kommen durfte, langsam den langen Gang zum Ruheraum entlanggehen.

Lange Warteschlangen, ältere Menschen, die ewig in der Kälte stehen müssen — im Haarer Impfzentrum gibt es das an diesem Impftag nicht. Im Gegenteil, wer zum Impfen kommt, geht in Ruhe und gut betreut von Station zu Station. Zunächst werden die Über-80-Jährigen sowie Pfleger in stationären Einrichtungen und ambulanten Pflegediensten sowie Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen, in denen ein sehr hohes Ansteckungsrisiko besteht, priorisiert geimpft, so ist es in der Rechtsordnung des Bundesgesundheitsministeriums festgelegt. Das Haarer Zentrum ist unter anderem für Bürger aus Haar, Feldkirchen, Aschheim, Kirchheim, Grasbrunn, Putzbrunn, Ottobrunn oder Neubiberg zuständig. „Heute werden wir etwa 150 Menschen impfen können“, sagt Dr. Georg Meier. Möglich in Haar wären allerdings 1000 Impfungen pro Tag. Zwölf Impfzimmer gibt es, weniger als die Hälfte werden an diesem Tag nur genutzt. Mehr Impfstoff ist nicht geliefert worden.

Das Impfzentrum ist neben der Teststation

Die Malteser haben das Landkreis-Impfzentrum ebenso wie das von ihnen betriebene Testzentrum in der Räumen der ehemaligen BND-Kaserne an der Wasserburger Landstraße eingerichtet. Wer zum Impfen kommt, darf direkt mit dem Auto auf das Gelände. Wer schlecht zu Fuß ist, kann sogar unmittelbar bis vor den Eingang des Impfzentrums vorfahren. „Einfach spontan vorbeikommen, das geht allerdings nicht“, betont Alexander Brandstaeter, der sowohl die benachbarte Teststation als auch die Impfstation aufgebaut hat und nun den Ablauf koordiniert. Jeder Impfling muss sich über die allgemeine offizielle Seite unter https://impfzen­tren.bayern/ registriert haben und erhält dann auf diesem Wege sowohl für die erste als auch für die etwa drei Wochen danach stattfindende zweite Impfung einen Termin.

Zwei Mal die Woche trifft Impfstoff in Haar ein. BionTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca sind in der EU zugelassen und werden derzeit in Deutschland verimpft. BionTech ist der Impfstoff, der besonders kalt gelagert werden muss. AstraZeneca wird für 18- bis 64-Jährige Menschen empfohlen.

Seit Beginn der Corona-Impfungen haben (Stand 17. Februar 2021) 496.918 Menschen in Bayern die Erstimpfung erhalten. 257.646 erhielten bereits die Zweitimpfung. Bislang wurden insgesamt 1.035.300 Impfdosen nach Bayern geliefert. „Heute haben wir zum Beispiel eine AstraZeneca-Lieferung erhalten, am Sonntag soll Moderna kommen“, sagt Brandstaeter. Und je nachdem, welchen Impfstoff sie erhalten, laden sie jeweils die Impflinge ein. „Biontech erhalten die Über-80-Jährigen, mit AstraZeneca impfen wir zum Beispiel das Pflegepersonal“, so der Impfzentrum-Leiter.

Kein Impfstoff bleibt ungenutzt

Übrig beziehungsweise ungenutzt bleibe bei ihnen kein Impfstoff. „Wir haben eine Liste mit Reserve-Impflingen, zum Beispiel Rettungsdienstler, die wir im Fall der Fälle anrufen und die umgehend kommen.“ Gelagert wird der gelieferte Impfstoff in einem Raum, der ziemlich unspektakulär aussieht und bis auf einen großen Kühlschrank spärlich eingerichtet ist. „Der Raum hat eine Panzertür, noch aus den guten alten BND-Zeiten“, sagt Tassilo Maier von den Maltesern. Gemeinsam mit seinem Kollegen Victor Hauschild zieht Maier den BionTech-Impfstoff an diesem Tag auf. „Pro Fläschchen holen wir sechs Impfdosen raus“, erzählen sie. Als meditativ und ruhig empfinden sie diese verantwortungsvolle Aufgabe. „Sechs Stunden lang kann der Impfstoff, sobald er aufgezogen ist, aufgehoben werden, bis er verimpft werden muss“, sagt Hauschild. „Zwei Stunden lang darf er, nachdem wir ihn aus den Kühlschrank genommen haben, noch in der Ampulle sein“, erklärt der Malteser weiter, während er vorsichtig zwei Ampullen schwenkt. Sehr empfindlich sei dieser Impfstoff, daher müsse jede Bewegung sitzen und sei genau vorgegeben.

Zentrumsleiter Brandstaeter ist zwar nicht jeden Tag vor Ort, aber sieben Tage die Woche erreichbar. Was seine derzeitige Tätigkeit so anstrengend mache, sei die „Unplanbarkeit“. Damit meint er nicht den Ablauf oder die Impfungen selbst. Es sind Anrufe mit neuen Informationen, die ständig bei ihm eingehen, und vor allem die Ungewissheit, wie viel Impfdosen sie überhaupt erhalten. Die Stimmung sei trotzdem gut. „Die Älteren, die zu uns kommen, sind voller Freude“, bestätigt auch Georg Maier, der leitende Arzt. „Da hüpft eine 93-Jährige plötzlich wieder auf die Liege.“

Überdies würden die Älteren die Impfung „gut wegstecken“. Einfach nur durchgeschleust werden sie ohnehin nicht. Ein Impfbogen wird ausgefüllt, es ist Zeit, um gegebenenfalls Fragen zu stellen und natürlich wird der Gesundheitszustand jedes Impflings begutachtet, bevor die Spritze gesetzt wird. „Die meisten haben auch kaum Fragen“, sagt Meier und fügt schmunzelnd hinzu: „Außer die Frage, welchen Impfstoff sie nun erhalten, die kommt fast jedes Mal.“

Verena Rudolf

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